Komfortabel zu mehr Pension

Etliche neue „Income“-Fonds versprechen, aus Einmalerlägen ein laufendes Einkommen zu schaffen. Wer eine Pension in garantierter Höhe will, setzt weiterhin auf Versicherungen. Alle Varianten im GEWINN-Überblick.

Viele Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich ein laufendes Zusatzeinkommen, das sich aus einem kleineren oder größeren Vermögen erwirtschaften lässt (Foto: dolgachov - Thinkstock.com)

„Früher einmal war alles besser.“ Während dieser Satz in vielen Bereichen nicht zutrifft, hat er bei der Schaffung einer laufenden Zusatzpension seine Berechtigung: Wer sich früher mit seinem Ersparten ein regelmäßiges Zusatzeinkommen verschaffen wollte, musste einfach nur eine Staatsanleihe kaufen. So boten Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit von Schuldnern bester Bonität, wie etwa Österreich oder Deutschland, noch um die Jahrtausendwende jährliche Zinsen von fünf und mehr Prozent.

So einfach geht’s heute nicht mehr, weil diese Anleihen nur noch mickrige Renditen von unter einem Prozent bringen. Dafür gibt’s eine Vielzahl anderer komfortabler Wege zur Zusatzpension, sei es mit entsprechenden Investmentfonds oder Rentenversicherungen.

Neue „Income“-Fonds

Während die Versicherungen schon lange eine Verrentung von Geldbeträgen anbieten, entdecken in letzter Zeit auch immer mehr Fonds­anbieter diese wachsende Zielgruppe: So wurden in den letzten Jahren zahlreiche Fonds aufgelegt, die die Bezeichnung „Income“ in ihrem Namen tragen und regelmäßige Ausschüttungen anstreben. Fonds, die hauptsächlich das Geld vermehren wollen und dabei laufende Erträge aus Zin-
sen und Dividenden quasi als „Nebenprodukt“ ausschütten, gibt’s ja schon lange. Aber Income-Fonds, deren Hauptzweck regelmäßige Ausschüttungen sind, sind hierzulande relativ neu. Und wie so häufig im Finanzbereich schwappt auch dieser Trend aus den USA, wo man seit jeher in der Pension auf derartige Konstruktionen stärker angewiesen ist, zu uns herüber. Die laufenden Ausschüttungen finden je nach Fonds monatlich, quartalsweise, halb- oder jährlich statt. Die Erträge landen  auf dem Verrechnungskonto der Anleger und werden automatisch mit der Kapitalertragsteuer versteuert.

Diese Fonds geben zwar als Ziel eine regelmäßige Ausschüttung an. Aber im Unterschied zu den klassischen Sofortrenten in Form einer Versicherung wagt es keiner dieser Income-Fonds, eine Garantie abzugegeben. Weder über die Höhe der regelmäßigen Zahlungen noch wie sich der Wert der Anteile entwickelt.
Dafür winken in vielen Fällen höhere Ertragschancen und ein möglicher Erhalt des Vermögens, wenn die Ausschüttungen die laufenden Erträge nicht übersteigen. Außerdem sind Fonds viel flexibler, man kann sie im Unterschied zu Versicherungen jederzeit einfach verkaufen, um sich damit etwa einen Sportwagen oder eine Hüftoperation erster Klasse zu leisten.

Mischfonds erste Wahl

Diese Income-Fonds finden sich in allen möglichen Fondsklassen wieder: Es gibt sie als Aktien-, Anleihen-, Misch- oder sogar HedgeFonds. Während reine Aktienfonds für die meisten Anleger zu stark schwanken  und Anleihenfonds aufgrund der niedrigen Zinsen in der Regel zu geringe Ertragschancen bieten, sind konservativere Mischfonds hier die erste Wahl (siehe Tabelle).

Sie legen einen Großteil des Geldes in weniger stark schwankenden Anlagen wie etwa in Anleihen, auf dem Geldmarkt oder in Immobilien an. Gewürzt wird diese Basis mit einer Prise Aktien, die durch die Lukrierung von Dividenden und möglichen Kurszuwächsen das Ertragspotenzial deutlich steigern sollten. Der Aktienanteil liegt dabei üblicherweise zwischen zehn und 50 Prozent. Unterm Strich ergibt diese Mischung in der Regel ein halb so großes Risiko wie bei reinen Aktienfonds, bei etwas niedrigerem Ertrag. 

