Der große GEWINN-Broker-Vergleich

Online- und CFD-Broker im Überblick: Was sie bieten, wie viel sie kosten

Foto: Pannawat – Thinkstoc.com, Scanrail – Thinkstock.com

Wer langfristig mit Fondssparplänen für seine Pension vorsorgen oder auf Teufel komm raus an der Börse zocken möchte, und dies möglichst spe-sengünstig, dem steht heute eine breite ­Palette an Online-Brokern für jeden An­legergeschmack zur Verfügung. Der ein-fache Wertpapierhandel im Internet, immer häufiger auch via Smartphone oder Tablet, ist aus der heutigen Finanzwelt nicht mehr wegzudenken. Das Angebot an Handelsplattformen ist aktuell sogar so umfassend, dass es schon fast wieder zu einer Herausforderung wird, das passende Angebot auszuwählen. Daher bietet GEWINN auf den folgenden Seiten einen umfassenden Überblick über alle Anbieter, die sich explizit auch an heimische Anleger richten.

Welcher Broker passt zu mir?

Das ist die Kernfrage: Wer ist eigentlich der „richtige“ Broker für mich? Die Auswahl sollte sich in erster Linie daran orientieren, welche Wertpapiere man eigentlich mit dem Broker handeln, und vor allem, wie häufig man kaufen oder verkaufen möchte.

Wer neben einem ausgereiften Angebot im Wertpapierhandel auch ein Konto, Spareinlagen und andere Basisdienstleistungen – alles am besten aus einer Hand – benötigt, ist mit einer der Direktbanken gut bedient. Dazu zählen u. a. die Bankdirekt, eine Tochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die Dadat (gehört zur Grawe-Gruppe) und die Hello bank, eine Niederlassung der BNP Paribas in Österreich (Details siehe Tabelle).

Wem es rein um den Handel mit Wertpapieren geht, wird auch bei Degiro, Flatex, IG und Onvista Bank fündig. Dann gibt es noch die Gruppe der Nischenanbieter, wie CMC Markets und GKFX, die sich auf den Handel mit sogenannten CFDs spezialisiert haben. Diese Abkürzung steht für den englischen Begriff „Contract for Difference” (Differenzkontrakt). Bei diesen Produkten vereinbaren Anleger und Anbieter zu Beginn und Ende der Laufzeit, Geld und einen Basiswert (z. B. Aktie, Fremdwährung, Krypto-„Währungen“ etc.) miteinander zu tauschen. Dabei kann man sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen und sogar mit geringerem finanziellem Einsatz ein großes Volumen bewegen (sogenannter Hebel).

Nicht nur Aktien

Das Spektrum der über einen Online-Broker handelbaren Wertpapiere reicht heute schon von Aktien, Anleihen, ETFs und Fonds, die erwähnten CFDs bis hin zu Optionen, Futures und Währungen. Es gibt auch Möglichkeiten, sich mit Kleinbeträgen mit Gold einzudecken (dazu später mehr).

Genauso wichtig wie der Umfang der Dienstleistung und die Art der Wertpapiere, die man erwerben und veräußern möchte, ist das eigene Handelsverhalten. Da wäre zunächst die simple technische Frage: Wird der Handel mit Wertpapieren in erster Linie online oder am Telefon stattfinden, mithilfe des PCs oder mobil per Handy? Benötigt man Betreuung, z. B. in Form von Lern-Webinaren und Video-Tutorials oder Chat-Möglichkeiten, oder findet man sich bestens allein zurecht? Mit anderen Worten: Reiht man sich unter die Neulinge oder die „alten Hasen“; ist man eher langfristiger Vorsorgeanleger oder eifriger Daytrader?

Wer das Aktiendepot eindeutig zur Altersvorsorge nutzt und die Papiere lange liegen lässt, für den sind niedrige Depotgrundgebühren oberstes Gebot. Wobei die Depots der meis­ten Direktbanken und Online-Broker heute ohnehin spesenfrei sind. Wer fast täglich „zockt“, für den sind niedrige Transaktions- und Orderkosten das Wesentliche, und er wird nach speziellen Paketpreisen oder monatlichen „Specials“ wie Freiorders etc. Ausschau halten.

