„Die Milliarde schreckt mich nicht“

Der Innsbrucker Immobilienentwickler Markus Schafferer über Vergleiche mit René Benko, seine weiteren Hochhauspläne für die Tiroler Hauptstadt und die Expansion auf dem Wiener Markt.

Pema-Gründer Markus Schafferer: „Wir sind der größte Entwickler von Gewerbe­immobilien in Innsbruck.” (Foto: Pema)

GEWINN: Innsbrucker, Quereinsteiger in die Immobilienbranche, Gründung des eigenen Unternehmens mit 27, kurz darauf ein Hochhausprojekt in Innsbruck – das erste seit 50 Jahren. Der Vergleich mit dem um ein Jahr älteren René Benko drängt sich auf. Nervt Sie das oder sehen Sie es als Kompliment, als der nächste Benko zu gelten?

Schafferer: (Lacht) Nein, in Österreich gibt es sehr viele Marktbegleiter, die tolle und weniger tolle Sachen machen. Punkt. 

GEWINN: Wie groß ist Pema, wie viel Projektvolumen haben Sie seit der Gründung 2005 realisiert?

Schafferer: In Summe sicher 500 bis 600 Millionen Euro.

GEWINN: 2013 war Ihr ambitioniertes Ziel eine Milliarde Euro Projektvolumen für die nächsten fünf Jahre. Wie lautet die Zwischenbilanz drei Jahre später?

Schafferer: Wir haben schon einiges realisiert. In Innsbruck sind wir der größte private Entwickler von Gewerbeimmobilien. Neben dem erwähnten ersten Turm Headline mit knapp 100 Millionen Euro Verkehrswert bauen wir gerade am Turm P2 mit etwa 65 Millionen Euro Projektvolumen. Dort wird auf 4.000 Quadratmetern die Stadtbibliothek Innsbruck einziehen und darüber entstehen 173 Studentenwohnungen. Wir sind derzeit auch dabei, den Architekturwettbewerb für den P3, unseren dritten Turm am Innsbrucker Hauptbahnhof-Areal, durchzuführen. Das sind weitere 50 Millionen Euro Volumen. Geplant ist ein Hotel mit 300 Zimmern. Wir sind bereits mit Motel One unterschriftsreif. Weiters haben wir vor 1,5 Jahren den PORR- Tower in Wien gekauft. Dazu kommen einige sehr konkrete Entwicklungsprojekte in Wien, wo wir dran sind, die ich aber noch nicht nennen kann. Die Milliarde schreckt mich nach wie vor nicht. Ziehen wir nach fünf Jahren Bilanz. 

GEWINN: Wie finanzieren Sie diese Expansion? Bisher gab es von Pema keine großen Verkäufe, die Innbrucker Türme sind weiter in Ihrem Eigentum. 

Schafferer: Bisher lag unser Eigenkapitalanteil bei 30 bis 40 Prozent, der Rest wird fremdfinanziert. Wir haben z. B. für den Turm Headline mit der Erste Group eine Anleihe über 52,8 Millionen Euro erfolgreich platziert. Das war unser Erstauftritt auf dem Kapitalmarkt. Falls wir in diese Richtung gehen wollen, haben wir Erfahrung. Die Pema-Gruppe gehört aber zu 100 Prozent mir allein. Es sind keine Fonds oder andere Investoren beteiligt. Es ist wirklich mein Geld. 

GEWINN: Sie haben allerdings vermögende österreichische und Südtiroler Unternehmer an Bord. Laut Firmenbuch ist die Familie Koch – ehemals Eigentümer der Kika-Leiner-Möbelmärkte – bei Projekten beteiligt. Und mit der Südtiroler Holzbaudynastie Rubner halten Sie gemeinsam die Anteile am Factory Outlet Center Brenner. 

Schafferer: Das stimmt, wir machen einige Projekte gemeinsam mit der Stiftung der Familie Koch. Die Familie Rubner ist bis auf das Factory Outlet Center komplett draußen. Rubner und auch die Südtiroler Volksbank waren früher in Pema-Gesellschaften mit bis zu 70 Millionen Euro Eigenkapital investiert. Das ist mittlerweile alles abgeschichtet. 

GEWINN: Sie entwickeln Immobilien gerne für das eigene Portfolio, anstatt die Häuser schnell weiterzuverkaufen. Die meisten Entwickler trennen sich rasch von Immobilien.

Schafferer: Die Entwicklungsprojekte dauern einige Jahre, bis sie Einnahmen bringen. Das eigene Portfolio ist eine Ergänzung, um laufend Cashflow zu generieren. Wir schließen aber keine Verkäufe aus, sind flexibel, wenn es der Entwicklung von Pema hilft. 

GEWINN: Ihren prominentesten Kauf in Wien, den PORR-Tower, haben Sie aber schon wieder abgegeben? Die Besitzgesellschaft steht mittlerweile zu 100 Prozent im Eigentum der Familie Koch.

Schafferer: Wie Sie dem Firmenbuch entnehmen können, bin ich nicht mehr beteiligt. Es gibt einfach Immobilien, die man schneller abgibt, andere behalten wir langfristig. 

GEWINN: Im Vorjahr gab es das Gerücht, dass Sie an Teilen der zum Verkauf stehenden Bank-Austria-Immobilien-Töchter interessiert sind. Im Verkauf wären auch einige große Entwicklungsliegenschaften inkludiert gewesen. Ist das noch aktuell?

Schafferer: Zu Gerüchten kann ich generell nichts sagen, die machen andere, und zu Plänen sage ich erst etwas, wenn wir sie abgeschlossen haben. 

GEWINN: Ganz am Anfang Ihrer Karriere, 2006, wollten Sie schon einmal ein großes Projekt in Wien bzw. an der Stadtgrenze angehen. Bei der Shopping City Süd sollte der 165 Meter hohe Süd-Tower entstehen. Das scheiterte an der Bauordnung. Sind Sie angesichts des schwierigen Büromarkts froh, dass der Turm nie gebaut wurde?

Schafferer: Nein, überhaupt nicht. Das wäre damals einer der höchsten Bürotürme Österreichs geworden. 2006 war eine sehr heiße Phase auf dem Immobilienmarkt. Wir hatten schon Abnehmer und Mieter für das Projekt. Deshalb tut es mir sehr leid für die Entwicklung der Pema. 

GEWINN: Aber einen 165-Meter-Turm am Stadtrand würden Sie heute nicht mehr hochziehen?

Schafferer: Wer weiß. Wenn es ein Projekt ist, das mir gefällt, kann ich mir das vorstellen. Auch von der Lage ist alles vorstellbar.

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