„Die Förderung von erneuerbaren ­Energien ist nicht mehr notwendig!”

Charlie Thomas, Manager des Jupiter Global Ecology Growth Fonds, ­erklärt, warum Klimaschutz und erneuerbare Energien trotz Gegenwind vom neuen US-Präsidenten derzeit die besten Anlagechancen bieten. (Foto: Pepo Schuster, austrofocus.at)

„Tesla Autos sind spannend, aber die Aktie ist derzeit stark überbewertet.“ Charlie Thomas, Jupiter Asset Management

GEWINN: Sogenannte „nachhaltige“ Investments haben derzeit sehr starken Zulauf. Woher kommt diese Entwicklung?

Thomas: Jupiter hat bereits 1988 als eine der ersten Fondsgesellschaften begonnen, Gelder auch nach ökologischen und ethischen Kriterien anzulegen. Damals war das noch ein Nischenthema für  sogenannte „Tree-Hugger“ (Anm. d. Red: im deutschen Sprachraum „Birkenstockträger“ oder „Öko-Spinner“). Heute ist es Mainstream geworden. Im letzten Jahr waren 54 Prozent der weltweit neu installierten Leistung erneuerbare Energie-Kraftwerke. Und selbst große Konzerne wie Siemens werden  mittlerweile „grün“. Doch während sich ein Großteil der Investoren dem Thema über eine negative Auslese und ethische Kriterien nähert, haben wir das von Beginn an als positives Investment, als Chance gesehen.  

GEWINN: Das bedeutet, Sie schließen keine Branchen per se aus?

Thomas: Doch, wir meiden aus ethischen Gründen unter anderem Minenaktien, Ölkonzerne oder Tabakunternehmen. Aber das ist nicht wirklich entscheidend für uns. Sondern wir investieren hauptsächlich deshalb nicht in diese Unternehmen, weil sie einfach keine Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit bieten. 

GEWINN: Und worin liegen diese Herausforderungen?

Thomas: Dazu zählt der Klimawandel, der effiziente Umgang mit den globalen Ressourcen, die demografische Entwicklung etc. Wir suchen hier Unternehmen, die mit neuartigen Technologien einen Transformationsprozess anstoßen wie etwa Vestas Wind, First Solar oder Tomra, den Weltmarktführer bei Pfandflaschenautomaten. Und wir investieren in Firmen, die bestehende Technologien effizienter und umweltschonender machen wie etwa Toray, einen japanischen Hersteller von leichten Flugzeugteilen aus Karbon.

GEWINN: Demnach dürften Sie auch Tesla im Depot haben, die mit ihren Elektroautos gerade die Branche umkrempeln?

Thomas: Nein, in Tesla würden wir derzeit nicht investieren. Nicht, dass wir die Firma und die Elektroautos nicht spannend finden. Aber die Aktie ist aus unserer Sicht derzeit stark überbewertet. Oft ist es generell besser, nicht in Unternehmen zu investieren, die im Rampenlicht stehen, und sich stattdessen die weniger bekannten Zulieferer wie etwa Infineon anzuschauen, die von der Bewertung her einen Bruchteil kosten und profitabel sind. 

GEWINN: Aber elektrische Autos und Batterien sind doch das Thema derzeit . . .

Thomas: Ja, aber aus Sicht eines Investors sind wir da sehr vorsichtig. Wir waren jetzt unlängst in China, Südkorea und Taiwan und haben all diese Batteriefabriken gesehen, die dort aus dem Boden gestampft werden. Da wird einem sofort klar, dass es in diesem Bereich zu einem Konkurrenzkampf kommen wird. Noch dazu, da diese Staaten mit massiven Förderungen eingreifen, um bei diesen Trendindustrien zur Nummer eins aufzusteigen. Das ist eine ähnliche Situation wie bei Solarpanelherstellern im Jahr 2008. Nach einem Besuch in China haben wir damals alle Solar-Aktien verkauft.

GEWINN: Haben Sie aktuell nicht auch Solarfirmen wie First Solar im Portfolio?

Thomas: Richtig, seit 2015 sind wir in diesem Bereich wieder investiert, weil die Erwartungen heute deutlich rationaler sind. Generell sehen wir bei erneuerbaren Energien derzeit die besten Anlagechancen, weil sie preislich konkurrenzfähig werden. Die Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien sind in den letzten acht Jahre um 80 Prozent gesunken. Letztens wurde uns ein Solarenergieprojekt in Abu Dhabi vorgestellt, wo sie Strom zu einem Preis von 2,4 US-Cent herstellen werden, was unter dem aktuellen Marktpreis liegt. 

GEWINN: Was erwarten Sie diesbezüglich von einem Präsidenten Trump?

Thomas: Kurzfristig wird er durch seine Rhetorik Erneuerbare-Energie-Firmen unter Druck bringen. Aber langfristig spielt etwa die von ihm angekündigte Streichung der Förderungen keine so große Rolle, weil hier die Fortschritte so groß sind, dass diese bald ohnehin nicht mehr notwendig sein werden. 

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.