Private Banking in Österreich

Wer in Österreich Banking für gehobene Privatkunden sucht, hat die Qual der Wahl. GEWINN bietet Orientierung mit 24 Anbietern im Vergleich.

Illustration: GEWINN

Eines steht fest: So rasch wird den Bankern für die anspruchsvolle Privatkundschaft die Arbeit nicht ausgehen. Das bestätigen die jüngsten Ergebnisse des „Global Wealth“-Report für das Jahr 2017 vom US-Unternehmensberater Boston Consulting Group (BCG): Weltweit nimmt die Zahl der Millionäre stetig zu, allein im Vorjahr stieg sie auf knapp 18 Millionen Vermögende an. Das macht ein Plus von gut acht Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Der größte Zuwachs wurde in der Region Asien-Pazifik verzeichnet, ausgelöst durch das kräftige Wirtschaftswachstum in der Region. Das weltweite private Finanzvermögen hat damit im Vorjahr gut 167 Billionen Dollar erreicht. Und ein Ende des Zuwachses scheint nicht in Sicht, zumindest wenn es nach den BCG-Experten geht. Sie rechnen mit einem jährlichen Plus von gut sechs Prozent bis zum Jahr 2021. Etwas gemächlicher als in Asien ist die Entwicklung zwar in Westeuropa, es bleibt aber selbst für diese Region noch reichlich übrig. Aktuell liegt hier das private Finanzvermögen bei 41 Billionen Dollar.

Auch in Österreich steigt die Zahl jener, die über ein umfangreicheres Vermögen verfügen. An diese keineswegs homogene Zielgruppe, die vom erfolgreichen Unternehmer bis hin zum alteingesessenen Geldadel reicht, richtet sich eine Vielzahl an Private-Banking-Anbietern. Ihr Angebot ist ebenso vielfältig wie die Kunden und unterscheidet sich etwa bei der Strategie der Geldanlage bis hin zu den angebotenen Zusatzleistungen wie Stiftungsservice oder einer KMU-Beratung. GEWINN bietet daher auf den folgenden Seiten einen Überblick über das heimische Angebot.

Traditionshäuser versus Tochterbanken

Die Bandbreite an Private-Banking-Anbietern in Österreich ist enorm. Gleich als Erstes fallen etwa die Gründungsjahre auf, die bei einigen Häusern weit bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückreichen. So wurde beispielsweise das Salzburger Bankhaus Carl Spängler mit einem aktuell verwalteten Vermögen von 9,5 Milliarden Euro im Jahr 1828 gegründet. Das macht sie auch gleich zur ältesten Privatbank, die obendrein im Besitz einiger Privatstiftungen inklusive jener der Gründerfamilie steht. Wenig später, im Jahr 1832, folgte in Wien bereits die Gründung des Bankhauses Schelhammer & Schattera mit einem verwalteten Vermögen von 2,2 Milliarden Euro. Seit Ende 2014 ist das Haus Teil der GRAWE (Grazer Wechselseitige), die fast 90 Prozent daran hält. Bereits im Folgejahr sperrte die Schoellerbank ihre Pforten in der Bundeshauptstadt auf. Inzwischen verwaltet das zur UniCredit Bank Austria zählende Institut ein Vermögen von mehr als elf Milliarden Euro.

Regionalbanken mit Tradition

Weiteren „Nachwuchs“ gab es noch vor der Jahrhundertwende in den Bundesländern. So wurden einige Regionalbanken, in Oberösterreich etwa mit der Oberbank (acht Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen) und der Volkskreditbank (454 Millionen Euro an verwaltetem Vermögen), im Westen mit der Hypo Vorarlberg ins Leben gerufen. Mehrheitseigentümer an letzterer Regionalbank, die aktuell 7,8 Milliarden Euro verwaltet, ist die Vorarlberger Landesbank-Holding.

Kaum zwei Jahrzehnte nach der Wende in das 20. Jahrhundert ging es mit den Gründungen munter weiter. Gleich fünf Institute eröffneten fast zeitgleich ihre Pforten. 1922 war die BKS in Kärnten am Zug, wenig später wurde auch der Grundstein für das Bankhaus Krentschker in der steirischen Hauptstadt gelegt.

