Günstige Mobilität fürs Geschäft

Ein eigener Fuhrpark ist teuer. Sparen kann man, indem man einen externen Fuhrparkmanager engagiert oder sich eine der neuen Mobilitätsalternativen ansieht.

Foto: Kirsty Pargeter - Thinkstock.com

Firmenautos sind eine der Top-5-Budgetpositionen in einem Unternehmen. Dazu kommt, dass unterschiedliche Leasing-Verträge, jährlich Hunderte Tank- und Werkstattrechnungen leicht dazu führen, dass man die Übersicht verliert. Bei größeren Fahrzeugflotten – der durchschnittliche gewerbliche Fuhrpark in Österreich zählt 17 Fahrzeuge – kann das teuer werden. Experten sprechen von möglichen Fehlbeträgen in sechsstelliger Höhe, wenn die Fuhrparkverwaltung auf die allzu leichte Schulter genommen wird.
Doch das passiert nur zu oft, weiß Henning Heise, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Heise Fleetconsulting, aus eigener Erfahrung. Als er vor Jah-ren ein Pharmaunternehmen beraten sollte, wurde ihm erklärt, den Fuhrpark mache die Empfangsdame nebenher. Man verfüge ja nur über 35 Dienstfahrzeu-ge. „Nachdem ich dem Geschäftsführer daraufhin erklärt hatte, dass sein Fuhrpark erstens nicht klein, ­sondern doppelt so groß wie der Durchschnitt ist, und dass er zweitens eine ­völlig unausgebildete Kraft über ein Budget von einer halben Million Euro entscheiden lässt, wurde er blass.“

Was Fuhrparkmanager bringen

Teure Fehler lassen sich vermeiden, indem man seine Flottenagenden einem Profi, also einem externen Fuhrparkmanager, übergibt. Dieser hat Erfahrung, Wissen, Kontakte und vor allem die richtige Software. Heise: „Mit Excel kann man einen Fuhrpark nicht managen.“ Vor allem für KMU interessant ist, dass auch das Finanzierungsrisiko auf den Fuhrparkmanager übergeht. Renato Eggner, Geschäftsführer der Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement GmbH, umreißt das Leis­tungsangebot eines Fuhrparkmanagers: „Es reicht von der Erstellung einer Dienstwagenordnung und der fachmännischen Beratung bei der Auswahl der Fahrzeuge über die laufende Betreuung während der Nutzung inklusive Wartung, Reifen, Kraftstoff, Schadensmanagement, Versicherung und Barbelege bis hin zur Verwertung der Fahrzeuge am Ende der Nutzungsdauer.“

Natürlich gibt es all das nicht kostenlos. Nigel Storny, Managing Director des markenunabhängigen Anbieters LeasePlan Österreich: „Die Kosten hängen im Wesentlichen von folgenden Faktoren ab: dem Fahrzeug, der Vertragsdauer und der Laufleistung sowie dem Service-Umfang, der bis zum Rundum-sorglos-Paket reichen kann.“

Unterm Strich bringt das Fuhrparkmanagement aber mehr, als es kostet, so Heise: „Das Sparpotenzial beträgt zwischen zehn und 30 Prozent, abhängig von der Branche und der Zusammensetzung des Fuhrparks.“ Bei Pkw könne mehr eingespart werden, weil die Auswahl größer sei. Außerdem müsse ein Pkw meist nicht so ein enges Anforderungsprofil erfüllen wie ein Lkw.

Auch wer nur eine kleine Fahrzeugflotte besitzt, muss auf Outsourcing nicht verzichten, um Kosten zu sparen. „Unsere Services sind individuell angepasst, nicht nur für große Flotten, sondern auch für kleine Fuhrparks ab einem Fahrzeug“, so Storny.

Kostenfallen bei den Angeboten

Was den Vergleich der Angebote externer Flotten­manager hierzulande erschwert, ist der Umstand, dass keine Restwerte publiziert werden dürfen. Diese sind aber ein wichtiger Punkt in der Leasing-Kalkulation. Denn den begehrten garantierten Restwert gibt es nur, wenn das Fahrzeug am Ende der Laufzeit in einem „sehr guten Zustand“ retourniert wird. Was Leasing-Gesellschaften darunter verstehen, kann man sich in einem bebilderten Katalog namens „Fair Wear & Tear-Guide“, den manche Anbieter freiwillig angefertigt haben, anschauen.
Weiters ist Nachfrage angeraten, welche Beratung die einzelnen Kandidaten anbieten können, mit welchen konkreten Lösungen sie den Fuhrpark optimieren wollen. Wobei man sich über eines selbst klar werden muss: Wie lange will ich ein Fahrzeug nutzen? Heise: „Zu lange ist ebenso schlecht wie zu kurz. Es gilt abzuwägen zwischen Finanzierungs- und Instandhaltungskosten.“

Hier sind die gefahrenen Kilometer ein wichtiger Punkt. Wurde der LeasingVertrag zwischendurch nicht angepasst, können mehr Kilometer am Ende der Laufzeit zu empfindlich hohen Nachzahlungen führen.

TIPP: Bei der Wahl des richtigen Partners hilft die Übersicht der Mitglieder des Fuhrparkmanagement-Ausschusses im Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL). Diese haben sich zur Einhaltung einheitlicher  Qualitätsstandards verpflichtet. Abrufbar ist ­diese sowie eine Check­liste unter www.leasingverband.at/leistungsspektrum.

