Der Weg zum privaten Sonnenkraftwerk

8,5 Millionen Euro Fördergeld stehen heuer für die Installation von Photovoltaikanlagen bereit. Was Sie bei der Planung Ihres privaten Sonnenkraftwerks beachten müssen und wie viel die Anlagen kosten.

Wer rechtzeitig zu den Sommermonaten sein Sonnenkraftwerk auf dem Hausdach in Betrieb nehmen möchte, sollte jetzt mit den Planungen beginnen. Ein guter Zeitpunkt, denn seit rund einem Monat kann man auch wieder um eine Förderung für private Anlagen ansuchen. 

Vor dem Förderansuchen sollte man allerdings schon genau wissen, welche Anlage man sich überhaupt aufs Dach schrauben möchte. Die Anlage muss bereits fix und fertig geplant sein, um das Fördergeld reservieren zu können. 

GEWINN hat gemeinsam mit Photovoltaikexperten die wichtigsten Fragen beantwortet, die sich bei der Auswahl des hauseigenen Sonnenkraftwerks stellen.

Wie groß soll die Anlage für mein Haus sein? Was kostet eine solche Anlage?

Ein Durchschnittshaushalt verbraucht rund 3.500 bis 4.500 kWh pro Jahr. Eine fünf kWp-Anlage – die Obergrenze für die Bundesförderung – produziert unter guten Bedingungen etwa 5.000 kWh pro Jahr. Der genaue Ertrag hängt von Faktoren wie Ausrichtung, Dachneigung oder Beschattung ab. 

Die Anlage muss aber nicht unbedingt den Jahresverbrauch der ganzen Familie 1:1 abdecken. Die Eigenversorgung ist sowieso nur rein rechnerisch gegeben. Schließlich verbraucht man auch dann Strom, wenn die Anlage keinen produziert, etwa in den Nachtstunden. Je größer die Anlage dimensioniert ist, desto mehr Strom wird als Überschuss in das Netz eingespeist. 

„Das optimale Verhältnis zwischen Stromproduktion und eigenem Verbrauch wird bei einem Durchschnittshaushalt bei ca. 3,6 kWp erzielt“, rechnet Jürgen Weingartner, Sonnenstromexperte bei der niederösterreichischen EVN. 

Wer die Förderung voll ausnutzt und fünf kWp installiert, macht aber auch nichts falsch, meint Markus König vom Photovoltaikhändler Suntastic Solar: „Fixkosten wie die Stromleitung vom Dach in den Keller fallen bei einer Drei-kWp-Anlage genauso an wie bei einer Fünf-kWp-Anlage. In Zukunft wird man den selbstproduzierten Strom speichern und es kommen Themen wie Elektromobilität, die für eine größere Anlage sprechen.“ Für eine Fünf-kWp-Anlage müsse man nach Abzug der Förderung mit ca. 10.000 bis 12.000 Euro inklusive Installation rechnen, so König. Nach einem massiven Preisverfall in den letzten Jahren sind die Preise mittlerweile stabil. „Extreme Preissenkungen wie in der Vergangenheit wird es nicht mehr geben“, meint Weingartner.

Kann man die Anlage auf jedem Haus installieren? Braucht man ein südseitiges Dach? 

„Es gibt fast keine Dächer mehr, auf die man keine Photovoltaikanlage installieren kann. Die Qualität der Anlagen hat sich verbessert, sie holen auch bei nicht ganz optimalen Bedingungen mehr Ertrag raus“, sagt EVN-Experte Weingartner. Limitierend ist manchmal der Zustand des Daches: Steht in den nächsten Jahren eine Dachsanierung an, sollte diese vorgezogen werden. Schließlich haben die Module eine Lebensdauer von 25 Jahren und müssten sonst nach einigen Jahren wieder vom Dach geschraubt werden. 

Für ein kWp benötigt man eine Dachfläche von sechs bis sieben Quad­ratmetern. „Fünf kWp gehen sich im Normalfall auf einem Dach aus. Bei Reihenhäusern, die schon eine Solaranlage und eine SAT-Schüssel am Dach haben, kann es manchmal knapp werden“, so König. 

Den höchsten Ertrag schaffen südseitig ausgerichtete Anlagen mit 30 Grad Dachneigung. Die heißesten Sommertage sind laut Weingartner übrigens nicht immer die ertragreichsten: „Das Modul wird bis zu 65 Grad heiß, dann sinkt der Wirkungsgrad. Für optimale Bedingungen reicht auch ein klarer Wintertag mit fünf bis zehn Grad.“ 

Eine südseitige Ausrichtung ist aber keine Voraussetzung. Der Trend gehe zu Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung, beobachtet König: „Der Ertrag liegt zwar um rund 15 Prozent unter der südseitigen Anlage, dafür habe ich statt einer Mittagsspitze zwei Produktionsspitzen am Morgen und am Abend. Genau dann, wenn im Haus der meiste Strom verbraucht wird. Dadurch steigt der Eigennutzungsgrad.“

Wie kann man möglichst viel des eigenen Stroms verbrauchen? Warum ist das wirtschaftlich?

