„Ein Statement-Investment!“

Infineon Technologies Austria glaubt an den Standort Österreich und investiert satte 1,6 Milliarden Euro in den Ausbau des Werks in Villach. In Oberösterreich und der Steiermark fielen Anfang April die Spatenstiche für die Erweiterungen der Standorte Linz und Graz.

Infineon Technologies Austria investiert 1,6 Milliarden Euro in den Standort Österreich. Sabine Herlitschka: „Unsere Investition ist nicht nur wichtig, weil sie groß, sondern weil sie ein strategisches Statement ist.“ (Foto: Infineon/tinefoto.com | martin steinthaler)

„China investiert 150 Milliarden Dollar in den Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie, um diese zentrale Schlüsseltechnologie zu stärken. Von den 20 größten Halbleiterunternehmen werden nur noch drei aus Europa gesteuert. Und das für Technologien, die für unser tägliches Leben essenziell sind“, gibt Sabine Herlitschka, Chefin von Infineon Technologies Aust­ria, zu bedenken, warum es ihr nicht nur um den bloßen Ausbau eines Standortes geht. „Daher ist unsere Inves­tition nicht nur wichtig, weil sie groß, sondern weil sie ein strategisches Statement ist. Wir sind derzeit die größte Baustelle dieser Art in Europa“, schießt sie nach.

1,6 Milliarden Euro Investment

Die Investition, von der Herlitschka spricht, ist tatsächlich ein Statement: Die Infineon Technologies Austria AG wird in Villach eine neue Fabrik für Leis­tungshalbleiter errichten. Neben der bestehenden Fertigung wird eine vollautomatisierte Chipfabrik für die Produktion auf 300-Millimeter-Dünnwafern gebaut. Über einen Zeitraum von sechs Jahren sind Investitionen von insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro geplant. Rund 400 neue, insbesondere hochqualifizierte Arbeitsplätze werden entstehen, die Fertigung soll Anfang 2021 starten. Bei vollständiger Auslastung liegt das geschätzte zusätzliche Umsatzpotenzial durch die neue Fabrik bei zirka 1,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Derzeit betreibt Infineon in Österreich neben Villach noch Niederlassungen in Graz, Klagenfurt, Linz und Wien. Rund 4.200 Beschäftigte erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2018 ­einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Mit einem Forschungsaufwand von 498 Millionen Euro zählt man hierzulande zu den for­schungs­stärks­ten Unternehmen. Wahrlich nicht schlecht für etwas, das einst als verlängerte Werkbank begann und sich über die Jahre hin zum Kompetenzzentrum des Konzerns wandelte.

Warum Marcel Hirscher gewinnt

Wie konnte Herlitschka die Konzernzent­rale davon überzeugen, im beinharten Standortwettbewerb auf Europa, im Speziellen auf Villach zu setzen und nicht andere Werke in Asien aufzubauen? „Asien oder Europa standen zur Diskussion. Es sollte eine Erweiterung eines Standorts sein, wo bereits Front-end-Chipproduktion stattfindet.“ In Europa kamen daher Dresden und Villach in Betracht. Warum es dann schlussendlich Villach wurde? Herlitschka antwortet mit einer Gegenfrage: „Marcel Hirscher, warum gewinnt er? Wegen des Gesamtpakets. So wie wir.“

Mit der Investition sei Infineon in Österreich in der Lage, die Produktion so auszuweiten, dass „wir, was die Kosten angeht, die Basis für globale Wettbewerbsfähigkeit schaffen, dabei auf starkem Mitarbeiter-Know-how aufbauen und weiter Innovationen vorantreiben“, so Herlitschka. „Aus der Kombination heraus entwickeln wir die gewachsene Infrastruktur der letzten 50 Jahre weiter und stärken uns damit langfristig am Standort Österreich.“

Eine Fabrik, zwei Standorte

Wobei das Gesamtpaket auch eine interessante organisatorische Neuheit im Gepäck mit beinhaltet. Das Konzept „Eine Fabrik mit zwei Standorten“.

Worum geht es dabei? Dresden ist der größte Standort von Infineon zur Wafer-Verarbeitung und es wird erwartet, dass die dortige 300-Millimeter-Fertigung bis 2021 ausgelastet ist. Infineon wird in der neuen Villacher Fab­rik auf den Automatisierungs- und Digitalisierungskonzepten aus Dresden aufsetzen – wofür es eine exzellente Grundlage gibt, schließlich hat Villach die 300-Millimeter-Technologie ja entwickelt und mit den Dresdner Kollegen hochgefahren – und will diese im Verbund weiterentwickeln, um die Produktivität zu erhöhen und um Synergien bei Systemen und Prozessen an beiden Standorten sicherzustellen.

Herlitschka: „Wir ziehen nun mit der Vollautomatisierung in Villach nach – damit ergänzen sich beide Standorte perfekt. Unser Konzept ist, die Digitalisierung weiterzutreiben und an beiden Standorten in einem Verbund zu agieren, nach dem Motto ,one virtual fab‘.“

Herlitschka bejaht: „Das hat einen disruptiven Charakter. Wenn das so aufgeht, kann es ein Modell sein, in Europa in einer massiv umkämpften Schlüsseltechnologie wettbewerbsfähig zu produzieren. Mit diesem Rückenwind können wir in einer gewachsenen Infrastruktur nachhaltige strukturelle Veränderungen setzen.“
Ein strategisches Statement eben!

Neue Arbeitsplätze und Mitarbeiter mit Visionen gesucht

Das Investitionsprogramm wird neben den besagten 400 neuen Arbeitsplätzen in Villach flankiert von insgesamt 860 neuen Mitarbeitern in F&E an unterschiedlichen Standorten: 350 in Villach, 290 in Graz und 220 in Linz, wo im April der Spatenstich für den neuen Standort der Infineon-Austria-Beteiligungsgesellschaft DICE stattfand. 

Gesucht wird je nach Jobprofil in der Region bis hin zu weltweit. „Letztes Jahr haben wir 450 neue Leute angestellt. Pa­rallel fördern wir stark die innerbetriebliche Weiterbildung. Aktuell haben wir knapp 100 offene Stellen“, beschreibt Herlitschka. Zusammenarbeiten mit Universitäten, Fachhochschulen etc., Infineon geht weite Wege, um auch weiterhin die geeigneten Fachkräfte zu bekommen – wobei Herlitschka feststellt: „Wir suchen Menschen, die unsere Visionen teilen. Das klingt idealistisch – und ich meine es so.“

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