Bitcoin-Hype

Was hinter Bitcoins & Co. steckt - Bitcoins, Altcoins und ICOs – die Wichtigsten im Überblick - Wie man Bitcoins am besten kaufen und verwahren kann - Tipps und Tricks für die Praxis

Foto: 123dartist – Thinkstock.com

Jetzt ist der Bitcoin-Hype auch hierzulande angekommen: Noch bis vor wenigen Monaten war  der Begriff „Bitcoin“ für die meisten  vollkommen unbekannt, jetzt begegnet er einem in den Medien und im Alltag fast täglich. Bitcoin und Co. sind auch hierzulande in den Schlagzeilen angelangt. In Online-Foren, bei Po­diumsdiskussionen, am Stammtisch, ja sogar bei Familienfeiern entbrennen heftige Wortgefechte über Sinn und Unsinn von sogenannten „Kryptowährungen“, die streng genommen gar keine Währungen sind (Kenner sprechen daher von „Coins“ oder „Tokens“). Und wie es scheint, kennt fast jeder jemanden, der mit diesen Coins  entweder ein Vermögen gemacht oder verloren hat.

Aus dem lange belächelten Nischenthema für IT-Nerds wurde ein Milliardengeschäft, an dem sich mittlerweile Größen der Finanzbranche wie die US-Bank Goldman Sachs beteiligen.

GEWINN hat sich daher im Detail angesehen, welche Chancen und Risken für Privatanleger hinter dem Bitcoin-Hype stecken, und wie man die gefährlichsten Fallen umgehen kann, wenn man sich trotz des enormen Risikos auf das „Kryptoglatteis“ wagt.

Gewaltige Kursschwankungen

Beides ­– gewaltige Gewinne als auch herbe Verluste ­– war in den letzten Jahren durchaus möglich, wie die Entwicklung der Kurse von Bitcoin und Co. zeigt: So hat sich der Bitcoin-Kurs in Euro berechnet innerhalb eines Jahres mehr als verachtfacht, der Ethereum-Kurs fast verdreißigfacht und Dash-Coins sind heute mehr als vierzigmal so viel wert wie Mitte November 2016. Auch das von TOP-GEWINN in der Juni-Ausgabe vorgestellte Kryptoportfolio konnte seither  seinen Wert verdoppeln.

Doch zwischendurch gab es auch Kurseinbrüche, die selbst erfahrene Aktienanleger  in Panik versetzt hätten. Erst diesen Juni etwa brach der Kurs von Ethereum nach einem neuen Rekordhoch bei 400 US-Dollar innerhalb von vier Wochen auf rund 150 Dollar ein, was einem Minus von mehr als 60 Prozent entspricht.

Erste Anwendung der Blockchain

In der Wahrnehmung der meisten Österreicherinnen und Österreicher  sind Bitcoin und Co. ein noch sehr junges Phänomen. Dabei existiert das Bitcoin-System seit fast zehn Jahren: 2008 veröffentlichte  ein Programmierer bzw. ein  ganzes Kollektiv unter dem Pseu­donym „Sathoshi Nakamoto“ eine schriftliche Definition für ein dezent­rales Netzwerk, das eine sichere Übermittlung von digitalen Geldwerten über das Internet direkt von Nutzer zu Nutzer ohne Banken oder andere Intermediäre ermöglichen sollte. Ein Jahr später präsentierte dieselbe Gruppe eine frei zugängliche Software (Open Source), die sich sogenannte „Miner“ auf ihrem Computer installierten und damit den Grundstein für das Bitcoin-Netzwerk legten. Am 22. Mai 2010 wurde dann der erste Einkauf in der „realen“ Welt mittels Bitcoin getätigt: Ein britischer IT-Techniker zahlte 10.000 Bitcoins für zwei Lieferpizzen. Was damals keine 30 Euro wert war, entspricht heute einem Gegenwert von fast 70 Millionen Euro.

Diese digitale „Währung“ war somit die erste konkrete Anwendung dieser unter „Blockchain“ subsumierten Technologien, die laut Experten das Potenzial haben, viele Bereiche unseres Wirtschafts- und Privatlebens zu revolutionieren.