Höhe der Ausschüttung

Wie hoch sind nun die regelmäßigen Ausschüttungen? Gute Frage. Leider gibt es darauf keine pauschale Antwort. Einige Anbieter streben Ausschüttungen in Höhe von rund fünf Prozent pro Jahr an – vor Steuern. Damit ergäbe eine Investi­tion von 100.000 Euro eine Netto-Zusatzpension von rund 327 pro Monat. Andere Anbieter wiederum geben keine Zielrendite an. Wie hoch die Ausschüttungen in der Praxis typischerweise sind, lässt sich jetzt nur bedingt vergleichen, weil die meisten Produkte erst relativ kurz auf dem Markt sind.
Der TBF-Global-Income-Fonds jedenfalls konnte als einer der Pioniere in diesem Bereich in den Jahren von 2007 bis 2017 jährliche Ausschüttungen zwischen 3,5 und 4,9 Prozent erzielen. Auch andere Fonds, wie JPMorgan Global Income, Fidelity Global Multi Asset Income und DWS Invest Multi Asset Income, weisen in den letzten Jahren Ausschüttungen in Höhe von vier bis fünf Prozent p. a. aus.

Was passiert, wenn die Erträge aus Anleihen und Aktien nicht ausreichen, um eine Ausschüttung in der gewünschten Höhe zu erzielen? Viele Fonds lassen es in diesem Fall zu, dass auch Anteile aus der Substanz verkauft werden. Wobei diese Möglichkeit bei Fonds wie dem TBF Global Income oder den Fonds von Axa, DWS und Fidelity nur im Extremfall und dann auch nur minimal genutzt werden sollte. Andere Anbieter wie Invesco, M&G, Xtrackers und Nordea schließen Ausschüttungen aus der Substanz gänzlich aus.

GEWINN-Tipp: Setzen Sie nicht alles auf einen Fonds, sondern teilen Sie die angepeilte Summe auf zumindest zwei oder mehrere Anbieter auf! So ist man nicht vom Geschick eines Managements abhängig.

Sofortrente aus der Lebensversicherung

Versicherungen können im Gegensatz zu reinen Fondsveranlagungen mehr Sicherheiten bieten. Bei ihnen lässt sich stets eine garantiert lebenslange Rentenleistung vereinbaren, egal ob man nur 70 Jahre oder 110 Jahre alt wird. Meist kann man auch für den Fall, dass man früh versterben sollte, einen Übergang der Rente auf eine nahestehende Person oder eine Rückzahlung des verbliebenen Kapitals vereinbaren. Zudem wird das Geld in den allermeisten Fällen sicher im konservativ veranlagenden Deckungsstock der Lebensversicherung angelegt.
All diese Sicherheiten haben allerdings ihren Preis. Je mehr Garantiekomponenten bzw. Absicherungen eingebaut werden, desto niedriger wird die Rente.

Bei zwei Produkten auf dem Markt – dazu mehr in Kürze – wurde GEWINN fündig, die etwas anders ausgerichtet sind als der Rest. Es sind fondsgebundene Sofortrenten, bei denen sogar in der Verrentungsphase das Geld in Fonds liegt. Das erhöht zwar die Ertragschancen, lässt aber natürlich auch das Risiko entsprechend steigen.

Garantierte Basis

Bei der Frage, wie hoch die monatlich ausbezahlten Renten in Zukunft sein werden, gibt es eine wichtige Unterscheidung: Der Großteil der Rente ist auch der Höhe nach fix garantiert, jedoch ist ein Teil, sozusagen die Butter aufs Brot, von den tatsächlich jeweils erwirtschafteten Anlageerträgen abhängig – dieser Teil wird auch Bonus genannt. Dennoch wird er schon im Voraus – allerdings unverbindlich – in die zukünftige Rente einberechnet. Er stammt aus einem Teil der zukünftigen Gewinnbeteiligung. Freilich dürfen die Versicherer für diese Prognosen nicht irgendwelche Zahlen heranziehen. Die Zahlenangaben beruhen vielmehr auf Schätzungen, denen die gegenwärtigen Verhältnisse zugrunde gelegt sind. Nachdem die aktuell erzielten Renditen derzeit so ungewöhnlich niedrig sind, sollten die Prognosen daher im Normalfall auch halten oder sogar in einigen Jahren übertroffen werden.