Die jüngeren Häuser

Dann folgte die zur Raiffeisenbank International gehörende Kathrein Privatbank in der Wiener Innenstadt. Seit dieser Zeitspanne zieren auch die Räumlichkeiten der Bank Gutmann den Wiener Schwarzenbergplatz, die zu 80 Prozent im Besitz der Familie Kahane steht. Auffällig ist hier das besonders hohe verwaltete Vermögen von mehr als 20 Milliarden Euro. Das ist immerhin rund doppelt so viel wie jenes etwa der Privatbankentöchter der heimischen Großbanken Erste Bank sowie UniCredit Bank Austria – und übertrifft auch jenes der steirischen Capital Bank, die 1922 durchstartete und inzwischen ebenfalls zur GRAWE gehört.

Zu den weitaus „jüngeren“ Mitbewerbern zählen hingegen die börsennotierte Wiener Privatbank sowie die Volksbank Wien. Beide verwalten vergleichsweise geringere Summen, wobei das kein Qualitätskriterium ist. Am anderen Ende des Vermögensspektrums liegt die 1986 gegründete Semper Cons­tantia Privatbank, hier verwalten die Finanzprofis 15 Milliarden Euro. Bankeneigentümer ist die Haselsteiner ­Familien-Privatstiftung.

Wachsende Konkurrenz aus dem Ausland

Auch zahlreiche internationale Häuser können der Versuchung des heimischen Privatbankenmarktes nicht widerstehen und mischen kräftig mit. Allerdings nicht immer mit Erfolg. Denn vor rund fünf Jahren schloss die Schweizer Bank Vontobel ihre Pri­vate-Banking-Pforten in Österreich. Auch die Hamburger Berenberg Bank startete 2009 mit einer Private-Banking-Niederlassung in Salzburg durch, zog sich wenige Jahre später jedoch wieder zurück.

Doch jene, die es geschafft haben, konnten sich am hart umkämpften Private-Banking-Markt erfolgreich etab­lieren. Am längsten ist die Deutsche Bank präsent, genauer gesagt seit 1989, und verwaltet ein Vermögen von 3,2 Milliarden Euro. Nicht unwesentlich zum Wachstum trug die Fusion mit der Bank Sal. Oppenheim vor gut sieben Jahre bei.

Erst wenige Jahre nach der Jahrtausendwende gründeten weitere internationale Banken Töchter in Österreich. Allen voran die UBS, gefolgt von der LGT Bank, die im Besitz der fürstlichen Familie in Liechtenstein steht, sowie der Credit Suisse, der Zürcher Kantonalbank Österreich und der LLB (Liechtensteinische Landesbank).

Große Bandbreite bei Mindestsummen

Eines haben beinahe alle Privatbanken gemein: Ohne eine Mindestsumme an liquidem Vermögen schafft man es kaum durch die edlen Pforten. Die Bandbreite ist diesbezüglich aber weit gespannt. Schon ab 30.000 Euro kann man bei der Wiener Privatbank zumindest ein Festgeldkonto eröffnen. Wer noch 20.000 Euro darauflegt, kann bei der Hypo Vorarlberg vorstellig werden. Doppelt so hoch ist hingegen das erforderliche Minimum beim Bankhaus Carl Spängler. Zwischen 200.000 Euro (BKS) und einer halben Million Euro (Zürcher Kantonalbank Österreich und LLB) kann man auch bei anderen Häusern durchaus anklopfen.

Einen regelrechten Klub der Millionäre bildet hingegen das obere Ende des Spektrums ab. Unter einer Million Euro an liquidem Vermögen kommt man bei manchen Häusern kaum über die Türschwelle, so etwa bei der Kathrein Privatbank. Wobei auch die Österreich-Töchter der internationalen Großbanken diesen Maßstab ansetzen.

Wer über ein besonders hohes Vermögen etwa in Form von Immobilien oder über ein stattliches Einkommen verfügt, ist ebenfalls willkommen. Da heißt es eben, ein diskretes Gespräch vorab zu führen. Wobei, nicht alle Häuser legen sich auf eine Minimalsumme fest, so etwa das Bankhaus Schelhammer & Schattera, aber auch die Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich.