Von Anfänger bis Daytrader

Einsteiger, die sich zum ersten Mal mit Wertpapieren beschäftigen, und Gelegenheitskäufer sind jedenfalls bei Bankdirekt, Dadat, Degiro, Flatex, der Hello bank und Onvista Bank gut aufgehoben. Was nicht heißt, dass diese genannten Institute nicht auch den Ansprüchen fortgeschrittener Anleger genügen, genauso wie auch IG.
Daytrader erfreuen sich zudem am Angebot der CFD-Plattformen von Degiro, Flatex, Hello bank, IG, CMC Markets und GKFX. Mit Nextmarkets wird Mitte Juni auch ein neuer Anbieter für CFD-Trading  in Östereich aktiv werden.

Dann gilt es noch zu entscheiden, ob man nur national handeln oder auch an internationalen Börsenplätzen traden möchte. Wird man auch außerbörslich handeln? Die Beantwortung dieser Fragen kann durchaus zum Ausschlagen des Pendels für einen der Anbieter führen, der besonders viele Börsen abdeckt, oder für bestimmte Handelsplätze spezielle Konditionen in petto hat.

Fondssparpläne für Vermögensaufbau

Gerade auch Fonds- und ETF-Investoren kommen mittlerweile bei Online-Brokern auf ihre Kosten. So bieten alle Online-Broker den Kauf von Tausenden verschiedener Fonds und ETFs an (siehe Tabelle oben). Da dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.  Für den Kauf von ETF- und Fondsanteilen bieten die meisten Anbieter auch Rabattaktionen auf die Kaufgebühren und den Ausgabeaufschlag bei Fonds und ETFs an, die häufig aber nur temporär oder nur für Produkte von ausgewählten Fondsanbietern gelten.

Besonders interessant aus Sicht von langfristig orientierten Anlegern, die mit regelmäßigen kleinen Beträgen ein Vermögen aufbauen oder für die Pension vorsorgen wollen, sind Fonds- und ETF-Sparpläne. Fondssparpläne bieten alle Anbieter bis auf Degiro und IG an. Mit einer monatlichen oder quartalsweisen Sparrate von 25 bis 50 Euro ist man dabei. Die Auswahl ist hier im Vergleich zum Einzelkauf eingeschränkt und liegt nach Eigenangaben der Anbieter zwischen 86 Fondssparplänen bei der Onvista Bank und rund 1.450 bei Flatex.

ETF-Sparpläne besonders geeignet

Gerade kostengünstige ETFs, die ohne aktives Management große Aktien- und Anleihenmärkte abbilden, sind unter Ansparern besonders beliebt. Hier wird das Angebot noch etwas eingeschränkter, die Auswahl sollte aber auch hier die meisten zufriedenstellen.

ETF-Sparpläne gibt es demnach bei Dadat, Flatex, Hello bank und Onvista Bank. Die größte Vielfalt findet sich bei Flatex mit rund 650 ETFs, die man mittels Ansparplan einfach regelmäßig zukaufen kann.
Für ETF-Sparer gibt es bei allen Anbietern besonders günstige Ordergebühren, in manchen Fällen entfallen sie sogar komplett. So bietet etwa die Onvista Bank Sparpläne auf ETFs von Deka ETFs, Comstage, ETF Securities, Lyxor und iShares mit generell null Euro  Ordergebühren an.

Bei Flatex entfallen für Sparpläne auf rund 350 ETFs der Anbieter Comstage, db x-tracker und Lyxor die Kaufgebühren sogar zur Gänze.

Bei allen anderen  ETF-Sparplänen liegen die Gebühren pro Transaktion zwischen 1,50 Euro pauschal (Flatex), 1,95 Euro plus 0,175 Prozent des Orderbetrages bei Dadat, zwei Euro plus 0,275 Prozent des Orderbetrages bei der Hello bank.

Nicht nur auf die Kosten achten

Alle Online-Broker werben mit günstigen Kosten im Vergleich zum Handel in der Bankfiliale. Und tatsächlich schmerzen hohe Gebühren, die an der Rendite knabbern – umso mehr, wenn die Performance aufgrund des anhaltenden Zinstiefs in vielen Fällen ohnehin nicht überragend ist. Hinzu kommen ja noch die Kosten für die Kontoführung und Handelsgebühren für den Kauf und Verkauf der einzelnen Wertpapiere.

