Richtig versichert im Skiurlaub und auf Fernreisen

Kreditkarte, ÖAMTC-Schutzbrief, Alpenverein und Co.: Welchen Versicherungsschutz haben Sie schon, und welcher wäre noch nötig, um im Winterurlaub gut versichert zu sein?

(Foto: mikolajn – GettyImages.com)

Wenn der Hubschrauber wieder mal über dem Skigebiet brummt, kann es sich um eine fröhliche Ausflugsrunde der oberen Zehntausend handeln oder – deutlich öfter – um einen Rettungseinsatz.

Und der kann ordentlich ins Geld gehen. Selbst ein nur zehnminütiger Flug ins Tal kommt schnell auf 3.000, 4.000 Euro. Befand man sich beim Unfall im freien Gelände, kommt es noch  teurer. Das Problem dabei: Bei Freizeit- und Bergunfällen bezahlt die Sozialversicherung solche Einsätze grundsätzlich nicht. Ersatz wird nur für jenen Teil der Strecke geleistet, auf der die Rettung auch hinfahren hätte können.

Einziger Ausweg daher, um nicht auf Kosten von einem bis mehreren Monatsgehältern sitzenzubleiben: sich privat versichern.

Doch halt, haben Sie nicht sowieso eine Kreditkarte mit Versicherungsschutz? Da kommt es sehr auf die Kreditkarte an. Zum einen hat nicht jede Kreditkarte einen Versicherungsschutz, besonders die Basiskarten im Rahmen eines Kontopakets verzichten üblicherweise darauf. Doch auch bei jenen, die über Versicherungsschutz verfügen, sind die Unterschiede groß. Bei den Classic-, Gold- und Platinum-Karten von Card Complete sind beispielsweise keine Bergungskosten inkludiert. Bei der Gold und der Black Card von PayLife wird dagegen bis 35.000 bzw. 50.000 Euro im Bergungsfall gezahlt, allerdings nur für den Karteninhaber. Bei der Platinum Card wird sogar auch für mitreisende Angehörige geleistet; häufig hängt der Schutzumfang  auch davon ab, ob man mit der Karte die Reise bezahlt hat. Es heißt also im Vorhinein nachlesen!

Sie sind aber Alpenvereins- oder Naturfreunde-Mitglied? Die gute Nachricht hier ist: Für den Mitgliedsbeitrag erhält man in beiden Fällen unter anderem einen Bergungskostenschutz von bis zu 25.000 Euro. Und alle, die über einen ÖAMTC-Schutzbrief verfügen, sind nach einem Freizeit-Alpinunfall ebenfalls mit bis zu 10.000 Euro versichert. Der Schutz gilt übrigens jeweils auch im Ausland.

Unfallversicherung macht Sinn

Gegen hohe Bergungskosten absichern kann man sich auch mithilfe der meis­ten privaten Unfallversicherungen. Sinn machen sie aber nicht nur deshalb. Allein im Vorjahr mussten österreichweit 782.200 Menschen als Folge eines Unfalls im Krankenhaus behandelt werden, über 280.000 davon aufgrund eines Unfalls in der Freizeit bzw. bei der Ausübung eines Freizeitsports. Wozu man eine private Unfallversicherung braucht? „Keine Frage, dass jede und jeder Verunglückte in Österreich eine entsprechende Erstversorgung bekommt. Sobald es aber um die Kosten für Folgebehandlungen bei bleibenden Schäden nach einem Unfall, der sich nicht in der Arbeit ereignet hat, Bergekosten sowie Privatarztkosten geht, winkt der Staat ab. Denn diese Kosten übernimmt ausschließlich die private Unfallversicherung“, schildert Manfred Rapf, Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung. Und sollten die Unfallfolgen bleibend sein, hilft entweder eine Einmalsumme beim behindertengerechten Umbau der Wohnung bzw. für private Therapien oder eine laufende Rente zum Abfedern des Erwerbsausfalls.

Haftpflicht schützt

Auch wenn die meisten Unfälle auf der Piste durch eigene Unachtsamkeit entstehen. Immerhin rund acht Prozent sind auf Kollisionen zwischen Wintersportlern zurückzuführen. Generell gilt: Wer andere schädigt, haftet für die Unfallfolgen. Und hier kann es  sogar noch teurer kommen als bei der Flugrettung. Bleibt das Unfallopfer beispielsweise dauerhaft arbeitsunfähig, hat aber eine Familie zu erhalten, können die Versorgungs- und Unterhaltspflichten, für die man aufkommen muss, über die Jahre auch sechsstellig werden.

Allerdings gibt es hier erfreulich selten Handlungsbedarf: Die allermeis­ten haben ihre private Haftpflichtversicherung schon in der Haushaltsversicherung inkludiert, meist – vorsichtshalber besser nachsehen! – gilt der Schutz weltweit. Oft ist eine Haftpflichtversicherung auch sonst wo inkludiert: etwa  bis drei Millionen Euro beim Alpenverein (aber nur innerhalb Europas), ähnlich bei den Naturfreunden.