Der durchschnittliche Eigennutzungsgrad liegt bei 30 Prozent. Der Rest des selbstproduzierten Stroms wird in das Netz eingespeist. Je mehr eigenen Strom man selbst verbraucht, desto wirtschaftlicher. Für den Strom, den man aus dem Netz bezieht, zahlt ein österreichischer Haushalt etwa 20 Cent pro kWh. Die Einspeisetarife liegen deutlich niedriger. Fünf bis acht Cent sind ein üblicher Wert. 

„Mit ein paar ganz kleinen Tipps lässt sich der Selbstversorgungsgrad aber erhöhen“, empfiehlt Weingartner. „Zum Beispiel wenn man große Stromverbraucher wie die Waschmaschine mittels Zeitschaltuhr gleichzeitig mit der Ertragsspitze der Photovoltaikanlage einschaltet.“ Hilfreich ist auch, wenn die Ertragsspitzen in Wärme umgewandelt werden können. Etwa um mittels eines Elektroheizstabs den Warmwassertank aufzuheizen oder­ eine Wärmepumpe zu betreiben. „Da-für gibt es mittlerweile smarte Steuerungen, die Geräte und Photovoltaik­anlage koppeln“, so Suntastic-Solar-Gründer König, der beobachtet, dass Hausbesitzer ihr Stromnutzungsverhalten automatisch ändern würden: „Wer eine Anlage auf dem Dach hat, startet die Waschmaschine nicht mehr in der Nacht, sondern um zwölf Uhr Mittags.“

Was kosten Stromspeicher? Zahlt sich das schon aus?

Wer nicht darüber nachdenken will, wann er die Waschmaschine startet oder das Backrohr erst nach Sonnenuntergang mit eigenem Strom aufheizen möchte, sollte über einen Stromspeicher nachdenken. „Ohne mein Verbrauchsverhalten zu ändern, kann der Speicher den Eigenversorgungsgrad auf 60 bis 65 Prozent anheben“, so EVN-Mann Weingartner. Das funktioniert, indem der zu Ertragsspitzen erzeugte Strom gespeichert und zu den Verbrauchsspitzen, vor allem am Abend, wieder abgegeben wird. Netter Nebeneffekt: Bei einem Stromausfall laufen wichtige Verbraucher wie das Tiefkühlgerät weiter. 

Das Problem: Speicherlösungen sind noch relativ teuer. Die von ­GEWINN befragten Experten waren sich einig, dass sich ein Speicher rein wirtschaftlich noch nicht rechnet. Im Vordergrund steht derzeit die unabhängige Stromversorgung. Das könnte sich aber bald ändern: „Ich erwarte, dass ähnlich wie bei Photovoltaik auch bei den Speichern die Preise mit steigender Nachfrage deutlich sinken werden“, meint König.  

Der Markt ist schon jetzt in Bewegung. Nun steigt auch der amerikanische Elektroautobauer Tesla in den Speichermarkt für Privatkunden ein. Seine Power Wall kommt als Designobjekt für die Wohnzimmerwand daher. In Österreich ist die Power Wall über Stromversorger Verbund erhältlich. Im Mai sollen die ersten Anlagen ausgeliefert werden. Kosten: 9.900 Euro. Laut Verbund liegt der Preis um 20 bis 30 Prozent unter vergleichbaren Produkten. Der Speicher fasst sieben kWh. Das reicht, um einen Haushalt einen halben Tag mit Strom zu versorgen. 

Schon jetzt erhältlich und in der Praxis bewährt haben sich die Speicher­lösungen des heimischen Paradeunternehmens Fronius. Die EVN bietet einen 4,5-kWh-Speicher um rund 13.000 Euro an. 

Die angegebene Speicherkapazität kann jedoch nie voll ausgeschöpft werden, da sich der Speicher nie ganz entlädt. Außerdem sollte man auf die Haltbarkeit des Speichers achten. „Das Fronius-Modell ist eine Lithium-Eisenphosphat-Lösung. Das hält 8.000 Vollladezyklen. Günstige Bleilösungen schaffen nur 3.000 bis 4.000 Zyklen. Pro Jahr benötigt ein Haushalt etwa 250 Zyklen“, so Weingartner. 

Gibt es eigene Förderungen für Speicher?

Ja, aber nicht in allen Bundesländern. Die Fördersituation kann sich freilich rasch ändern. Derzeit werden Speicher in Wien, dem Burgenland, der Steiermark, Kärnten und Salzburg gefördert. So erhält man z. B. in Salzburg 600 Euro Zuschuss je kWh Speicherkapazität (max. sechs kWh). Alle Infos zu Förderungen auf www.pvaustria.at

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