„Es gibt nichts Besseres als Immobilien“

Die Geschwister Gabriela Lemberger und Burkhard Ernst leiten mit der Rainer-Gruppe nicht nur den größten Mazda-Händler des Landes, sondern zählen auch zu den größten privaten Immobilieninvestoren.

Gabriela Lemberger und Burkhard Ernst suchen auch in der Corona-Krise weiter nach Immobilien für Zukäufe. Die Rainer-Gruppe hat seit den 1970er-Jahren einen Bestand von 1.850 Wohnungen aufgebaut (Foto: Pepo Schuster, autrofocus.at)

GEWINN: Immobilien kamen bisher relativ glimpflich durch die Corona-Krise. Das gilt aber nicht für Hotelimmobilien, von denen Sie neun in Wien, Wels, München und Berlin besitzen und teilweise selbst betreiben. Wie gut läuft das Geschäft wieder an, wie ist die Buchungslage?
Lemberger: Von unseren neun Hotels haben wir derzeit vier wieder geöffnet. Unsere Häuser sind auf Seminare, Tagungen und Geschäftsreisende ausgelegt. Da ist alles storniert worden, das Geschäft läuft erst langsam wieder an. Unser großer Vorteil in dieser Krise ist, dass wir in so vielen Branchen tätig sind. Hätten wir nur Hotels, wären wir nicht entspannt.

GEWINN: Wie wichtig sind Hotels im gesamten Immobilienportfolio?
Ernst: Sie machen rund 15 Prozent aus. Dazu kommen Gewerbeimmobilien. Der Großteil sind aber Wohnimmobilien. Hier umfasst der Bestand etwa 1.850 Wohnungen und wir bauen laufend neue dazu.

GEWINN: Sie waren zuletzt im Hotelbereich sehr expansiv, erst zum Jahresanfang eröffnete ein neues Haus in Wels. Ist Ihnen die Lust auf neue Hotels in der Krise vergangen?
Ernst: Hotels werden wieder zurückkommen. Wir werden in der nächsten Zeit ein Hotel im 21. Wiener Bezirk umsetzen. Da haben wir schon die Baugenehmigung. Wir haben im ­Süden von Wien an der Triester Straße ein Projekt. Das könnte aber auch betreutes Wohnen werden. Dann gibt es noch ein Projekt in Niederösterreich in Vösendorf, ebenfalls an der Triester Straße und eines in Budapest mit 200 Zimmern, an dem wir schon sehr lange arbeiten.

GEWINN: Glauben Sie, dass wir im Herbst die ersten Notverkäufe von Immobilien sehen werden und sich Chancen für günstige Zukäufe bieten werden?
Ernst: Die Immobilienpreise steigen weiter. Das sehen wir jeden Tag an den Angeboten, die wir bekommen. Alle, die sich an der Börse die Finger verbrannt haben, wollen Betongold. Nicht nur Wohnimmobilien. Auch Büroimmobilien werden weiter gefragt sein. Ich glaube nicht, dass jemand mit zwei kleinen Kindern in einer kleinen Wohnung dauerhaft im Homeoffice arbeiten möchte. Bei Hotels wird es den einen oder anderen Notverkauf geben. Bei anderen Immobilien glaube ich das nicht.
Lemberger: Wir würden aber kein 20-Zimmer-Hotel kaufen, nur weil es günstig ist. Mit unserem Konzept ist ein Hotel erst ab 100 bis 150 Zimmer wirtschaftlich sinnvoll. 

GEWINN: Schon vor Corona warnten einige Immo-Experten vor Preisübertreibungen. Gibt es Immobilienarten, die Sie schon für zu teuer halten?
Ernst: Wir suchen ein Leben lang Zinshäuser. Wir greifen aber nichts unter zwei Prozent Rendite an. Über drei Prozent gibt es in Wahrheit nichts, denn das sind meist Häuser in desaströsem Zustand. Und wir sind nicht diejenigen, die Luxusimmobilien oder Innenstadtpalais kaufen. Von unseren 1.850 Wohnungen befinden sich über 500 im Zehnten Wiener Bezirk.

GEWINN: Haben Sie schon darüber nachgedacht, Ihren Zinshausbestand zu den derzeitigen Spitzenpreisen zu versilbern?
Ernst: Wir überlegen regelmäßig verschiedene Szenarien, aber wir können dem „Versilbern“ nicht viel abgewinnen. Was machen wir dann? Kaufen wir uns ein anderes, teureres Zinshaus mit einer schlechteren Rendite? Das bringt nichts. Die Häuser haben ja teilweise schon unsere Eltern gekauft, zu ganz anderen Einstandspreisen. Mein erstes Zinshaus habe ich 1975 um 500.000 Schilling gekauft. Das ist heute 2,5 Millionen Euro wert und noch immer im Familienbesitz. Für uns gibt es nichts Besseres als Immobilien. Ich kenne zumindest kein nachhaltigeres Geschäft. Das steigt kontinuierlich im Wert, auch wenn die Banken in den 1970er-Jahren gesagt haben: ‚Was wollen Sie mit einem Zinshaus? Das ist alt, schiach und groß und bringt keine Rendite.‘ Wir haben das damals anders gesehen und es war die richtige Entscheidung.
Lemberger: Eine Immobilie wird nur sehr schwer so einen Wertverlust erleiden, wie man es an der Börse erst jetzt wieder gesehen hat. Immobilien sollte man behalten und gut verwalten. Aus strategischen Gründen haben wir unser Portfolio aber auf Wien und Umgebung konzentriert und die Häuser in den Bundesländern über die letzten Jahre verkauft.

GEWINN: Wie passt es zu Ihrer Zinshausvorliebe, dass Sie im Süden von Wien, rund um das Einkaufszentrum SCS, große Grundstücke kaufen?
Lemberger: Das hat sich ergeben. Wir waren auf der Suche nach Grundstücken im Süden von Wien. Mittlerweile sind es 43 Hektar, sogar mit einem eigenen Teich. Wir wollen einige Flächen in drei Etappen zu Wohn- und Gewerbeimmobilien entwickeln und dann verkaufen. Üblicherweise behalten wir aber  die Immobilien. Ein großes Zukunftsprojekt, das wir behalten wollen, ist z. B. der Rainer-Tower am Wiener Matzleinsdorfer Platz, wo in einigen Jahren auch die U-Bahn halten wird.
Ernst: Dort sollen zirka 22.000 Quadratmeter und rund 500 Parkplätze entstehen. Das Gebäude wird 35 Meter hoch. Wir bauen dort ein Hotel, Geschäfte und Wohnungen. Das Projekt befindet sich momentan im Widmungsverfahren und wir hoffen auf einen Baubeginn im kommenden Jahr.

GEWINN: Sie sind aber auch bereit, in Nischen zu investieren. In Flugzeughangars in Wr. Neustadt zum Beispiel . . .
Lemberger: Das ist daraus entstanden, weil mein ältester Sohn Pilot ist und uns auf diese Idee gebracht hat. Sechs Wochen nach der Fertigstellung waren wir voll vermietet. Vielleicht bauen wir sogar noch einen Hangar.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.