Man sollte jedoch bei der Entscheidung für oder gegen einen Anbieter „nicht allein auf die Kosten achten und sich nicht von güns­tigen Konditionen blenden lassen“, sagt And­reas Greiner, Content-Lieferant für Informations- und Vergleichsportale. Noch dazu, da die Online-Broker immer wieder mit diversen Vergünstigungen und Aktionen für Neukunden locken (dazu später mehr).

Speziell ausländische Brok­­er trumpfen mit sehr niedrigen Kosten auf, haben jedoch häufig keine Niederlassung in Österreich und lassen den Kunden mit dem leidigen Steuerthema allein. Dies kann sich zu einem schwierigen Unterfangen auswachsen, vor allem z. B. bei thesaurierenden Investmentfonds, die laufende Erträge automatisch wieder veranlagen. Sie bieten allesamt keine steuereinfachen Depots, die Versteuerung muss selbst durchgeführt werden.

Anders bei den in Österreich ansässigen, steuereinfachen Brokern: Verkauft man ein Wertpapier mit Kursgewinn, kümmern diese sich automatisch darum, dass die Kursgewinnsteuer in der Höhe von 27,5 Prozent abgeführt wird. Es macht also Sinn, die Gesamtkosten in Relation zur Gesamtleistung des Depots und Anbieters zu stellen.

Erst ausprobieren

Die meisten Online-Broker bieten eine Demo-Version zum Ausprobieren. Ein derartiges Demo-Konto ist im Regelfall rasch eingerichtet. So kann man verschiedene Anbieter vergleichen und unverbindlich testen, wo einem das Handling am besten liegt.

Die Bedienbarkeit von Benutzeroberflächen mag ja subjektiv sein, die Stabilität eines Systems wird für fortgeschrittene Trader jedoch ein objektiv entscheidendes Merkmal.

Den Gesamteindruck runden dann noch beispielsweise die Legitimierung der Identität, die Modalitäten eines eventuellen Depot-übertrags bis hin zu Details, wie Gebühren für Dividendenzahlungen und Devisenprovisionen, Chart-Darstellungen, Echtzeitkurse sowie die Sicherheit (Einlagensicherung, Anlegerentschädigung, …) ab. Nicht zu vergessen der Support, wenn Fragen oder Probleme auftauchen. Top-Broker bieten einen umfassenden Kundendienst, indem die Hotline auch außerhalb der Handelszeiten erreichbar ist oder rasche Hilfe via Chat erfolgt.

Videolegitimierung kommt

Etliche Wege führen zum Online-Depot: In der Regel muss man ein Online-Formular ausdrucken, ausfüllen, mittels Postident-Verfahren bei einer Postfiliale bestätigen und dann an das gewählte Institut senden.
Viele ermöglichen aber mittlerweile die Eröffnung eines Depots ausschließlich online. Nach Depoteröffnung – meist innerhalb von ein bis drei Werktagen – bekommt man die persönliche Depotnummer und ab dann geht es los.

Dadat bietet die Depoteröffnung mittels Videolegitimierung an. Das hört sich einfach an und ist es im Grunde auch – vorausgesetzt die Internet-Verbindung ist stabil. Die Hello bank wird nachziehen: „Im Gesamtprojekt ,Umbau Website & Erweiterung der Trading Tools‘ ist auch die Realisierung der Video-legitimation vorgesehen“, erklärt Unternehmenssprecherin Gerlinde Oberndorfer. Der Starttermin der Videolegitimierung sei aber noch nicht fixiert.

Auch OnVista arbeitet am Video-Ident-Projekt, bisher benötigt man zur Legitimierung der Identität immer noch eine Bestätigung der Unterschrift durch ein Kreditinstitut, einen Rechtsanwalt oder einen Notar. Die Degiro macht es einem besonders einfach, per Sofortüberweisung ist der erste Geldbetrag transferiert, Reisepass einscannen und hochladen.

Aktuelle Aktionen!

Derzeit bieten die Online-Broker etliche Aktionen: Bei der Bankdirekt erhält man ab einer Veranlagung von mindestens 5.000 Euro in Kepler-Fonds oder Lyxor-ETFs einen Bonus von 50 Euro auf das „Pluskonto“. Bei der Dadat handelt man bis Jahresende alle Zertifikate, Optionsscheine, Aktienanleihen und Hebelprodukte der Commerzbank, Deutsche Bank, UniCredit onemarkets und Vontobel spesenfrei.