Bitcoin steht dabei nicht nur für das gesamte System, sondern auch für eine eigene digitale Werteinheit, mit der die Teilnehmer an diesem Netzwerk für ihre Rechenleistung entlohnt werden. „Eine funktionierende  öffentliche Blockchain braucht ein Anreizsystem. Ohne das kann eine Blockchain nicht langfristig konstant laufen. Umso mehr Teilnehmer, umso sicherer wird das Netzwerk“, erklärt Paul Klanschek, Ko-Geschäftsführer von Bitpanda, einem Kryptohändler mit Sitz in Wien. Das sei seiner Meinung nach auch der Grund, warum sich das Potenzial der Blockchain-Technologie nicht von der Entwicklung der Kryptowährungen trennen lasse.

Totgesagte leben länger

In diesen zehn Jahren hat Bitcoin einige herbe Rückschläge einstecken müssen: So wurden mehrere Bitcoin-Börsen wie etwa Mt. Gox, Bitstamp oder Bitfinex Ziel von Hackerangriffen oder Betrügern, die sich mit Millionenbeträgen  der Kunden aus dem Staub machen konnten.  
Anfänglich wurde der schlechte Ruf von Bitcoin noch dadurch verstärkt, dass Bitcoins im „Darkweb“, der dunklen Seite des Internets, für den Handel mit illegalen Waren als Zahlungsmittel  genutzt wurden – was heute kaum mehr stattfindet, weil sich auch unter Kriminellen herumgesprochen hat, dass Bitcoin-Transaktionen keineswegs ano­nym sind.

Warnungen vor Bitcoin-Blase

Außerdem tauchen in einer gewissen Regelmäßigkeit nach jedem neuen Rekordhoch Warnungen vor einem Platzen der „Bitcoin-Blase“ auf. Bereits 2013 wurde eine „Blase“ befürchtet, als Bitcoins erstmals für mehr als tausend Dollar gehandelt wurden. Danach folgte tatsächlich eine lange Durststrecke. Doch heute sind Bitcoins ein Vielfaches wert, und bisher folgte auf jeden Absturz ein noch steilerer Anstieg.

Ob der Kurs von Bitcoins auch weiterhin steigen wird, kann heute niemand seriöserweise prognostizieren. „Theoretisch kann der Wert auch auf null sinken, wie überall, wo sich der Preis nach Angebot und Nachfrage richtet“, erklärt Paul Klanschek. Dennoch hält er einen Totalausfall für unrealistisch: „Es gibt ganz viele Investoren, die an der Seitenlinie nur darauf warten, dass der Kurs wieder einmal korrigiert, um günstiger einsteigen zu können.“

Prominente Kritiker und Fans

Mehrfach vor den großen Risken gewarnt hat etwa Ewald Nowotny,  Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. Aus seiner und der Sicht vieler anderer Notenbanken und Aufsichtsbehörden seien Bitcoins keine Währung, sondern ein Spekulationsobjekt, das nicht oder nur ansatzweise einer Regulierung oder Aufsicht unterliege. Laut OeNB  „ist die Sicherheit der technischen Plattformen nicht garantiert, und es kam im Zusammenhang mit Bitcoins in der Vergangenheit wiederholt zu Unregelmäßigkeiten, Diebstahl oder Insolvenz.“
Ebenso skeptisch zeigte sich  Steven Maijoor, Vorsitzender der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), bei einem Pressegespräch Mitte November in Wien. Er wies dabei vor allem auf den neuesten Trend bei Kryptowährungen hin: Bei sogenannten ICOs (Initial Coin Offering – in Anlehnung an Initial Public Offerings bei Aktien) werden zu diesem Zweck basierend auf der Blockchain-Technologie neu geschaffene Tokens an Investoren verkauft, um damit die Gründung oder Weiterentwicklung einer Unternehmung zu finanzieren. „Diese virtuellen Börsengänge spielen sich mehrheitlich abseits des regulatorischen Rahmens ab. Das ist kein Bereich, in dem sich Privatanleger bewegen sollten. Wer hier investiert, sollte bereit sein, sein ganzes investiertes Kapital zu verlieren. Wir beobachten das sehr genau und können ab 2018 dank der neuen EU-Richtlinie Mifid II gegebenenfalls auch direkt Restriktionen verhängen.“