Neue Fondsgebundene

Bei der Sofortrente als fondsgebundene Variante erfolgt die Veranlagung in einem Fondsportfolio, wobei durchaus eine größere Auswahl an Fonds besteht.

„Je nach Risikoneigung kann der Kunde sein Garantielevel, seine Ertragschancen und damit auch sein Veranlagungsrisiko selbst festlegen; zu Vertragsbeginn, aber auch danach“, erklärt Manfred Bartalszky, Vorstand der S-Versicherung. Derzeit gibt es dazu in Österreich aber noch kaum ein Angebot.

Erst seit wenigen Monaten auf dem Markt ist die S- Fonds Sofort-Pension der S- Versicherung (Vienna Insurance Group). 130 Fonds stehen hier für die Veranlagung zur Verfügung, das Mindestinvestment beträgt 20.000 Euro bei einem Abschluss bis 60 Jahre und 10.000 Euro bei einem Abschluss darüber.

Die Renditen schwanken durch das Fondsinvestment hier stärker als üblich  und so muss die Rentenhöhe, im Einklang mit der Performance der Veranlagung, jährlich neu kalkuliert werden. Das bedeutet: Liegt die tatsächliche Wertentwicklung über dem Kalkulationszins, wird die S-Fonds-Sofort-Pension erhöht. Liegt sie darunter, verringert sich die Auszahlung.

Kalkuliert wird mit Zinsen zwischen einem und drei Prozent p. a. (wählbar). Ein Beispiel: Unter der Annahme von drei Prozent Verzinsung liegt die normale lebenslange Rente (ohne Ablebensleistung) bei einem Einmalerlag von 100.000 Euro und einem 65-jährigen Versicherungsnehmer bei 436,56 Euro. Das ist – siehe Tabelle – doch deutlich mehr als die klassischen Sofortrenten. Allerdings, wie gesagt, ohne Garantie.

Wer für den Fall eines frühen Ablebens für seine Nachkommen vorsorgen möchte, kann eine Absicherung von 40 oder 80 Prozent des eingezahlten Kapitals bei Ableben im ersten Versicherungsjahr wählen. Von dort ausgehend würde sich ab dem zweiten Versicherungsjahr die Auszahlungsleistung im Ablebensfall um jährlich vier Prozent vermindern; bei Ableben nach dem zehnten bzw. 20. Versicherungsjahr erlischt die Versicherung.
Diese Sicherheit kostet nicht viel: Bei 40 Prozent Ablebensleistung (Jahr eins) liegt die Monatsrente z. B. bei 432,36 Euro, bei 80 Prozent wären es 416,46 Euro (Kalkulationszins von drei Prozent). Daneben ist auch eine lebenslange Rente mit Rentenübergang an eine begünstigte Person im Ablebensfall möglich.

APK Sofortrente

Wenig bekannt, hat auch die kleine APK Versicherung (Tochter der APK Pensionskasse) schon lange eine Sofortrente auf Fondsbasis im Angebot. Drei Dachfonds und elf Einzelfonds stehen hier zur Auswahl.
Ein Beispiel unter den Rahmenbedingungen des Fallbeispiels (Alter 65 und 100.000 Euro Anlagebetrag): Bei der Annahme von 2,25 Prozent Performance ist als normale lebenslange Rente von 382 Euro auszugehen (bzw. von 443 Euro bei 3,5 Prozent angenommener Performance).

Eine lebenslange Rente mit Rentenübergang im Ablebensfall (Ehefrau ist zehn Jahre jünger) würde 292 Euro (bei einer Rendite von 2,25 Prozent p. a.) bzw. 355 Euro (Rendite von 3,50 Prozent p. a.) ergeben, bei einer Weitergabe von 100 Prozent der bisherigen Rente. Zudem steht noch die Variante einer zeitlich auf 20 Jahre begrenzten Rente zur Verfügung. Sie wäre auch hier die Lösung mit der höchsten Rente – nämlich z. B. 523 Euro monatlich bei einer Performance von 3,50 Prozent pro Jahr.

