Schneeräumung: Zeit zum Aufräumen

Wann muss der Gehsteig geräumt werden, wer darf Dachlawinen beseitigen und wie teuer ist ein privater Winterdienst? Worauf Hausbesitzer bei der Beseitigung von Eis und Schnee aufpassen müssen.

Wer den Winterdienst an ein Unternehmen auslagert, gibt damit auch das Haftungsrisiko ab. Vorausgesetzt, man hat ein seriöses ­Unternehmen ­beauftragt (Foto: Attensam/www.martinsteiger.at)

„Eine Winterdienstfirma zahlt sich für mich nicht aus. Es schneit immer weniger. Dann stehe ich halt ein paar mal früher auf und schaufle den Schnee weg. Ich bin gerne draußen.“ Harald S. ist Einfamilienhausbesitzer in Wien und hat sich für die günstigste Variante entschieden: Er räumt und streut den Gehsteig vor seinem Haus selbst.

Wer lieber länger im Bett bleibt, ruft bei Michael Hackl an. Beim Winterdienstleiter der österreichweit tätigen Hausbetreuung Attensam laufen schon seit August die Planungen für die Wintersaison. Wobei ihm Schnee die wenigsten Sorgen bereitet: „Schnee ist super. Den sehen Sie und räumen ihn weg. Es gibt aber häufiger Witterungen, die man schwerer einschätzen kann. Es regnet, der Regen gefriert vielleicht zu Glatteis, vielleicht ist es aber auch kurz darauf wieder trocken.“ Für eine durchschnittliche Immobilie in Ostösterreich mussten Hackls Mitarbeiter im letzten Jahr zu 27 Winterdiensteinsätzen ausrücken. Wobei an einem Tag bis zu drei Einsätze stattfinden: von Räumen bis Streuen, Streugut einkehren.

Egal, ob Sie die Schneeräumung selbst übernehmen, an eine Winterdienstfirma vergeben oder noch unentschlossen sind: Diese Fragen sollten sich Hausbesitzer stellen, bevor der ers­te Schnee fällt. GEWINN liefert mit Experten die Antworten

Wie oft und in welchem Zeitraum muss ich bei Schnee und Glatteis den Gehsteig räumen und streuen?

Hausbesitzer müssen den öffentlichen Gehsteig vor ihrem Haus in der Zeit von sechs bis 22 Uhr von Eis und Schnee befreien und bestreuen. Das besagt die Straßenverkehrsordnung.

Freilich muss der Hausbesitzer nicht den ganzen Tag von sechs bis 22 Uhr mit Schneeschaufel und Salzstreuer auf dem Gehsteig verbringen und jede neue Schneeflocke sofort entfernen. „Im Gesetz gibt es eine Zumutbarkeitsgrenze“, so Rechtsanwalt Georg Belihart. Sich erfolgreich darauf auszureden, wenn ein Passant zu Sturz kommt, ist allerdings die Ausnahme. „Die Zumutbarkeit für den Eigentümer wird nur in sehr seltenen Fällen überschritten. Vorstellbar wäre z. B. ein extremer Eisregen, der Streusalz wegwäscht und Splitt überfriert. Ansonsten heißt es: Wenn räumen und streuen etwas bringt, muss ich das auch regelmäßig tun. Wenn ich in der Früh räume, dann in die Arbeit fahre und erst am Abend wieder streue, wird das zu wenig sein, wenn in der Zwischenzeit etwas passiert“, so der Anwalt. Dasselbe gilt für den professionellen Winterdienst. Dieser kann natürlich nicht überall gleichzeitig sein. Das ist allerdings kein Freibrief, um erst viele Stunden nach dem Beginn des Schneefalls aufzutauchen.

Welche Fläche muss geräumt werden?

Zwei Drittel des Gehsteigs müssen geräumt und bestreut werden, der Rest dient zur Schneeablage. Gehsteige mit weniger als 1,5 Meter Breite müssen vollständig geräumt werden. Befindet sich kein Gehsteig vor dem Haus, muss der Straßenrand oder eine Grünfläche in der Breite von einem Meter entlang der Häuserfront geräumt werden.

Mit welchen Kosten muss ich bei der Vergabe an einen Winterdienstanbieter rechnen?

Die meisten Anbieter verkaufen Pakete, mit denen die kalte Jahreszeit zwischen Anfang November bis Ende März oder Mitte April abgedeckt wird. Je nach Schneehäufigkeit und Höhenlage gibt es Preisunterschiede. Bei Attensam, neben dem Maschinenring Marktführer im Bereich Winterdienst, kostet ein Basispaket für ein durchschnittliches Haus mit 20 Meter Gehsteiglänge und 1,5 Meter Breite in einem Wiener Innenstadtbezirk 360 Euro. In einem Außenbezirk mit höheren Lagen wie dem 14. beträgt der Preis hingegen 432 Euro. Im schneereichen Salzburger Pinzgau verrechnet Attensam rund 500 Euro. Andere Anbieter wie die traditionsreiche Hausbetreuung Reiwag, die unter anderem in Wien, Graz und Salzburg aktiv ist, machen zwischen den Städten keinen Preisunterschied. „Alle Flächen, die händisch zu räumen sind, erhöhen den Preis. Die Preisspanne liegt in den meisten Fällen zwischen drei und sechs Euro pro Quadratmeter und Saison. Ein klassisches Zinshaus hat meist 30 bis 40 Quadratmeter Gehsteigfläche, dazu kommen oft noch Innenhofflächen und Garageneinfahrten“, sagt Verkaufsleiter Alexander Fischer. Bei Reiwag betreut man allerdings keine Privatkunden mit Einfamilienhäusern, sondern arbeitet nur mit großen Immobilienbesitzern und Hausverwaltungen zusammen.

