„Habe nur dreimal mit Immobilien verloren“

Warum conwert-Gründer Günter Kerbler das höchste Holzhaus der Welt bauen will, Tauben in der Regenrinne die Rendite drücken und was es mit dem Kauf von André Hellers Villa auf sich hat.

(Foto: Kerbler Holding/STARSANDPICTURES; curt themessl)

TOP-GEWINN: Sie gelten als einer der besten Zinshauskenner des Landes. Angenommen ich mache eine große Erbschaft von 1,5 Millionen Euro und möchte mir darum ein Zinshaus in Wien kaufen. Was raten Sie mir?

Kerbler: Um 1,5 Millionen Euro wird das eher eine üble Hütte irgendwo an der Peripherie. Wenn das fix und fertig sein und nur noch Rendite abwerfen soll, brauche ich schon das Doppelte. Genau dieser Markt ist aber stark umkämpft. Da sind die meisten Käufer unterwegs. Deshalb werden dort Preise gezahlt, wo ich manchmal schon frage, wie sich das ausgeht.

TOP-GEWINN: Also besser außerhalb Wiens investieren? Sie besitzen auch Immobilien in Ihrer Waldviertler Heimatstadt Horn.

Kerbler: In kleineren Städten wie Horn kauft man nur aus Heimatliebe. Dort wird um sechs Uhr der Gehsteig hochgeklappt. Ich habe in meinem Leben dreimal mit Immobilien verloren. Zweimal hat’s mich in Ungarn erwischt und einmal in Steyr.

TOP-GEWINN: Was mache ich dann mit den 1,5 Millionen Euro?

Kerbler: (lacht) Schieben Sie sie rüber, mir fällt schon was ein. 

TOP-GEWINN: Warum kaufen Sie dann selbst noch große Zinshausbestände in Wien? Im Vorjahr haben Sie mit Partnern ein ganzes Paket mit 32 Häusern erworben. 

Kerbler: Von dem Paket haben wir keine zehn Häuser mehr. Wer genug Geld hat, kauft ein ganzes Haus zur Vermögenssicherung. Wenn ich damit verdienen will, muss ich das Haus parifizieren und die Wohnungen einzeln abverkaufen. Dann bleiben zwei bis drei Prozent Rendite übrig. 

TOP-GEWINN: Nicht mehr?

Kerbler: Die Rendite ist in Wahrheit immer niedriger als ursprünglich angenommen. Da fliegt ein Ziegel vom Dach, dort bleibt eine Taube in der Regenrinne stecken. Alles schon erlebt. In jedes Haus muss man was reinste­cken. Ein Prozent Rendite ist schnell wieder weg. 

TOP-GEWINN: Würde der Aufbau eines großen Portfolios aus mehreren hundert Häusern wie damals bei der conwert heute noch funktionieren?

Kerbler: Wir haben in den letzten drei Jahren ein Volumen von 500 Millionen Euro aufgebaut. Da waren auch Hotels dabei. Es kommt schon immer wieder was auf den Markt. Man kann genug kaufen. Bei vielen Häusern sind die Preise aber so hoch, dass mir nichts mehr einfällt, wie man damit noch Geld verdienen soll. 

TOP-GEWINN: Wie kommt es, dass Sie als Zinshausprofi nächstes Jahr das mit 84 Meter höchste Holzhaus der Welt in der Seestadt Aspern um 60 Millionen Euro auf das ehemalige Flugfeld bauen wollen? 

Kerbler: Mein Hauptgeschäft ist die Immobilie, egal ob Altbau oder Holzhaus. Zum Hochhausprojekt bin ich aber gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe mich in der Seestadt um ein paar Baufelder für Wohnbau bemüht und habe letztendlich jene für Gewerbe bekommen. Wir haben dann überlegt, was wir dort machen könnten. Beim großvolumigen Holzbau passiert derzeit wahnsinnig viel und ein bisschen grün angehaucht bin ich auch. Wir planen im Turm eine Mischung aus Hotel, Beauty und Fitness und ganz oben Apartments für Leute, die nur drei bis vier Monate in Wien sind. 

TOP-GEWINN: Viele sind beim Standort Seestadt skeptisch, ob er funktionieren wird.

Kerbler: Ich glaube hundertprozentig an den Standort. Es freut mich, dass die Gemeinde und alle Beteiligten ernsthaft daran arbeiten, dass dort eine neue Stadt entsteht und keine zweite Großfeldsiedlung. Das Marketing ist gut, auch die Architektur. Für ein Bürogebäude neben dem Turm mit 10.000 Quadratmetern haben wir schon den Mieter und beginnen im Frühjahr mit dem Bau. 

TOP-GEWINN: Haben Sie vom Holzbau nach Ihren Erfahrungen bei Griffner-Haus nicht genug? Dort waren Sie beteiligt, die Firma schlitterte in die Pleite. 

Kerbler: Das ist eine andere Geschichte. Das Problem war nicht der Holzbau, sondern die handelnden Personen. Was ich gelernt habe: Ich kaufe nur noch Firmen aus einem Konkurs. Da weiß ich, das kostet so und so viel und wenn es schiefgeht, bin ich selbst schuld. 

TOP-GEWINN: Die Übernahme von Griffner nach der Pleite hat nicht geklappt, nun sind Sie an Schachner- und Wigo-Haus beteiligt. Die Fertighausbranche ist kein leichtes ­Geschäft.

Kerbler: Bei Wigo ist mein Plan, die Firma verstärkt mit Eigenprojekten auszulasten. So wollen wir am Gelände des früheren Hotel Caruso in Baden mehrere Stadtvillen bauen. Das würde Wigo für ein Jahr auslasten. In der Seestadt wird Wigo vermutlich weniger machen, weil es für den Holzhochhausbau andere Spezialisten gibt.

TOP-GEWINN: Reizen Sie einfach Investments abseits des Zinshauses? Sie haben schon Erfahrung in der Gastronomie, mit Medien, mit Kinos, Möbelherstellern, Landwirtschaft in Rumänien, Hotels in der Dominikanischen Republik. . . 

Kerbler: Ich habe immer etwas probiert. Sogar Algenzucht. Hat nicht funktioniert. Ich war bei der Arbeiterzeitung beteiligt, von der Stadtzeitung Falter haben mir teilweise drei Viertel gehört. In Rumänien hatte ich ein paar tausend Hektar Landwirtschaft. Die Äcker habe ich alle wieder verkauft. Das war ein gutes Geschäft. In der Dominikanischen Republik gehört mir die Hälfte von einem 3.500-Betten-Hotel. Das läuft mittlerweile super, ist rein auf den amerikanischen Markt ausgerichtet. Auch dort denke ich darüber nach, wie lange mich das Rüberfliegen noch freut. Leider hatte ich oft eine schlechte Hand bei Personalentscheidungen. So wie beim Möbelhersteller Gruber & Schlager. 

TOP-GEWINN: Gehören Pleiten und Scheitern dazu?

Kerbler: Ja, aber meine Familie bittet mich, solche Beteiligungen in Zukunft zu unterlassen. 

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.