Risiko und Rendite im Fokus

Ein recht eindeutiges Bild zeichnet sich hingegen bei den Geldanlagen ab, einerlei wie hoch die Mindestsummen sind. Die meisten Vermögenden entscheiden sich klar für eine gute Durchmischung an riskanten Anlagen, in der Regel Aktien mit einem umfassenden Sicherheitsnetz in Form von Anleihen. Der Grund, weshalb bei fast allen Banken eine „ausgewogene“ Veranlagung gewählt wird.

Wie so oft gibt es auch in diesem Fall Ausnahmen. So wird etwa bei der BKS sowie der LGT eine noch konservativere Variante von den meis­ten Kunden gewählt, genauso wie beim Bankhaus Carl Spängler, wo man in diesem Zusammenhang auf einen Anleihenanteil von 75 Prozent verweist. Ein wenig geringer ist dieser beim Bankhaus Krentschker sowie bei der LLB. Und bei der Hypo Vorarlberg ist das Absolute-Return-Portfolio der Favorit. Ziel sei es dabei, in unterschiedlichen Marktphasen einen Ertrag über der Inflationsrate zu erzielen, wie es heißt.

Individuelle Veranlagung

Wer es lieber individuell mag, der kann auch auf eine entsprechende Vermögensverwaltung zugreifen. Hier variieren die Mindestsummen besonders stark, wie der entsprechende Punkt in der Übersicht unterstreicht. Bei der Wiener Privatbank geht dies bereits ab 100.000 Euro. Ein wenig mehr ist es bei der Volkskreditbank (250.000 Euro) sowie der UBS (300.000 Euro). Die restlichen Anbieter setzen ein weit höheres Minimum für ein maßgeschneidertes Portfolio voraus. Zumindest eine halbe Million Euro ist es beim Bankhaus Schelhammer & Schattera, bei der Erste Bank, der Oberbank, der Raiffeisenbank, aber auch der Schoellerbank. Danach geht es zügig weiter nach oben, wobei die LGT mit einer Mindestsumme von drei Millionen Euro die Zeile in der Tabelle deutlich anführt. Einzig die Volksbank Wien nennt hier keine Mindestsumme.

Unterschiedlicher Aktienanteil

Interessant ist in diesem Zusammenhang letztendlich auch der durchschnittliche Aktienanteil am gesamten verwalteten Vermögen der Institute: Dieser variiert nämlich recht deutlich. Mit nur 20 Prozent ist er bei der Erste Bank und der Volksbank Wien besonders gering. Ein wenig darüber liegt der Anteil bei der Kathrein Privatbank sowie der Volkskreditbank und der LGT. Am anderen Ende des Spektrums hat sich hingegen die Zürcher Kantonalbank Österreich mit einem Aktienanteil am gesamten verwalteten Vermögen von 60 Prozent platziert. Deren Mutterhaus verfügt im Übri-gen über eine Topbonität (AAA Rating), wie die Bank in der GEWINN- Umfrage festhält.

Verschiedene „Hausspezialitäten“

Bei der Bank Gutmann sowie der Capital Bank wird etwa die Expertise im Bereich Private Equity hervorgehoben, ein Teilbereich von Alternative Investments. Diese werden auch von zahlreichen anderen Banken angeboten. Bei der Schoellerbank betont man hingegen den dezidierten Ausschluss von Hedge-Fonds, aber auch von Hochzinsanleihen.

Interessant sind aber auch die Immobilienschwerpunkte, bei der BKS werden etwa Immobilien-Wandelanleihen als „Besonderheit bei der Veranlagung“ hervorgehoben. Die Semper Constantia Privatbank sowie die Wiener Privatbank und die Raiffeisen­bank streichen Immobilien ebenso hervor. Dabei können Anleger beispielsweise in Vorsorgewohnungen veranlagen. Grundsätzlich bieten aber praktisch alle Banken einen Immobilienservice an, wie der entsprechende Punkt in der Übersicht unter „Dienstleistungen“ aufzeigt – außer die Niederlassungen der Auslandsbanken. Hier gibt es ein klares „Nein“.

