„Je tiefer der Ölpreis sinkt und je länger das dauert, desto steiler wird er dann wieder hochschnellen!“

Gerald Grohmann, Schoeller Bleckmann, im GEWINN-Interview.

Gerald Grohmann, Vorstandsvorsitzender der Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG

Willkommen in der Hochschaubahn der Erdölpreise, mit diesen Worten empfängt der Vorstandsvorsitzende der SBO (Schoeller Bleckmann Oilfield), Gerald Grohmann, im Stammwerk in Ternitz GEWINN-Herausgeber Georg Wailand zum Interview. Immerhin ist die SBO Weltmarktführer in der Zulieferung von „intelligenten Komponenten“, die auch „um die Ecke bohren können“. So toll das klingt, so brutal geht es der Branche derzeit: Der Ölpreis ist in eineinhalb Jahren um 75 Prozent abgesackt, viele Investitionen werden weltweit gestrichen, auch SBO musste im Vorjahr den Personalstand von 1.720 auf 1.130 reduzieren. Und die alles entscheidende Frage lautet: Wie wird es mit dem Ölpreis weitergehen?

GEWINN: Hat jemand in Ihrer Branche diesen Preisverfall bei Rohöl vorhergesehen?

GROHMANN: Ich kenne keinen. Aber fairerweise muss man hinzufügen, dass Goldman Sachs Ende 2015 ein Absinken des Ölpreises auf 20 Dollar „nicht ausschließen wollte“, nur hat damals niemand daran geglaubt. Warum es zu diesem Preissturz gekommen ist? Das hat mehrere Ursachen, eine davon ist die Entwicklung in den USA: Dort ist die Ölförderung bis 2008 langsam, aber stetig zurückgegangen – bis sich die Amerikaner strategisch entschlossen, im großen Stil Schieferöl zu fördern und damit weltweit wieder zur Weltspitze in der Ölproduktion aufzusteigen. Viele Fachleute haben geglaubt, dass sich das Schieferöl nur bei einem Preisniveau von 70 Dollar rechnet, heute wissen wir, dass das nicht stimmt. Etliche Betriebe schaffen das auch bei niedrigeren Preisen.

GEWINN: So ein knallharter Preisverfallmussdochbrutale Auswirkungen auf Ihr Geschäft haben.

GROHMANN: Wir haben sehr früh reagiert und sind gut aufgestellt. Wir konnten unsere liquiden Mittel von 130 auf 200 Millionen Euro erhöhen, und sind für eine eventuelle Durststrecke gewappnet. Bei dem tiefen Preisniveau wird viel weniger gefördert und daher auch z. B. 2015 um 30 Prozent weniger investiert. Heuer wird das noch einmal so einen Rückschlag geben. Nein, derzeit ist es nicht lustig in der Ölservicebranche, aber wir sind lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, dass es auch wieder anders kommen wird. Dafür hatten wir zuvor vier ausgezeichnete und erfolgreiche Jahre mit neuen Um- satzrekorden, dann ging es steil bergab. Willkommen in der Hochschaubahn der weltweiten Ölpreise! Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

GEWINN: Wieso sind Sie da so sicher? Auf großen internationalen Konferenzen wurde der totale Ausstieg aus fossiler Energie beschlossen, die Reserven werden auch nicht mehr ewig reichen etc.

GROHMANN: Der Club of Rome hat 1972 vorhergesagt, dass die Ölreserven nur noch für 30 Jahre reichen würden. Da hätte 2002 alles aus sein müssen – stattdessen haben wir durch den Fracking-Boom in den USA eine neue Ölschwemme. Natürlich, Öl ist ein endlicher Rohstoff, aber es wird ihn und erst recht das Gas noch viele Jahrzehnte geben. Neue Bohrtechnologien machen es möglich, Öl auch aus schwierigeren Lagen zu fördern. Bedenken Sie: Derzeit werden aus den bekannten Lagerstätten nur rund 30 bis 40 Prozent des Öls herausgeholt, 60 Prozent bleiben drinnen. Neue Entwicklungen werden es möglich machen, künftig auch diese Mengen zu fördern. 

 

Das ganze Interview mit Gerald Grohmann lesen Sie im Heft GEWINN 2/2016.

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