Faymann mischt bei Ankerbrotfabrik mit

In wenigen Jahren will Ankerbrot die Fabrik in Favoriten räumen. Das riesige Areal wurde schon jetzt verkauft. ­Ex-Kanzler Faymann und sein früherer Sprecher Matthias Euler-Rolle sind bei den Neo-Eigentümern mit an Bord.

Die Ankerbrotfabrik wurde um 33 Millionen Euro an eine Gesellschaft rund um Immoinvestor Nemat Farrokhnia verkauft. An Farrokhnias Imfarr Beteiligungs GmbH ist auch Werner Faymanns Firma beteiligt (Fotos: BKA/Johannes Zinner, Michael Hetzmannseder)

Im Juni gab Ankerbrot bekannt, dass man in drei bis fünf Jahren einen neuen Standort in Wien-Simmering beziehen wird. Bis dahin wird in der 1893 erbauten Fabrik in Favoriten weiter gebacken. Das sei auch mit dem – nicht genannten – Käufer der Liegenschaft abgesprochen, heißt es von Ankerbrot. Denn gleichzeitig mit der Bekanntgabe der Übersiedlung verkaufte Ankerbrot das 41.500 Quadratmeter große Areal. Die Bä­ckerei, die zum Firmenreich des Sanierers Erhard Grossnigg gehört, hatte die Fabrik erst 2013 von einem Bankenkonsortium zurückgekauft. Nun trennte sie sich für 33,25 Millionen Euro wieder von den teilweise unter Denkmalschutz stehenden Backsteingebäuden.

Neuer Eigentümer ist eine Tochter der Montibus Projektentwicklung aus Wien. Geschäftsführer der Montibus sind Nazli Farrokhnia und Matthias Euler-Rolle. Letzterer war Sprecher von Bundeskanzler Werner Faymann und gründete mit diesem nach dem Ausscheiden aus der Politik die 4pro Projektmanagement- und KommunikationsgmbH. Mit dem Unternehmen ist man im PR- und Immobiliengeschäft aktiv. Die 4pro hält auch einen kleinen Anteil (sechs Prozent) an der Imfarr-Beteiligungs GmbH von Nemat Farrokhnia. Und Imfarr ist wiederum der größte Ge­sellschafter des neuen Ankerbrotfabrik-Eigentümers Mon­tibus.

Zu den Plänen, was mit der Fabrik nach dem Auszug von Anker passieren soll, gibt sich Euler-Roller zugeknöpft: „Ich kann dazu noch gar nichts sagen, außer dass Ankerbrot noch einige Jahre am Standort bleiben wird und es viele Möglichkeiten für die Liegenschaft gibt.“ Ob es sich dabei um eine Umnutzung von Gewerbe auf Wohnen handeln könnte, wollte Euler-Rolle nicht kommentieren. Ein benachbarter, nicht mehr von Anker genutzter Teil des Areals wurde schon vor Jahren verkauft und wird heute von Kunst- und Bildungseinrichtungen genutzt.

Für Geschäftspartner Nemat Farrokhnia – Sohn eines früheren Strabag-Vorstands – wäre es nicht das ­erste große Immobilienprojekt. Neben zwei Ringstraßenpalais und dem Delkahof auf der Mariahilfer Straße kaufte er im Vorjahr auch die Gebäude der früheren Bank-Austria-Zentrale in der Lassallestraße.

Wlaschek-Stiftung kauft weiter

In der September-Ausgabe berichtete GEWINN exklusiv über den Verkauf eines Zinshauspakets im Wert von rund 220 Millionen Euro durch JP Immobilien. Käufer war die Stiftung des verstorbenen Billa-Gründers Karl Wlaschek. Diese setzte kurz darauf ihre Einkaufstour fort und investierte nochmal 25,5 Millionen Euro. Diesmal erstand sie von einer Tochtergesellschaft von Winegg, selbst einer der größten Wiener Zinshausinvestoren, ein großes Zinshausensemble in der Weimarer Straße im 18. Wiener Bezirk. Das Objekt entspricht den hohen Qualitätsansprüchen der Wlaschek-Stiftung, handelt es sich doch um ein U-förmig um einen Innenhof angeordnetes, renoviertes Jugendstilgebäude in bester Währinger Lage.

Russen trennen sich von Hotel Strudlhof

Direkt neben der literarisch zu Weltruhm gelangten Strudlhofstiege liegt das Hotel Strudlhof im Neunten Wiener Bezirk. Steigt man die Stiege hinauf, gelangt man in die Strudlhofgasse und sieht auf der linken Seite ein herrschaftliches Palais, das vom Hotel als Konferenzzentrum mitbespielt wird. Beide Liegenschaften standen im Eigentum eines russischen Unternehmers, Sohn eines bekannten Moskauer Stadtpolitikers aus der Partei von Präsident Putin. Der Russe, der auch Hotels in Tirol besitzt, trennte sich nun für 25 Millionen Euro von den Wiener Häusern, die auf über 5.500 Quadratmeter Grund in Innenstadtnähe stehen. Käufer war der Innsbrucker Immobilienentwickler Vision Estate. Laut Kaufvertrag soll der Hotelbetrieb binnen drei Monaten nach Eintragung in das Grundbuch enden, um das in die Jahre gekommene Hotelgebäude um- oder neubauen zu können.

Zwölf-Apostel-Keller-Haus verkauft

Nur wenige Gehminuten vom Stephansplatz entfernt befindet sich das Hildebrandt-Haus in der Sonnenfelsgasse. Das im Kern gotische Haus mit der barocken Fassade beherbergt auch den Stadtheurigen Zwölf-Apos­tel-Keller. Seit 2007 stand es im Eigentum des Immobilieninvestors Thomas Levenitschnig. Im Juni verkaufte dieser das denkmalgeschützte Gebäude für 17 Millionen Euro an eine Gesellschaft der beiden Wiener Zinshausentwickler Jakob Bleckmann und Klaus Fischer.

Stift Klosterneuburg schlägt im 22. Bezirk zu

Das Chorherrenstift Klosterneuburg gehört zu den größten Grundbesitzern in Transdanubien – in den Wiener Bezirken 21 und 22. Und die Ordensleute erweitern ihr Immobilienreich immer wieder, vor allem durch Zukäufe in den beiden Bezirken sowie in Klosterneuburg. Dabei stehen nicht prunkvolle Zinshäuser im Fokus, sondern Baugrundstücke oder Gewerbeimmobilien. So kauften die Chorherren im Juni eine 11.000 Quadratmeter große Betriebsliegenschaft in der Puchgasse im 22. Bezirk. Verkäufer waren für 4,6 Millionen Euro zwei Unternehmer, die die Immobilie noch bis 2020 mieten wollen. Die Lage hat jedenfalls Potenzial, sind es doch nur wenige Gehminuten zur U1-Station Aderklaaer Straße und zum Wohn- und Einkaufszentrum Citygate.

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