Wirtschaftswachstum trotz Corona: Rückenwind für chinesische Aktien

Chinas Wirtschaft erholt sich offenbar schneller als der Rest der Welt. Langfristig verspricht Chinas Wandel von der Werkbank zum größten Binnenmarkt der Welt erhebliches Ertragspotenzial – allerdings mit starken zwischen­zeitlichen Schwankungen.

(Foto: sayoga - Gettyimages.com)

China war bekanntlich das erste Land, das vom neuartigen Corona-Virus betroffen war. Schnell breitete sich das Virus im „Reich der Mitte“ aus. Die chinesische Führung reagierte mit dras­tischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, weshalb der Wirtschaftseinbruch dort zuerst spürbar war. Dem Einbruch folgte aber im dritten Quartal wieder eine entsprechende wirtschaftliche Erholung, und die Börsen sehen die weitere Entwicklung mit großem Optimismus.

Können die chinesische Wirtschaft und damit auch der chinesische Aktienmarkt eine weltweite Führungsposition einnehmen? Oder war das Sommerhoch nur ein Strohfeuer? GEWINN analysiert für Sie die aktuellen Rahmenbedingungen für die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und gibt Strategietipps und Empfehlungen für die nächsten sechs bis zwölf Monate.

China: „First in – first out“

Die weltweite Corona-Pandemie dürfte nach heutigem Kenntnisstand im Dezember 2019 vom Fischmarkt der ElfMillionen-Stadt Wuhan ihren Ausgang genommen haben. Nach einem 76-tägigen Lockdown konnte sich die Situation entspannen und im Frühsommer Entwarnung ausgerufen werden. In den Folgemonaten wurden nur geringe Fälle gemeldet, sodass die Volksrepublik China mit Stolz darauf hinweist, es als einer der wenigen Staaten weltweit geschafft zu haben, die Pandemie weitestgehend einzudämmen. Doch wie fast überall stellt sich die Frage, zu welchem „Preis“ und mit welchen Mitteln die verbesserte Situation „erkauft“ wurde, wie angeschlagen die Wirtschaft (und auch die Bevölkerung) ist, und wie sich nun die Zukunftsperspektiven präsentieren.

Die Aktienbörsen als sensibelste und auch vorauseilende Indikatoren haben auch in China, genauso wie weltweit, mit entsprechenden Kursausschlägen reagiert und für Wechselbäder bei den Anlegern gesorgt. An den Börsen von Shanghai und Shenzhen gab es sowohl in der zweiten Hälfte des Monats Jänner als auch im März einen markanten Einbruch, dem aber auch eine kräftige Erholung folgte. Zu Sommerbeginn „explodierten“ dann die Kurse geradezu und hatten sich in knapp vier Monaten sogar im breiten CSI-300-Index, der die wichtigsten in Shanghai und Shenzhen gehandelten Titel enthält, um sagenhafte 40 Prozent nach oben katapultiert (siehe Grafik in unserer Novemberausgabe). Gemeinsam mit der technologielastigen Nasdaq-Börse in den USA war China damit ganz an der Spitze der internationalen Börsenperformanceskala zu finden.

Nach diesem Höhenflug konsolidierte der chinesische Markt im Spätsommer und im Herbst. Doch in der verdienten „Verschnaufpause“ waren immer wieder Anläufe zu den Jahreshöchstständen festzustellen. Nachdem die kräftige Aufwärtswelle vom Juli in erster Linie von inländischen Börsianern getragen wurde, engagierten sich den Sommer über immer mehr ausländische Investoren, vor allem große global anlegende Investmentfonds wagten sich wieder nach China. Dabei ist erwähnenswert, dass in China in heißen Börsenphasen Aktienkäufe (durchaus auch auf Kredit) oft von privaten Spekulanten als Ersatz für verbotenes Glücksspiel gesehen werden. Generell ist die chinesische Bevölkerung im internationalen Vergleich allerdings eher risikoscheu und erhöht, wie aktuell festzustellen war, eher die Sparquote.

Staatsbetriebe bevorzugt

China hat es dieses Mal, genauso wie in der weltweiten Finanzkrise 2008, durch dirigistische Maßnahmen relativ rasch geschafft, dem wirtschaftlichen Unheil zu entkommen. Selbst wenn es immer wieder von höchster Politik (Lippen-)Bekenntnisse zur freien Marktwirtschaft gibt, wurden auch heuer wiederum eindeutig Staatsunternehmen bevorzugt und ihnen vom „Vater Staat“ unter die Arme gegriffen. Güns­tige Kredite oder gar Nachlässe, bevorzugte Personalpolitik, begünstigte Logistik, bessere Konditionen, Steuerbegünstigungen und Förderungen hielten die staatsnahen und staatlichen Mammutkonzerne in Schuss. Auch wenn mittlerweile die chinesische Privatwirtschaft für deutlich mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts, also der gesamten Wirtschaftsleistung, verantwortlich ist, wird sie unverändert stiefmütterlich behandelt und ständig kontrolliert.

China, das spätestens mit 2019 zum totalen Überwachungsstaat mutierte, nimmt Einblick in alle Unternehmen, ein von der kommunistischen Partei in jedem großen Privatunternehmen eingesetzter „Sekretär“ hat quasi ein Vetorecht in höchsten Lenkungsgremien. Dies gilt auch für die riesigen Marktführer wie Alibaba und Tencent oder eben Huawei. Letztere waren und sind ja ein bekanntes Diskussionsthema in den Vereinigten Staaten.

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