Während die europäischen Behörden hier noch auf eine rechtliche Handhabe warten müssen, hat die chinesische Regierung kurzerhand im September diesen Jahres chinesischen Start-ups die Finanzierung über ICOs verboten, nachdem sich in China ein regelrechter Wildwuchs in diesem Bereich abgezeichnet hatte.
„Es ist an sich eine spannende Technologie, aber was wir heute sehen, sind einfach noch Prototypen. Jetzt müssen wir die restliche Infrastruktur aufbauen. Und es muss auch reguliert sein“, beschreibt Richard Olsen, der auf Einladung des Spängler IQAM Research Center an der WU Wien einen Vortrag gehalten hat. Der Unternehmer arbeitet derzeit mit seiner Firma Lykke an einer dezentralen Handelsplattform, mit der neben Kryptowährungen in Zukunft auch herkömmliche Währungen, Aktien, Immobilien direkt von Nutzer zu Nutzer gehandelt werden sollen. Er rät Anlegern, die das große Risiko eingehen wollen, nur in jene ICOs zu investieren, bei denen die Macher bereits einen gewissen Trackrecord vorweisen können.

Die Welt verändern

Auch viele bekannte Finanzmarktexperten sind skeptisch: Wie etwa die US-Investorenlegende Warren Buffett, der bereits 2014 in einem Interview mit CNBC Bitcoins als „Fata Morgana“ bezeichnete, von der man sich fernhalten sollte. Jamie Dimon, Chef der US-Bank JPMorgan, warnte vor Bitcoins als „Mittel zur Geldwäsche“ und als „Betrug, der bald platzen würde“. Pikanterweise  wurde die Schweizer Tochterbank von JPMorgan im Sommer von den Schweizer Behörden wegen Verletzungen der Geldwäscherei-Sorgfaltspflichten sanktioniert.
Auf der anderen Seite bestreiten viele prominente Befürworter der Kryptowährungen gar nicht, dass es derzeit nach einer Blase aussieht und es noch erhebliche Mängel in Bezug auf die Regulierung gibt. Sie verweisen jedoch auf das langfristige Potenzial, das ihrer Meinung nach hinter den Kryptowährungen stecken soll: So investiert Hendrik Leber, Gründer und Chef von Acatis Fonds, bei zwei Mischfonds auch einen geringen Teil der Anlegergelder in ein Zertifikat, das die Entwicklung der Bitcoin-Kurse abbildet. In mehreren Interviews erklärte er, dass gerade er als Value-Investor auf Bitcoins setze, weil die Menge an Bitcoins begrenzt, jedoch die Nachfrage nahezu unbegrenzt sei. Einer dieser Mischfonds (Acatis Champion Select-Acatis Value Performer, ISIN: LU033429398) ist in Österreich zum Vertrieb zugelassen.

Auch die US-Investoren Cameron und Tyler Winklevoss sind schon vor Jahren auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen. Bekannt wurden die Zwillinge, weil Mark Zuckerberg bei der Gründung von Facebook von ihrem eigenen sozialen Netzwerk abgekupfert haben soll (das Gericht gab ihnen Recht). Sie versuchen seit mehreren Jahren einen börsennotierten Indexfonds (ETF) für Bitcoins aufzulegen, sind aber bisher am Widerstand der US-Aufsichtsbehörden gescheitert.

Laut einer Umfrage unter 600 privaten Bitcoin-Investoren in den USA wurde von 40 Prozent als häufigster Grund für den Kauf genannt: „Ich glaube, dass Bitcoin eine Technologie ist, die die Welt verändern kann.“ Auf die Frage, wie lange bzw. bis zu welchem Kurs sie vorhätten, Bitcoins zu halten, wurden mehrheitlich eine Behaltedauer von mindestens einem Jahr und im Durchschnitt ein Zielkurs von 196.166 US-Dollar pro Bitcoin angegeben. Damit scheint zumindest für US-Anleger das Bild von Spekulanten, die es nur auf kurzfristige Gewinne abgesehen hätten, nicht zuzutreffen.

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