Oft gibt es auch Rückerstattungen bis zu einer gewissen Obergrenze für Übertragsspesen, die der bisherige Broker verrechnet, oder aber auch hohe Rabatte auf Fondsausgabeaufschläge für sechs Monate ab Depoteröffnung.

Auch die Hello bank bietet diese Art der Rückerstattung. So kosten Kauf und Verkauf von Wertpapieren in den ersten sechs Monaten ab Depoteröffnung nur 3,95 Euro. Und das Depot ist bis Ende 2018 gebührenbefreit.
Degiro setzt auf Empfehlungs-Marketing: Sobald eine vom Kunden eingeladene Person ein Depotkonto über seinen Link eröffnet hat, stehen ihm 20 Euro Transaktionsguthaben frei.

Aktionscodes und Gutscheine gibt’s auch bei Flatex, darüber hinaus auch fünf Gratis-Trades für den außerbörslichen Direkthandel im Wert von bis zu 5,90 Euro für jeden Neukunden, der bis 30. September 2018 ein Konto eröffnet.

CMC Markets wirbt mit einem „Willkommensbonus“ in Höhe von 200 Euro, der dem Handelskonto gutgeschrieben wird, für Neukunden, die ein Live-Konto auf der NextGeneration-Handelsplattform eröff-
nen.

CFD-Anbieter GKFX hat sein Bonusprogramm in insgesamt fünf Pakete eingeteilt, beginnend beim „Welcome-Paket“ für die Einsteiger mit dem man etwa Zugang zu Events erhält, bis hin zum „Expert-Paket“, in das ein „Virtual Private Server“ inkludiert ist.

Mit kostenlosen Käufen lockt OnVista: Durch den Einsatz der Freikäufe – auf Basis des durchschnittlichen Guthabens auf dem Verrechnungskonto – kann man ohne Orderprovision kaufen. Abgesehen davon gelten für Neukunden 3,99 Euro Orderprovision für sechs Monate ab Depoteröffnung für alle ­angeschlossenen deutschen Handelsplätze. 

Goldsparpläne

Bei der im Vorjahr neu gestarteten Dadat können Anleger seit März mit dem „Gold Sparplan“ regelmäßig in physisches Gold inves­tieren. „Wir wollen den Kunden ermöglichen, auch über kleine monatliche Beträge eine solide Basis des Edelmetalls aufzubauen“, erklärt Dadat-Chef Ernst Huber, der überzeugt ist, dass „die Bedeutung von Gold als Beimischung für eine ausgewogene Vermögensanlage künftig zunimmt“. Ein Investment ist wahlweise ab 50 Euro monatlich oder vierteljährlich möglich, der Sparplan hat keine Bindungsfrist und ist jederzeit kündbar. Man kann sich das edle Metall – ab Zehn-Gramm-Goldbarren – auch physisch ausfolgen lassen. Schon länger im Angebot ist ein Gold-Sparplan bei der Hello bank. Die Ausfolgung von Goldbarren ist hier aber nicht möglich und auch eine Einlieferung zur Verwahrung wird ausgeschlossen.

Neue EU-Regeln für Trader ab Sommer 2018

Während die digitalen Freiheiten immer größer werden, scheinen diverse Ins­titutionen der Europäischen Union die Anleger immer enger an die Kandare nehmen zu wollen. Die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde (Esma) verbietet ab Juli den Vertrieb von sogenannten „Binären Optionen“ an Kleinanleger und schränkt den Vertrieb von CFDs (Differenzgeschäften) an Kleinanleger mit Anfang August (testweise für drei Monate) stark ein.

Binäre Optionen sind Termingeschäfte, die auf einer Ja/Nein-Entscheidung basieren. Tritt das zuvor definierte Ereignis ein, erhält der Käufer einen festgelegten Betrag, andernfalls verfällt die gekaufte Option wertlos. Bei CFDs wird einerseits die Nachschusspflicht abgeschafft, Anleger können damit im Unterschied zu früher nicht mehr als ihren Einsatz verlieren.  Weiters werden die maximalen Hebel eingeschränkt: Bei Devisen-CFDs sind es ab 1. August „nur noch“ maximal 30:1 bei Hauptwährungspaaren, 20:1 bei exotischen Währungen sowie bei Gold und Indizes. 10:1 beträgt der Maximalhebel bei Rohstoffen und kleineren Indizes. 5:1 wird der Hebel bei Aktien-CFDs sein und 2:1 bei Kryptowährungen

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