Urlaubsbuchung ohne Ärger

Direkt auf der Homepage des Hotels wäre die Buchung mitunter doch günstiger gewesen als beim großen Hotelportal. Und auch so mancher Billigflug hat einen Pferdefuß.

Foto: fizkes – Thinkstock.com

Manchen ist es vielleicht schon im letzten Sommer aufgefallen: Auf Last-Minute-Angebote wartet man neuerdings oft vergeblich. Reiseveranstalter kaufen Flugplätze und Hotelzimmer vorsichtiger ein und haben so kaum Überkapazitäten, die sie zu Spottpreisen auf den Markt werfen. Dazu kommen ausgebuchte Hotels entlang der spanischen und griechischen Küs­ten, die nun auch das Wunschziel vieler ehemaliger Türkei-Urlauber sind.

Die Schnäppchenjagd hat damit freilich kein Ende. Preisvergleichsportale wie Checkfelix, Trivago oder Sky­scanner geben zwar einen guten Überblick, bilden aber oft nicht den Gesamtmarkt ab. Wer sich für eines der Angebote interessiert, wird in der Regel auf die Seite eines Online-Reisebüros weitergeleitet, mit dem letztlich der Vertrag zustande kommt – nach Zahlung einer Servicegebühr. „Als Konsument muss man sich genau anschauen, mit wem man den Vertrag abschließt, damit man im Fall von Problemen weiß, wer der Ansprechpartner ist“, betont Andreas Herrmann, Experte vom Europäischen Verbraucherzentrum Österreich (EVZ). Sowieso rät er Konsumenten, vor der Buchung auch immer direkt auf der Seite des Reiseveranstalters, der Fluglinie oder des Hotels nach Angeboten zu suchen. „Unserer Erfahrung nach ist es günstiger, direkt zu buchen.“

Keine „Bestpreisklausel“ mehr

Was viele auch noch nicht wissen: Anfang 2017 ist hierzulande die sogenannte Bestpreisklausel bei Zimmervermittlungsportalen gefallen. Das bedeutet, dass österreichische Hotels ihre Zimmer nun auf der eigenen Homepage billiger anbieten dürfen als auf Plattformen wie booking.com, Expedia oder HRS. In Deutschland wurde die Bestpreisklausel schon davor gekippt – ein Blick auf Hotelwebseiten ist also da wie dort häufig Bares wert.

Der direkte Draht zum Hotel, zur Fluglinie und zum Reiseveranstalter kann aber auch Nerven sparen. Denn Portale, die ihren Sitz im Ausland haben, sind bei auftauchenden Problemen telefonisch oft schwer zu erreichen, auf Mails bekommt man oft keine prompte Antwort, so Konsumentenschützer.

Überraschungen lauern auch im Kleingedruckten. Ein Beispiel: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) halten Vermittler gerne fest, dass sie im Fall einer Flugannullierung eine Servicepauschale verrechnen. Herrmann: „Wir hatten Fälle, bei denen der Flug 100 Euro und die Servicepauschale 50 Euro betragen haben. Da konnten wir argumentieren, dass die Pauschale zu hoch ist.“ Eine moderatere Pauschale – etwa 15 Euro – muss aber bezahlt werden.

Lästige Doppelbuchungen

Mitunter beginnen die Probleme schon bei der Online-Buchung. Bei Herrmann landen immer wieder Fälle von Doppelbuchungen. Der Grund: Die Internet-Seite ist just im Moment der Buchung abgestürzt. Viele buchen dann in der Panik, den günstigen Flug sonst nicht mehr zu bekommen, noch einmal. Schließlich sendet nicht jeder Anbieter sofort ein Bestätigungsmail.

Herrmann rät in solch einem Fall, einen Screenshot von der abgestürzten Seite zu machen. Parallel zur zweiten Buchung sollte man ein Mail an das Portal schicken, in dem man festhält, dass eine zweite Buchung folgt, weil für die erste keine Bestätigung eingegangen ist. „Mit diesem Schreiben kann man später eine kostenlose Stornierung der überflüssigen Zweitbuchung argumentieren.“ Ansonsten fallen Stornokosten an.
Von Anrufen bei den Hotlines rät der Experte ab. Nicht nur, weil diese teils mit hohen Tarifen verbunden sind. Herrmann: „Was auch immer in so einem Gespräch besprochen wird, es wird später schwer zu beweisen sein. Also immer auf eine schriftliche Bestätigung bestehen.“

Annullierung und Verspätung

Bei der Agentur für Passagier- und Fluggastrechte (apf) landen zahlreiche Fälle von Flugverspätungen und Annullierungen. Hier regelt die EU-Fluggastrechteverordnung die Rechte der Passagiere. Sie gilt, wenn man aus der EU hinausfliegt oder in die EU hinein mit einer Fluglinie unterwegs ist, deren Hauptsitz in der EU liegt. Bei Annullierung beispielsweise kann man den ­Ticketpreis zurückfordern oder eine kos­tenlose Umbuchung verlangen. Dazu hat man während der Wartezeit Anspruch auf Mahlzeiten, Getränke und allenfalls ein Hotelzimmer. Zusätzlich stehen meist Ausgleichszahlungen zu (z. B. 250 Euro bei Flügen bis zu 1.500 km).
Tipp: Nähere Details finden sich auf www.europakonsument.at.

Dieses Regelwerk gilt „allerdings nur, wenn ein einheitlicher Beförderungsvertrag abgeschlossen wurde“, warnt Maria-Theresia Röhsler, Leiterin der apf. „Um einen solchen handelt es sich, wenn für einen Flug mit allen Anschlussflügen eine durchgängige Reservierungsnummer vorhanden ist.“

Achtung: Genau das ist bei Direktbuchungen bei Airlines und im Reisebüro gewährleistet, aber nicht immer bei Online-Portalen. Denn der Grund, warum Flüge dort teils so günstig angeboten werden, ist, dass es sich oft um nicht aufeinander abgestimmte Flugkombinationen handelt. Was nicht als einheitlicher Beförderungsvertrag gilt.  Um im Ernstfall wenig Scherereien zu haben, buchen Erholungssuchende gern eine Pauschalreise. Im Paket (Flug, Hotel und Transfer) hat der Urlauber die Gewissheit, dass sich der Reiseveranstalter um auftauchende Probleme kümmert, sei es beim Flug oder im Hotel. Auch der rechtliche Schutz bei Konkurs des Reiseveranstalters oder etwa der Fluglinie ist höher als bei Individualreisenden.

Ärger mit Pauschalreisen

Die Kehrseite kann sein, dass man eine Unterkunft vermittelt bekommt, die man sich selbst nicht ausgesucht hätte. Hier sollten Mängel unbedingt gleich gegenüber dem Veranstalter vor Ort gerügt und dokumentiert werden, erste Wahl ist eine sofortige Verbesserung vor Ort. Bleibt diese aus, kann man nach seiner Rückkehr eine Preisminderung fordern. Tipp: Eine Einschätzung, wie hoch diese ausfallen könnte, bietet www.europakonsument.at, Stichwort „Frankfurter Liste“.

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