Wichtige Tipps zum Umstieg

Hat man sich auf einen Anbieter festgelegt, geht es an den Umstieg. „Der erste Schritt ist eine umfassende Fuhrparkanalyse. Wir beleuchten unter anderem die aktuelle Fuhrparkzusammenstellung und die bestehende Aufbau- und Ablauforganisation“, rät dazu Terno Schwab, Vorsitzender der Geschäftsführung von Alphabet Österreich, einer BMW-Tochter. „Eine Ist-soll-Analyse ermittelt den Bedarf des Kunden – darauf bauen wir unser Konzept mit Lösungsvorschlägen auf. Gemeinsam mit dem Kunden gehen wir diese durch und schauen, welche organisatorischen Abläufe im Unternehmen bleiben und welche künftig von Alphabet ausgeführt werden sollten.“

Wie lange der Umstieg letztlich dauert, hängt vom Kunden ab. Schwab dazu: „Wenn es darum geht, den Kauffuhrpark auf Leasing umzustellen, ist eine sukzessive Anpassung nach den jeweiligen Anforderungen problemlos möglich.“ Raiffeisen-Mann Renato Eggner findet es ideal, wenn an einem Stichtag das Management für den gesamten bestehenden Fuhrpark plus die Beschaffung der Neufahrzeuge übergeben werden. „Das braucht zirka zwei Monate Vorbereitungszeit, dafür hat der Kunde dann aber kein Mischsystem und spart ab dem ersten Tag der Auslagerung den vollen, administrativen Aufwand.“

Elektrofahrzeuge stark im Kommen

Apropos Mischen: Eine aktuelle Erhebung des LeasingUnternehmens Arval (BNP Paribas-Gruppe) kommt zum Ergebnis, dass jedes dritte Unternehmen in Österreich plant, in den kommenden drei Jahren alternative Antriebe einsetzen zu wollen. Das wäre zum Ist-Zustand eine enorme Steigerung, denn nur fünf Prozent der Befragten gaben an, derzeit bereits ein Elektroauto oder Hybridfahrzeug tatsächlich im Fuhrpark zu haben. „Wir spüren zunehmendes Interesse von Unternehmen an Fahrzeugen mit alternativem Antrieb“, sagt Gwénael Cevaer, Managing Director Arval Österreich. „Trotzdem entscheidet sich am Ende immer noch ein Großteil unserer Kunden für einen Verbrennungsmotor.“

Die Gründe liegen vor allem in der begrenzten Reichweite und mangelnder Infrastruktur, nicht so sehr in den Gesamtbetriebskos­ten. Cevaer ist dennoch überzeugt, dass Elektrofahrzeuge eine sinnvolle Ergänzung für den betrieblichen Fuhrpark sind. „E-Fahrzeuge machen vor allem für gleichbleibende tägliche Fahrten und bekannte, planbare Strecken Sinn. Sie eignen sich besonders als Poolfahrzeuge, für Botenwege oder im Werksverkehr.“

Steuervorteile machen E-Autos attraktiv

Dass E-Fahrzeuge in den Fokus von Firmenflotten geraten sind, hat die Politik maßgeblich unterstützt, zuletzt durch eine Prämie von bis zu 4.000 Euro, die man seit 1. März beim Kauf eines E-Autos lukrieren kann. „Das wird nur marginale Auswirkungen auf Flotten haben, die Alltagstauglichkeit von E-Autos ist einfach noch zu schlecht“, ist Fuhrparkexperte Heise skeptisch. Ein Zusammenschluss von elf heimischen Energieversorgern zum größten flächendeckenden Ladenetz Österreichs soll das ab April ändern. Jürgen Halasz, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ), stellvertretend für die elf Energieunternehmen: „Das Ladenetz umfasst derzeit 1.300 öffentliche Ladepunkte zwischen Wien und Bregenz, bis Ende 2017 werden es 2.000 sein.“ Der Großteil der öffentlichen Ladestationen befindet sich bei Einkaufscentern, in Park & Ride-Anlagen oder in Garagen.

Aber es gibt auch Steuerzuckerl, die wirken. So ist für reine E-Fahrzeuge seit 2016 keine NoVA zu entrichten, keine Versicherungssteuer zu bezahlen und die Anschaffungskosten sowie die laufenden Kosten sind bis 40.000 Euro voll vorsteuerabzugsberechtigt. Schön für die Mitarbeiter, die ein E-Auto als Firmenwagen benützen, ist außerdem, dass seit 2016 der Sachbezug entfällt. Bei herkömmlichen ­Autos mit Verbrennungsmotor, die mehr als 127 g CO2 pro km ausstoßen, wurde dieser hingegen auf zwei Prozent erhöht. Wie sich diese Maßnahmen auswirken, beschreibt Roland Leitner, Leiter Flottenmanagement der Porsche Bank: „Die neue steuerliche Regelung führt bereits zu einem Trend hin zu kleineren und verbrauchsgünstigeren Fahrzeugen mit einer CO2-Grenze unter 127 Gramm. Das Wegfallen des Sachbezugs zur Gänze steigert die Attraktivität der Elektrofahrzeuge in diesem Fall enorm.“ Renate Toma­schek, Geschäftsführerin der Objektmanagement GmbH, die unter anderem das Fuhrparkmanagement der Erste Group managed, bestätigt: „Wir sind in der Testphase,
E-Fahrzeuge sind jedenfalls aus Nachhaltigkeitsgründen ein Thema in der Erste Group. Wir haben derzeit einige ­Hybridautos im Fuhrpark und unsere Carpolicy wird auch dahin gehend überarbeitet.“

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