Wie man eine Unternehmensübernahme finanziert

Rund 90.000 heimische Unternehmen suchen einen Nachfolger. Doch wie kommen Interessenten zu einer leistbaren Finanzierung?

Foto: LightFieldStudios - Thinkstock.com

Angenommen, man weist langjährige Managementerfahrung auf und möchte nun selbst einen Industriebetrieb übernehmen. Der Übernahmepreis liegt bei 700.000 Euro, der Umsatz beträgt 2,5 Millionen Euro und das Ebitda der vergangenen drei Jahre lag zwischen 150.000 und 270.000 Euro, Tendenz steigend. Mit dieser Ausgangssituation konfrontierte GEWINN Banken, AWS und den Betreiber einer Unternehmensbörse. Rudolf Fantl, Betreiber der Betriebsbörse, beruhigt vorab: „Wird eine Übernahme gut vorbereitet, scheitert sie nur in den seltensten Fällen.“

Für ein Gelingen äußerst wichtig, dennoch immer wieder übersehen werden laut Gerald Fleischmann, Generaldirektor Volksbank Wien, alte Abfertigungsansprüche, mögliche Änderungen im Mietvertrag (aufgrund der Nachfolge) und der weitere Verbleib von Leistungsträgern unter den Mitarbeitern. Um die Firma besser kennenzulernen, hilft auch, so Fleischmann, „vor Übernahme im Unternehmen mitzuarbeiten“.

Besonders altgediente Manager haben als Aufkäufer Informationsvorteile, was die Aufbereitung des Finanzierungsfalles gegenüber Banken erleichtert. Denn diese wollen viele Informationen. Dazu Gregor Deix, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Erste Bank: „Wir brauchen einen Business-Plan mit einer Darstellung der Cashflows für die kommenden Jahre. Entscheidend dabei wären neben den üblichen Soft Facts auch Investitionserfordernisse in den kommenden Jahren, die Steuerposition und die Finanzverbindlichkeiten.“ Als externer Unternehmenskäufer ist man hier stärker vom Steuerberater abhängig.

Eigenmittel selten Stolperstein

„Ein Grund, dass die Übernahme nicht zustande kommt, wäre, wenn der Subs­tanzwert über dem Ertragswert liegt“, so Fantl, der dies anhand einer Tischlerei, die früher 30 und heute nur noch sechs Mitarbeiter beschäftigen kann, illustriert. Maschinen und Gebäude sind abbezahlt und der verkaufende Tischlermeister will natürlich Geld für die unausgelasteten Maschinen und das Gebäude. Doch den hohen Preis kann und will niemand zahlen, wenn die möglichen Erträge zu niedrig sind.

Eigenmittel sind laut Kurt Leutgeb, AWS-Geschäftsfeldleiter Garantien und Eigenkapital, zwischen zehn und 30 Prozent erforderlich. Neben Cash kommt etwa auch die Einbringung (Belehnung) von Immobilien infrage.
Am besten funktioniert eine Kombination aus Eigenmitteln, Förderungen und Bankkrediten. Die wesentlichste Fördereinrichtung ist auch hier der AWS, der auf eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren und bis zu einem Kreditbetrag von 2,5 Millionen Euro Garantien von 80 Prozent für den Übernahmekredit übernehmen kann. Wie die Tabelle unten zeigt, liegen die Kreditzinssätze der Banken für KMU-Übernahmen derzeit zwischen Euribor plus 1,2 und Euribor plus 2,75 Prozentpunkten – je nach Besicherung (z. B. AWS-Garantie), Bonität sowie Eigenmittelantei

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