Ethisch, sozial, ökologisch

Wer bei der Veranlagung Wert auf inhaltliche Kriterien wie Ethik, Soziales oder Umweltschutz legt, ist etwa beim Bankhaus Schelhammer & Schattera gut aufgehoben. Aber auch die Volkskreditbank verweist darauf. Wobei, nachhaltiges Investieren muss sich keinesfalls nur auf Börsenveranlagungen beschränken. Hier kommt beispielsweise auch die Philanthropie ins Spiel. Sie wird etwa bei der Capital Bank, die ebenfalls zur GRAWE gehört, stark forciert. Die Capital Bank hat in Zusammenarbeit mit dem Fund­raising Verband Austria die „Gemeinnützige Privatstiftung Philanthropie Österreich“ als Dachstiftung für Kunden gegründet, bei der man ab 50.000 Euro dabei ist und Projekte unterstützen kann.

Die Erste Bank und UBS bieten ebenfalls eine Philanthropieberatung an. Auch bei der LGT bekommt man entsprechende Möglichkeiten mittels Impact Investing angeboten. Mit den Geldern sollen etwa nachhaltige ­Geschäftsmodelle direkt unterstützt werden.

Finanzierungen funktionieren fast überall

Doch was tun, wenn man auch mal eine Finanzierung braucht? Fast alle Bankhäuser können diesbezüglich etwas anbieten. Einzig die Wiener Privatbank, die bei diesem Punkt mit einem „Nein“ antwortete. Bei der Zürcher Kantonalbank Österreich gibt es lediglich Lombardkredite sowie bei der Bank Gutmann, die obendrein Effektenkredite anbietet. Lombardkredite werden grundsätzlich gegen Sicherheiten, wie etwa Wertpapiere, kurzfristig vergeben. Ein Effektenkredit ist ein besichertes Darlehen zum Kauf von Wertpapieren.

Wer dazu allerdings auch gleich eine KMU-Beratung sucht, wird praktisch nur bei jedem zweiten Haus fündig.
Anders der Stiftungsservice, den alle bis auf die Volkskreditbank sowie die Volksbank Wien anbieten. Dabei sind Stiftungen oftmals auch ein Teil einer Nachfolgeregelung. Diesbezügliche Nachfolge- bzw. Übergabeberatung bieten einige Häuser an, wie etwa die Bank Gutmann, das Bankhaus Carl Spängler, das Bankhaus Krentschker, die Capital Bank, die ­Erste Bank, die Volkskreditbank sowie die Volksbank Wien und die UBS.

Viele Neuheiten

Und Tradition bedeutet keinesfalls Stillstand: Beim Bankhaus Carl Spängler verweist man unter anderem auf den Start einer Online-Vermögensverwaltung im letzten Quartal des heurigen Jahres, bei der Erste Bank gibt es interaktives Reporting. Auch beim Bankhaus Krentschker, der Kathrein Privatbank, LLB und Semper Cons­tantia arbeitet man laufend an neuen digitalen Services. Credit Suisse, Oberbank, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und Volkskreditbank bieten jetzt auch eigene Kunden- bzw. Wertpapier-Apps. Sowohl Schoellerbank als auch die PRIVAT BANK verweisen auf „Financial Planning“. Dabei erarbeiten geschulte Mitarbeiter Strategien, bei denen sämtliche Vermögenswerte und die aktuellen Lebenspläne berücksichtigt werden. Die Bank Gutmann hat hingegen mit einem Kundenreporting nach Maß gestartet, während es bei der UniCredit Bank Austria nun das Beratungsmodell UNIVERS Exklusiv gibt, in dem alle Spesen enthalten sind. Die BKS bietet inzwischen auch „Social- and Green Bonds“ an, hier sind die Anleihengelder für entsprechende sinnstiftende Projekte zweckgebunden.

Die Zürcher Kantonalbank Österreich baut ihren Mitarbeiterstand aus. Währenddessen bietet die Volksbank Wien seit Neuestem eine Vor-Ort-Betreuung auch in Niederösterreich sowie im Burgenland an. Die LGT Bank bietet Private Equity Co-Investment mit fürstlichem Family Office.

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