Zusatzpension vom Staat

Wer zusätzlich für seine Pension vorsorgen möchte, muss dies nicht zwangsläufig über Lebensversicherungen oder Fondssparpläne tun. Auch der Staat hat eine altbewährte Lösung parat.

Angestellte und Arbeiter können bei der PVA in ihre Höherversicherung einzahlen (Foto: PVA/Harri Mannsberger)

Egal ob Angestellter, Arbeiter, SVA-versicherter Selbständiger, aber auch Landwirt, Eisenbahner oder Notar: Sie alle können eine freiwillige Höherversicherung beantragen. Ausgenommen sind lediglich Beamte.
Was sie bringt? Sobald man Geld in sie einbezahlt hat – einmalig oder auch regelmäßig –, erhält man künftig eine erhöhte Pension, 14-mal im Jahr.

Abgeschlossen wird die Höherversicherung durch Antrag an die jeweilige Pensionsversicherung. Diese stellt dann die Berechtigung fest und gibt den höchstmöglichen Jahresbetrag bekannt – im Jahr 2018 sind es maximal 10.260 Euro.

Das Gute: Höherversicherungen sind innerhalb dieser Obergrenze absolut flexibel. Es kann so viel und so oft einbezahlt werden, wie man möchte. Hat man bloß einmal Geld überschüssig, kann man es auch bei einer einmaligen Einzahlung belassen. Sobald ein Beitrag geleistet ist, wird er jährlich im gleichen prozentuellen Ausmaß wie die „normale“ Pension erhöht.

Wie rasch macht es sich bezahlt?

Eine Berechnung für einen 40-jährigen Mann bzw. eine 40-jährige Frau, die heuer nur einmalig eine Einzahlung leistet, liefert die Tabelle (letzte Zeile). Gegen eine einmalige Einzahlung von 10.280 Euro (aktueller jährlicher Höchstbetrag) stehen dieser Person dann ab 65, dem Eintritt des Regelpensionsalters, monatlich 89,06 Euro mehr an Pension zu. Und das 14- mal jährlich, garantiert lebenslang. Amortisiert hat sich das Investment damit bereits nach acht Jahren und zwei Monaten Pensionsbezug.

Weitere Beispiele finden sich in der Tabelle, welche die PVA exklusiv für GEWINN berechnet hat. Als Grundregel kann man sagen: Je jünger man bei der Zahlung ist, umso rascher amortisiert sich die Investition. Sind es bei  35-Jährigen knapp über zehn Jahre Pension – d. h. im 75. Lebensjahr –, bis sie in die „Gewinnzone“ kommen, dauert es bei 45-Jährigen etwas unter zwölf Jahre und bei heute 55-Jährigen 13 Jahre. 65 plus 13 Jahre bedeutet also, dass man zumindest 78 Jahre alt werden muss, damit sich das Investment zu lohnen beginnt. (Anmerkung: Die Verzinsung einer Alternativveranlagung ist hier nicht einkalkuliert.)

Allerdings: Sollte man früher versterben, profitiert die Familie weiterhin davon. Denn nach dem Ableben des oder der Versicherten gehen 60 Prozent des Erhöhungsbetrages an die Witwe bzw. den Witwer über und 24 bzw. 36 Prozent an die Waisen. Auch hier entspricht also das Schicksal der Höherversicherung den üblichen Regelungen für die staatliche Pension.

Ebenso werden die Auszahlungen jährlich an die Inflation angepasst.

Steuervorteil inklusive

Ein weiterer Vorteil: Die Auszahlungen, die aus der Höherversicherung resultieren – der sogenannte „besondere Steigerungsbetrag“ zur Pension –, sind zudem zu 75 Prozent steuerfrei. Nur die restlichen 25 Prozent werden gemeinsam mit der Pension versteuert.

Nimmt man für die Höherversicherung  die prämienbegünstigte Pensionsvorsorge gemäß § 108a EStG in Anspruch (für Einzahlungen bis 1.000 Euro jährlich), sind die Auszahlungen sogar zur Gänze steuerfrei.
Noch etwas: Bisher können Beiträge zur freiwilligen Höherversicherung bis zum Jahr 2020 als Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden. Allerdings nur noch dann, wenn bereits vor dem 1. 1. 2016 erstmals Höherversicherungsbeiträge geleistet wurden.

Aufpassen sollten jedenfalls Wenigverdiener: Läuft man wegen zu geringer bzw. zu kurzer Pensionsversicherungszeiten im aktiven Erwerbsleben Gefahr, in der Pension auf die Ausgleichszulage angewiesen zu sein, sollte man die Höherversicherung sein lassen. Denn die aus ihr resultierenden Mehrzahlungen würden die Ausgleichszulage schmälern, die Investition wäre für den Betreffenden also sinnlos. Gleiches gilt allerdings auch, wenn man privat – etwa mit einer Lebensversicherung – vorsorgt.

Angst vor Änderungen?

Klar, Gesetze kommen und gehen, auch im staatlichen Pensionssystem. Die sogenannte Höherversicherung gibt es allerdings schon seit vielen Jahrzehnten, das letzte Mal wurde sie 1986 vom Gesetzgeber gröber „angegriffen“ – damals verschlechterten sich die Berechnungsfaktoren. „Es ist nicht möglich vorherzusehen, ob die Rechtslage in den kommenden Jahrzehnten noch dieselbe sein wird“, weiß auch PVA-Obmann Manfred Anderle, „grundsätzlich ist aber natürlich der Vertrauensschutz, gerade bei einem Thema wie der zukünftigen Altersvorsorge, ein hohes Gut.“ Auch der zukünftige Gesetzgeber darf daher nur sehr begrenzt in bereits erworbene Rechte eingreifen. „Aktuell sind mir aber keine Änderungspläne bekannt“, ergänzt Anderle.

Auch im aktuellen Regierungsprogramm lassen sich keinerlei Pläne dazu erkennen. Womit die Höher-
versicherung aller Voraussicht nach auch weiterhin eine Überlegung wert ist.

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