Lebensversicherung und Sofortrente: Welche Arten von Renten es gibt

Normale lebenslange Rente:
Die Pension wird beispielsweise erstmals am 1. 1. 2019 fällig und jedenfalls bis zum Ableben ausbezahlt. Achtung: Sollte man aber schon bald nach Beginn der Pensionszahlung ableben, gibt es ohne Zusatzvereinbarung keine Rückerstattung des nicht durch Pensionszahlungen verbrauchten Pensionskapitals!
Der Vorteil liegt dafür in einer vergleichsweise höheren Rente. Diese Variante eignet sich vor allem für Menschen, die nur für sich selbst vorsorgen wollen und keine nahen Angehörigen haben bzw. die ihre Hinterbliebenen auch mit anderen finanziellen Mitteln versorgen können.

Zeitlich begrenzte Rente:
Die Pension wird beispielsweise erstmals am 1. 1. 2019 fällig und für maximal 20 Jahre ausbezahlt. Sollte man jedoch schon früher versterben, endet die Zahlung schon früher. Bei Ableben nach Beginn der Pensionszahlung gibt es auch hier grundsätzlich keine Rückerstattung des nicht verbrauchten Pen­sionskapitals.
Der Vorteil dabei ist eine besonders hohe Pensionszahlung; der Nachteil ist, dass es spätestens nach 20 Jahren aus ist. Der spezifische Vorteil einer Lebensversicherung, garantiert bis zum Tod, auch wenn er in weiter Ferne ist, zu zahlen, kommt hier also nicht zum Tragen. Damit tritt diese Rentenvariante auch in direkte Konkurrenz zu den Fondsentnahmeplänen.

Lebenslange Rente mit Rentenübergang im Ablebensfall:

Die Rente wird garantiert lebenslang ausbezahlt, bei Ableben der versicherten Person geht die Pension an die begünstigte Person über – typischerweise ein Ehegatte oder ein Kind, klassisch heißt die Variante daher auch „Witwen- oder Waisenübergang“.
Achtung aber: Je jünger diese Person ist, desto niedriger fällt die Pension aus, schließlich wird mit deren statistischer Lebenserwartung die Rentenhöhe kalkuliert.
Das Beispiel in der Tabelle zeigt: Ist die begünstigte Person zehn Jahre jünger als der Versicherungsnehmer, kann die garantierte monatliche Rente durchaus mehr als ein Viertel unter jener ­einer normalen lebenslangen Rente ­liegen.
Eines ist noch zu beachten: Die ­GEWINN-Umfrage ergab, dass ein Rentenübergang nicht immer in Höhe von 100 Prozent der Rente angeboten wird  (siehe Tabelle, Fußnote 2). Teils werden dann an den „Erben“ nur noch 60 Prozent ausbezahlt. Sind die Auswirkungen auf die Rentenhöhe für den Versicherten gering, sollte man sich daher eher für die 100-Prozent-Variante entscheiden.

Lebenslange Rente bei Rückgewähr des nicht verbrauchten Kapitals bei ­Ableben:
Diese Variante ist wohl der „goldene Mittelweg“, was die Mehrkosten betrifft, die auf die Rente drücken – siehe Tabelle. Sie wird aber nicht von allen Versicherern angeboten. Neben der Auszahlung einer monatlichen Rente bis Ableben, gibt es bei vorzeitigem Tod für die Erben noch eine Rückerstattung des Einmalerlags. Freilich abzüglich Versicherungssteuer und abzüglich der bereits ausgezahlten Pensionen.

Lebenslange Rente mit Garantiezeitraum (z. B: zehn Jahre):

Beispiel: Die Pension wird erstmals am 1. 1. 2019 fällig und bis zum Ableben ausbezahlt, davon zehn Jahre garantiert.
Sollte die versicherte Person während des Garantiezeitraums schon versterben, wird die Pension bis zum Ablauf des Garantiezeitraums an die bezugsberechtigte Person im Ablebensfall ausbezahlt.
Vorteil: Es ist nicht alles weg, und die zusätzliche Sicherheit kostet auch recht wenig (siehe Tabelle, im Vergleich zur simplen „lebenslangen Rente“). Nachteil ist dafür:
Stirbt die versicherte Person auch nur einen Tag nach Ablauf des Garantiezeitraums, werden keine Zahlungen mehr fällig.

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