Auch die Crowd nimmt nicht jeden

Unternehmensfinanzierung abseits der Banken liegt im Trend. Doch wie sehen die Annahmekriterien von Crowdinvesting-Plattformen aus, und wie hoch wird finanziert?

(Foto: chekat - GettyImages.com)

Wer denkt, mit guter Idee und heißer Story könnte man mittels Crowd-Finanzierung das schnelle Geld machen, ist ein Träumer. Gleiches gilt für diejenigen, die ernsthaft glauben, dass Crowd-Investing-Plattformen die letzte Rettung bei heruntergewirtschafteten Firmen sein können.

Vielmehr bieten diese Plattformen im Sinne der Optimierung des Finanzierungsmix solide Ergänzungen zum Eigenkapital. Die am häufigsten vermittelten Finanzierungsinstrumente sind das (partiarische) Nachrangdarlehen oder partiarische Darlehen. Sie bieten neben einer fixen Verzinsung eine Erfolgsvergütung z. B. auf Basis des Gewinns oder Umsatzes (Bonuszins). Nachrangdarlehen sind im Insolvenzfall des Schuldners insofern benachteiligt, dass vor ihnen alle anderen Gläubiger Vorrang haben.

Und mit welchen Kosten muss ein Unternehmen rechnen? Laut Branchenexperten ist es üblich, dass der Großteil der Vergütung erfolgsabhängig geschieht. Diese Vergütung bewegt sich meist zwischen fünf und zehn Prozent des eingesammelten Kapitals, was bei einer Projekthöhe von 200.000 Euro etwa 15.000 Euro bedeutet. Das ist im Vergleich zu einem Bankkredit relativ viel, hat aber den Vorteil, dass Nachrangdarlehen von Kreditgebern üblicherweise dem Eigenkapital zugerechnet werden, womit eine zusätzliche Kreditaufnahme meist möglich ist.

Ein noch breiteres Spektrum an Finanzierungsalternativen bietet Area2Invest: angefangen von Nachrangdarlehen, über Genuss- und Partizipationsscheine, Anleihen, strukturierte Produkte, Fonds, Eigenkapital bis hin zu Security Token.

Noch einen anderen Weg geht indessen 1000x1000: „Wir bieten überwiegend Reward-Pre-Sales-Projekte an. Das ist ein Vorverkauf von Leistungen an die Crowd, etwa eines produktionsfertigen Prototyps“, erklärt Hannes Kollross, Key Account Management ISN – Innovation Service Network GmbH. Beispiel dafür ist das Mini-Solarkraftwerk Simon (www.1000x1000.at/simon), oder es werden Gutscheine geboten. „Diese Projekte fallen nicht unter das österreichische Alternativfinanzierungsgesetz“, so Kollross.

Ablehnungsgründe und Mindestkriterien

Während das Größenspektrum sehr unterschiedlich gehandhabt wird, sind ein unpassendes Team, chaotische Planung und schwer greifbare Konzepte allerorts ein „No-go“.

Conda nützt als Basis einen Investitionsleitfaden (www.conda.at/leifaden-investition/). Der Fokus liegt auf Team, Alleinstellungsmerkmal, Geschäftsmodell und Finanzplan. Bei der Firma sollte es sich um eine Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) mit Finanzbedarf von über 100.000 Euro handeln.

Bei Lion Rocket kommt es vor allem zur Ablehnung, wenn sich das Investitionsprojekt der Crowd nicht attraktiv genug präsentieren lässt bzw. wenn die bilanzielle Situation den Mindestanforderungen widerspricht. Bernhard Thalhammer, Head of Issuer Relations bei Area2Invest zeigt folgende Selektion: „Wir bewerten die eingereichten Projekte zunächst anhand einer Reihe von harten Kriterien wie z. B. das Vorliegen eines geprüften Jahresabschlusses. Darüber hinaus ist es essenziell, dass das jeweilige Finanzprodukt die erforderlichen formalen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllt. Hier sortieren wir rigoros aus. Im nächsten Schritt geht es um die Attraktivität des Finanzprodukts bzw. des Investments an sich. Dabei hilft es immer, sich die Frage zu stellen, ob man auch selbst investieren würde.“

Kollross von 1000x1000 hat einen anderen Ansatz: „Für uns ist es wichtig, dass der Ursprungsgedanke des Crowdfundings verstanden wird und die Bereitschaft besteht, die Crowd in die Organisation langfristig einzubinden: Die Crowdfunder bekommen wertvolle Rollen im Unternehmen, wie Produkttester, Mitdenker oder Multiplikatoren.“ Mittels Instrumenten wie einer Verzinsung in Form von Produktgutscheinen wird die direkte Kundenbindung gestärkt.

Das wird gesucht

„Wenn ich ‚Wünsch dir was‘ spielen darf, dann ist das perfekt geeignete Unternehmen eines, welches ein leicht erklärbares, innovatives Geschäftsmodell bzw. Produkt mit einer breiten, aber klar anzusprechenden Endkundenzielgruppe anbietet. Am besten bringt es auch bereits eine eigene Community mit und kann schon veritablen Umsatz vorzeigen. Eine charismatische Gründerpersönlichkeit mit einem erfahrenen Team rundet das Bild ab“, so Daniel Horak, Mitbegründer und Managing Partner von Conda, zu seinem „idealen“ Finanzierungskunden.

Thalhammer von Area2Invest hat folgende Vorstellungen: „Beim idealen Firmenkunden ist das Projekt ganz oben angesiedelt; möglicherweise sind sogar die Eigentümer treibende Kräfte. Derartige Finanzierungen sind immer Querschnittsthemen, bei denen Input von verschiedenen Bereichen wie z. B. Controlling, Buchhaltung, Marketing oder der Rechtsabteilung erforderlich ist. Somit ist es wichtig, dass es auf Kundenseite jemanden gibt, der diese Dinge koordiniert und gute Kenntnis über die Abläufe im Haus hat.“ Er ergänzt: „Wenn es eine große und loyale Fangemeinde gibt und diese gut aktiviert werden kann, dann ist das wirklich mächtig.“

Wolfgang Deutschmann, Managing Director bei Lion Rocket, zeigt folgende Präferenzen: „Ein bereits etabliertes, wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit physischen Produkten und einer bekannten Marke, das Crowd-investoren als Kapitalgeber an Bord holt und als wertvolle Markenbotschafter an der künftigen Erfolgsgeschichte teilhaben lässt“. Lion Rocket favorisiert Unternehmen mit zukunftsorientierter Ausrichtung, Fokus auf Nachhaltigkeit, innovativen Problemlösungen und nachvollziehbaren Wachstumsperspektiven. „Unternehmen mit physischen Produkten haben bessere Chancen auf Kapital als Software- und Dienstleistungsfirmen“, ergänzt Deutschmann.

Kollross skizziert seinen idealen Finanzierungskunden: „Langfristig und am besten regional etablierte mittelständische Unternehmen, die ihre Schlüssel-Stakeholder – wie Stammkunden, lokale Bevölkerung etc. – für die weitere Unternehmensentwicklung im Sinne eines ganzheitlichen Crowd-Ansatzes enger einbinden möchten“.

Tipp: Um herauszufinden, was wo geht, empfiehlt es sich, umgesetzte vergangene Projekte der Plattformen anzusehen! Denn die Wahrscheinlichkeit, finanziert zu werden, liegt im Schnitt bei einem bis fünf Prozent!

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