Krank im Ausland

Kaum angekommen, hat das Kind eine Blinddarmentzündung, oder frisch in der Karibik zwingt einen heftiger Zahnschmerz in die Knie. Erkrankt man im Ausland, kann man nach der Rückkehr häufig nur eine „tarifmäßige Kos­tenerstattung“ beantragen. Für Behandlungen im EU-/EWR-Ausland und der Schweiz wird der ausländische Tarif erstattet, was gut oder schlecht sein kann, zudem kennen manche Länder auch noch Selbstbehalte, die man nicht ersetzt bekommt.

Verfügt man nicht über eine private Krankenversicherung, die auch Auslandskosten übernimmt, stellt sich auch hier die Frage: Wer leistet sonst etwas?

Bei den Kreditkarten heißt es wieder aufpassen: Die Kosten für den erkrankten Karteninhaber werden noch relativ häufig übernommen. Erkranken aber der Partner oder die Kinder, wird meist nur geleistet, wenn man einen Zusatzschutz gegen Aufpreis dazu genommen hat. Der Alpenverein schützt mit seiner Auslandsreisekrankenversicherung seine Mitglieder bis 10.000 Euro, bei den Naturfreunden kann man sich gegen eine Zusatzprämie von zwölf Euro jährlich bis zu 13.000 Euro weltweiten Krankenschutz einkaufen.

Beim ÖAMTC-Schutzbrief ist erfreulicherweise nicht nur das Club-Mitglied, sondern auch dessen Familie vom Auslandskrankenschutz umfasst bis zu 75.000 Euro pro Person, allerdings nur innerhalb Europas und einigen angrenzenden Staaten. „Besonders teuer wird es aber in den USA oder in einigen südostasiatischen Ländern wie beispielsweise Singapur“, weiß Wolfgang Lackner, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Reiseversicherung. „In den USA etwa kostet ein Tag in der Intensivstation oft schon 10.000 US-Dollar“, so Lackner. Eine umfassende höhere Deckung bietet vor allem eine Reiseversicherung, wie sie neben der Europäischen Reiseversicherung sowie Allianz-Assistance auch von den größeren Versicherern geboten wird.

Tipp: Wer schon einen ÖAMTC-Schutzbrief hat, kann auch um 59,40 Euro pro Jahr einen weltweiten Krankenschutz dazukaufen.

Jahresreiseversicherungen zahlen sich aus!

Angenommen, man reist mit Familie in den Sommerurlaub, heißt es für einen kurzfristigen Einmalschutz rund 250 bis 300 Euro Reiseversicherung zu berappen (Annahmen: weltweiter Schutz, Reisepreis 4.000 Euro). Fährt man im Winter mit der Familie in den Winterurlaub und schließt ebenfalls einen Kurzschutz ab, werden in etwa weitere 100 bis 150 Euro fällig.

Zum Vergleich: Eine Jahresreiseversicherung für die ganze Familie – mit bis zu fünf Kindern – kommt beispielsweise bei der Europäischen Reiseversicherung beim „Jahres-Komplett-Schutz Standard“ auf 260 Euro. „Die Faustregel lautet: Ab zwei Reisen der Durchschnittskategorie zahlt es sich aus“, wirbt Lackner. Noch dazu: „Er gilt  auch, wenn einzelne Mitglieder alleine wegfahren. Also etwa auch für die Tochter, die mit der Klasse nach Irland fährt, oder den Sohn, der auf Skikurs ist“, schildert Lackner.

Storno: folgenlos absagen

Die lang ersehnte Kreuzfahrt steht an, kurz davor wird der Ehemann unvermutet vom Arbeitgeber gekündigt oder das Einfamilienhaus wird durch eine abgehende Mure stark beschädigt. Keiner hat mehr den Nerv zu reisen. Was tun? Mit einer guten Stornoversicherung ist es kein Problem, die Reise abzublasen und das Geld wieder zurückzubekommen. Das breiteste Angebot hierzu weisen zweifellos die Reiseversicherungen auf. Sie akzeptieren sehr umfassende Stornogründe (beispielsweise sogar, wenn das Haustier schwer erkrankt ist). Selten, aber doch bieten auch Kreditkarten eine gewisse Stornoabsicherung, auch hier heißt es  aber genau auf die Voraussetzungen zu ­achten.

Gepäck weg oder zu spät

Der Koffer kommt nie an oder wird ­tagelang um die halbe Welt geschickt, bis er beschädigt kurz vor Urlaubsende ins Hotel geliefert wird. Hierzu bieten viele Kreditkarten einen gewissen Schutz, Maximalsummen sind meist 2.000 bis 5.000 Euro.

Reiseversicherungen zahlen oft auch mehr (z. B. für eine Familie beim Reise Schutz der Europäischen bis zu 7.000 Euro), dazu werden bei Gepäckverspätungen Ersatzkäufe finanziert (beispielsweise bis 750 Euro für einen Reisenden).

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