„Bodenpreise werden weiter steigen“

Matthias Grün, Wirtschaftschef der Esterházy-Gruppe, über explodierende Preise für Wald und Ackerland, den Rückzug aus Rumänien und warum große Betriebe gute Biobauern sind.

Matthias Grün, Wirtschaftschef der Esterházy-Gruppe (Foto: Esterházy-Betriebe)

TOP-GEWINN: Die Preise für Wald und Ackerland sind seit der Finanzkrise enorm gestiegen, haben sich teilweise verdoppelt. Sie verwalten für die Esterházy-Gruppe 22.400 Hektar Wald und 5.600 Hektar Landwirtschaft. Sind solche Preise für Sie noch nachvollziehbar? 

GRÜN: Die Preisentwicklung ist für mich nachvollziehbar. Der Wert eines Rohstoffs, mit dem man Nahrungsmittel produzieren kann, ist sehr kostbar. Die landwirtschaftliche Produktionsfläche in Österreich und auch weltweit nimmt ab. Gleichzeitig steigt die Bevölkerungszahl. Man kann sich ausrechnen, dass mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit der Wert von Grund und Boden als Produktionsfläche für Lebensmittel weiter steigen wird. Ich gehe nicht davon aus, dass wir das Ende der Fahnenstange bei den Bodenpreisen erreicht haben. 

TOP-GEWINN: Kann jemand, der jetzt in Ackerland oder Wald investiert, das Geld jemals wieder zurückverdienen oder ist es nur ein Spekulieren auf steigende Bodenpreise? Schon jetzt werden für Äcker im Wiener Umland Spitzenpreise von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter gezahlt. Dafür bekommen Sie im Südburgenland einen Baugrund.  

GRÜN: Die Frage ist die Zeitachse. Wenn Sie mich fragen, wie lange es dauert, kann ich es nicht beantworten, da ich die Preisentwicklung nicht im Detail vorhersagen kann. Die maßgeblichen Einflussfaktoren für die Preisentwicklung geben aber eine gewisse Richtung vor. Dass die Nachfrage weiter steigen wird, ist für mich unbestritten. 

TOP-GEWINN: Der große Gewinn winkt aber nicht bei der laufenden Bewirtschaftung, sondern beim Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen und Wald. Würde die Esterházy-Gruppe nur einen Teil ihrer Flächen verkaufen, würden gewaltige Einnahmen winken. Wie groß ist die Versuchung? 

GRÜN: Angebote gibt es viele. Ein gewisser kleiner Grundverkehr gehört dazu. Die Flächen sind netto aber in den letzten Jahren sogar gewachsen.  

TOP-GEWINN: Sie könnten in Österreich teuer verkaufen und im Ausland günstig zukaufen. In Rumänien ist der Quadratmeter bestes Ackerland um 60 Cent zu bekommen. Auch Wald ist dort deutlich günstiger als in Österreich. Die Esterházy Gruppe bewirtschaftete dort vor wenigen Jahren mit einem Partner noch 15.000 Hektar Wald. Warum haben Sie sich wieder zurückgezogen? 

GRÜN: Wir bewirtschaften dort nur noch unsere 1.000 Hektar Eigenbesitz. Zukäufe in Rumänien planen wir aktuell nicht. Die Bewirtschaftung von fremdem Wald als Dienstleister zahlt sich derzeit noch nicht aus. Das, was man verdient, verliert man durch die Bürokratie wieder. Z. B. benötigt der Bau einer durchschnittlichen Forststraße in Österreich völlig ausreichende zwei A4-Seiten, in Rumänien zwei Regale voller Ordner, als würde man eine Autobahn bauen. Anderes Beispiel: In Rumänien muss jeder Baum amtlich gekennzeichnet werden, bevor man ihn umschneiden darf. Wird bei der Holzernte mit modernen Maschinen zufällig ein nicht markierter Baum gefällt, haben Sie ein Verfahren wegen illegaler Schlägerung am Hals.

TOP-GEWINN: Sie scheinen sich im Gegenteil noch stärker auf Österreich zu konzentrieren. In der Vergangenheit wurde der Großteil der riesigen Agrarflächen verpachtet. Warum wollen Sie jetzt die arbeitsintensive und riskantere Eigenbewirtschaftung intensivieren?

GRÜN: Wenn Pachtverträge auslaufen, übernehmen wir die Flächen in Eigenbewirtschaftung. Von 5.600 Hektar bewirtschaften wir mittlerweile 2.600 Hektar selbst. Wenn man einen Kuchen durch zwei teilt, bleibt weniger übrig. Natürlich ist das Risiko größer. Aber durch die Größe und Verteilung unserer Flächen können wir das Risiko z. B. bei Wetterereignissen reduzieren.

TOP-GEWINN: Sie haben auch begonnen die Wertschöpfungskette zu verlängern. Vom Rohstoffproduzenten zum Anbieter fertiger Produkte?

GRÜN: Die Marke Esterházy ist sehr stark. Wir verkaufen z. B. eigenes Kürbiskernöl oder veredeln Fleisch von Wild aus der eigenen Jagd. Das neueste Produkt ist die eigene Brot- und Gebäcklinie. Wir können dem Konsumenten volle Transparenz bieten. Ich kann Ihnen genau sagen, von welchem Feld welches Getreide für das fertige Produkt stammt. Das ist ein Vorteil in Zeiten, wo viele Konsumentenverunsichert sind, weil sie x-fach betrogen wurden. Alle eigenen Flächen werden außer- dem biologisch bewirtschaftet. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.

TOP-GEWINN: Der Konsument hat immer das romantische Bild vom kleinen Biobauern mit drei Schweinen im Kopf. Die Esterházy-Gruppe entspricht als einer der größten Landwirte Österreichs diesem Klischee überhaupt nicht.

GRÜN: Das Thema Bio ist stark mit Ressourceneinsatz verbunden. Unser Maschineneinsatz ist viel geringer als der eines Kleinbetriebs. Einerseits wegen größerer Maschinen, andererseits weil wir jeden Arbeitsgang genau kalkulieren, ob er sich rechnet. Die Größe zwingt uns zur Effizienz. Der Treibstoffeinsatz ist daher deutlich geringer. Der zweite Bereich ist die Größe der Felder: Für uns ist biologische Bewirtschaftung erst ab Flächen von 150 Hektar glaubhaft. Durch den Wind werden z. B. immer wieder Spritzmittel von konventionell bewirtschafteten Feldern auf Biofelder geweht. Bei großen Einheiten beschränkt sich diese sogenannte Seitendrift auf die Randflächen. Solche Themen müssen erst beim Konsumenten ankommen. 

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