15-Meter-Hecke ortsüblich?

Eine gemütliche Einfamilienhaussiedlung in der Steiermark. Großzügige Gärten, Obstbäume, gepflegte Hecken.

Das gefiel auch Herrn A., als er vor zehn Jahren dort ein 1.300 Quadratmeter großes Grundstück erstand und ein Haus errichtete. Was ihm mit der Zeit allerdings immer weniger gefiel, war die Hecke, die sein Nachbar schon 20 Jahre vor seinem Einzug an der fast 40 Meter langen Grundstücksgrenze gepflanzt hatte. Denn diese ähnelte im Laufe der Zeit immer mehr einem Wald. Im Abstand von 50 Zentimetern wuchsen dort 70 Fichten mit einer Höhe von zwölf bis 15 Metern. Was Herrn A.s Haus, das nur fünf Meter von der Grundstücksgrenze entfernt steht, in den Schatten stellte. Er forderte daher von seinem Nachbarn, Herrn B., die Fichten auf ein ortsübliches Maß zurückzuschneiden.

Der dachte allerdings nicht daran, mit der Motorsäge auszurücken. Schließlich sei Herrn A. die Hecke schon beim Kauf des Grundstücks bekannt gewesen. Außerdem hätte er das Haus anders ausrichten können, um die Beschattung zu minimieren.

Das Erstgericht gab Herrn A. Recht. Das Berufungsgericht wies die Klage hingegen ab. Als neu hinzugekommener Nachbar müsse er sich mit den örtlichen Verhältnissen abfinden. Beim Kauf des Grundstückes sei erwartbar gewesen, dass der beklagte Nachbar B. seine Bäume auch künftig weiter wachsen lassen werde. Wie hat der OGH entschieden

Recht bekommen hat...

. . . Herr A. Ein zugezogener Nachbar muss sich zwar grundsätzlich mit den beim Kauf vorgefundenen Verhältnissen abfinden, allerdings sei in einem Siedlungsgebiet nicht mit einem unbegrenzten Wildwuchs einer Hecke zu rechnen. Eine eng gepflanzte Fichtenhecke in dieser Höhe sei in einer Wohngegend völlig ortsunüblich. Herr B. muss daher binnen sechs Monaten die Hecke auf eine Höhe von 2,5 Metern stutzen. Damit sei auch weiter ein Sichtschutz gegeben.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.