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„Einzelhandel ist kein Wachstumsmarkt“

Frank Albert hat mit Supernova eines der größten Handelsimmobilienunternehmen in Österreich und Südosteuropa aufgebaut. Wie es mit dem ­Handel nach Corona weitergeht und er trotz Online-Konkurrenz expandiert.

Supernova-Gründer Frank Albert: „Der Online-Anteil im Handel wird sich bei 18 bis 22 Prozent einpendeln.“ (Foto: Supernova Invest GmbH)

GEWINN: Sie betreiben 77 Shopping- und Fachmarktzentren, Baumärkte und andere Einzelhandelsimmobilien in fünf Ländern. Wie viele Tage mussten die Geschäfte seit Beginn der Pandemie geschlossen bleiben?

Albert: Im Schnitt sicher acht bis zehn Wochen (Stand Ende Jänner). Slowenien hat es am härtesten getroffen. Dort sind die Geschäfte seit Ende Oktober geschlossen. Leider ist das unser größter Markt. Bisher war das immer unser bester und stabilster Markt. In Österreich hatten wir im Frühjahr 2020 das Glück, dass die Baumärkte sehr schnell wieder aufgesperrt haben.

GEWINN: Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass es bald genügend Impfstoff gibt und die Geschäfte überall wieder aufsperren: Rechnen Sie damit, dass der Konsum schnell wieder anspringt, oder werden wir Jahre brauchen, um wieder dorthin zu kommen, wo wir vor der Pandemie waren? Schließlich gibt es auch mehr Arbeitslose, mehr Menschen, die weniger Einkommen zur Verfügung haben?

Albert: Das geht von einem Tag auf den anderen. Das hat man im Sommer gesehen. Wir waren zwar nicht auf dem Niveau von 2019, aber relativ nah dran. Einige Branchen lagen sogar darüber, z.B. Baumärkte, Möbelhäuser und Lebensmittelhandel. Ich erwarte auch, dass die Arbeitslosigkeit mit dem Ende der Pandemie deutlich sinken wird, z. B. wenn der Tourismus wieder anspringt. Ich bin kein grenzenloser Optimist, aber ich halte es für realis­tisch, dass wir im Einzelhandel sehr rasch wieder auf ein gutes Niveau kommen werden.

GEWINN: Nicht alle Geschäfte werden den Lockdown überleben. Stellen Sie sich auf ­höhere Leerstände ein?

Albert: Wir sind derzeit mit einer Vermietungsquote von 99 Prozent voll. Wir haben nur Leerstand, wenn wir irgendwo etwas strukturell anpassen, z. B. wenn ein Mieter innerhalb eines Centers umzieht. Ich glaube, dass das so bleibt, weil wir erstens mit allen unseren Mietern sehr enge und stabile Partnerschaften haben, wie z. B. mit Spar. Und deswegen wissen wir auch, wie es ihnen geht. Es gibt zwei, drei Mieter bei uns, die derzeit Probleme haben. Und mit denen haben wir schon gemeinsame ­Lösungen entwickelt. Und zweitens haben wir unsere Mieter sehr sorgfältig ausgesucht. Wir haben immer die Qualität des Mieters in den Vordergrund gestellt. Aber zweitklassige Zentr­en und Standorte werden zu kämpfen haben. Da wird es zu Einschnitten kommen.

GEWINN: Werden Standorte ganz verschwinden? Ein großes Shopping-Center-Sterben wie in den USA ­kennen wir in Europa noch nicht.

Albert: In den USA gibt es zehnmal so viele Quadratmeter Handelsfläche pro Bürger als in Österreich. Aber auch hierzulande sehe ich Flächenreduktionen auf uns zukommen. Schlechte Standorte haben mittelfristig keine Berechtigung mehr. Der Einzelhandel ist kein Wachstumsmarkt, sondern ein Markt, der sich nach der Krise stabilisieren wird.

GEWINN: Wird sich der Mix in den Shoppingcentern weiter verändern? Textil- und Schuhhandel waren schon vor der Krise am Flächen verkleinern. Welche Branchen werden die Lücke ausfüllen? Kommt mehr Gastro­nomie?

Albert: Dieser Prozess wird sich fortsetzen. Die Leute kaufen in den Shoppingcentern mehr Dinge des täglichen Bedarfs. Es werden auch die Diskontgeschäfte stärker Einzug ­halten. Für die Gastronomie gibt es Grenzen. Ich würde diese bei zirka zehn Prozent der Gesamtfläche ansetzen. Sonst wird der Kuchen für die Gastronomen zu klein.

GEWINN: Handelsforscher erwarten, dass der in der Pandemie an den Online-Handel verlorene Marktanteil nicht wieder zurückerobert werden kann. Sie auch?

Albert: Wir waren vor der Pandemie im Bereich von sechs Prozent Online-Anteil. In Großbritannien beträgt der Anteil heute schon 25 Prozent. Ich rechne damit, dass wir uns in Österreich in Zukunft irgendwo bei 18 bis 22 Prozent einpendeln werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es danach noch nennenswert weiter nach oben geht, weil es ganz viele Produktgruppen gibt, die man eigentlich nicht online kaufen will. Zum Glück.

GEWINN: Der Lebensmittelhandel erscheint resistent gegen Amazon.

Albert: Auch beim Lebensmittelhandel werden Online und Zustellung noch stärker werden. Aber insgesamt ist das ein Bereich, der relativ unantastbar ist. Das gilt auch für die Diskonter, weil die Transportkosten teurer sind als das Produkt.

GEWINN: Vor allem bei den Preisen sieht der stationäre Handel in den Augen vieler Kunden oft schlecht gegenüber Amazon aus.

Albert: Wir schauen uns das laufend an. Das Preisargument stimmt nicht. Die Dinge
kosten im Schnitt dasselbe wie im statio-nären Handel.

GEWINN: Supernova ließ vor einigen ­Monaten mitten in der Pandemie mit dem Kauf des ersten Shoppingcenters in Rumänien ­aufhorchen. Sie sind auf Expansionskurs. ­Mutig oder verrückt?

Albert: Wenn man ein schlechtes Shoppingcenter kauft, dann gehört man zu den Verrückten. Wenn man ein gutes zu einem ordentlichen Preis kauft und eine Strategie hat, was man damit macht, dann ist es eine schlaue Idee. Wir arbeiten noch an weiteren Zukäufen in Rumänien, Ungarn und Kroatien und wir wollen in Großbritannien in das Management von Fachmarktzentren einsteigen. Meist sind es bestehende Center, die wir übernehmen, und keine Neubauten, weil der Markt einfach gesättigt ist. In ganz Österreich kenne ich nur noch zwei Orte, wo man ein neues Center ­bauen könnte. Vor 20 Jahren waren es noch an die 100.

GEWINN: Supernova ist auf Handel spezialisiert, Sie planen aber auch ein Hotelprojekt in Köln.

Albert: Ja, das ist ein Projekt mit einem Partner. Wenn die Pandemie nicht gekommen wäre, hätten wir uns bereits intensiver mit weiteren Hotelprojekten beschäftigt. Wenn wir neben dem Handel noch ein weiteres Standbein aufbauen, dann sicher Hotels. Ich werde mich nicht mit Wohnbau beschäftigen. Das können andere besser.

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