Wer ist für den Winter­dienst bei Mehr­parteien­häusern verantwortlich?

In Mehrparteienhäusern fällt die Beauftragung des Winterdiensts unter die Tätigkeiten der ordentlichen Hausverwaltung. Das heißt, die Verwaltung muss dafür nicht extra die Eigentümer abstimmen lassen, sondern kann von sich aus einen kompetenten – nicht verpflichtend den billigsten – Anbieter auswählen und bekommt in der Regel auch bessere Preise als private Hausbesitzer.

Kann ich den Winterdienst nur in schneereichen Monaten beauftragen, um Geld zu sparen?

Kunden können einen Winterdienst zwar auch erst im Jänner, Februar oder März beauftragen, wenn die Wahrscheinlichkeit für Schneefall am größten ist, billiger wird es dadurch aber nicht. „Bei uns ist die gesamte Saison zu bezahlen. Wir müssen ja auch Personal, Maschinen und Material den gesamten Winter bereitstellen“, erklärt Winterdienstleister Hackl von Attensam. Es kann sogar passieren, dass der Preis während der Saison noch steigt, wenn der Neukunde schlecht in die Routenplanung der Schneeräumer passt. Auch bei Mitbewerber Reiwag können sich Kunden nicht die Rosinen, sprich: die kältesten Monate, herauspicken. „Das ist wie bei einer Versicherung. Die kann ich auch nicht abschließen, wenn der Schaden schon absehbar ist“, so Verkaufschef Fischer.

Zwar gibt es auch die Möglichkeit, einen Winterdienst z. B. während des eigenen Skiurlaubs tage- oder wochenweise zu beauftragen, groß ist die Ersparnis dabei aber nicht. Angenommen, ich möchte am 1.  Jänner garantiert ausschlafen und beauftrage einen Winterdienst für einen Tag. Attensam verrechnet für das vorhin beschriebene Beispielhaus im 14. Wiener Bezirk mit 20 Meter Gehsteiglänge 216 Euro. Für zwei Wochen Urlaubsvertretung werden 228 Euro fällig. Zum Vergleich: Die ganze Saison hätte 432 Euro ge­kostet.

Kümmert sich der beauftragte Winterdienst auch um Dachlawinen?

Nein. Ein herkömmlicher Winterdienst darf nicht auf das verschneite Dach steigen. Dafür muss der Eigentümer einen Spengler oder Dachdecker beauftragen, der Schneewechten oder Eiszapfen entfernt. Die Winterdienste beschränken sich meistens auf das Aufstellen von Warnstangen. Diese dienen allerdings – wie der Namen schon sagt – nur zur Warnung. Sollte jemand dennoch von einer Lawine oder einer Eisplatte getroffen und verletzt werden, ist der Eigentümer mit dem Hinweis, er habe ja die Stangen aufgestellt, nicht aus dem Schneider. Die Stangen geben dem Eigentümer nur Zeit, sich einen Profi zu organisieren, der die Dachlawinen entfernt.

Welche Strafen drohen, wenn nicht ordentlich geräumt wird?

„Einen nicht geräumten oder vereisten Weg kann jeder anzeigen, der gerade durchgeht. In Zeiten des Smartphones wird gleich das Beweisfoto dazu geliefert. Dann drohen bis zu 72 Euro Strafe“, sagt Anwalt Belihart, schränkt aber ein: „In der Regel kommt es erst zu Strafen, wenn sich jemand verletzt.“ Dann wird es allerdings richtig unangenehm. „Da ist man schnell bei Zehntausenden Euro Schadenersatz, vor allem wenn Spät- oder Dauerfolgen drohen. Außerdem kann es zu einer strafrechtlichen Verurteilung wegen Körperverletzung kommen. Dann ist man vorbestraft“, betont Belihart.

Hat man den Winterdienst dauerhaft – also nicht nur für einen Tag oder einen Sonderauftrag – an eine seriöse Firma vergeben, muss dieser die Haftung übernehmen (siehe auch übernächste Frage).

Strafen kann es übrigens auch bei Schönwetter hageln. In Wien kontrolliert z. B. das Magistrat, ob Splitt bei einer längeren Schönwetterperiode auch wieder eingekehrt und entsorgt wird. Den Splitt nur einmal im Frühjahr wieder einzukehren reicht nicht. Und wer das Streugut einfach auf die Fahrbahn kehrt und die Arbeit der Straßenreinigung überlässt, riskiert ebenfalls Strafen. 

Der Schneepflug der Straßenmeisterei hat meinen schön geräumten Gehsteig wieder mit Schnee vollgeschoben. Wer haftet, wenn dort jetzt jemand ausrutscht? Wer kümmert sich um die erneute Räumung?

Ein klassischer Fall von Pech für den Immobilienbesitzer. Laut einer Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes muss der Anrainer dann den Gehsteig erneut räumen. Er wird nicht von seiner Räumpflicht und Haftung entbunden.

Bin ich mit der Vergabe an einen Winterdienstanbieter wirklich alle Haftungsrisken los und muss mich um nichts mehr kümmern?

Das gilt nur bei seriösen Firmen. Bei der Auswahl der Winterdienstfirma heißt es für den Hausbesitzer: Augen auf. Die Übernahme der Haftungen durch einen Billigstanbieter kann vor Gericht wertlos sein. „Manche Firmen verpflichten sich vertraglich, dass sie sämtliche Haftungen übernehmen. Dann verletzt sich jemand bei einem Sturz auf dem glatten Gehsteig und es kommt tatsächlich zu einem Haftungsfall. Vor Gericht kommt heraus, dass die Firma gar nicht in der Lage sein konnte, den Gehsteig ordentlich zu räumen. Sie hat sich z. B. die Liegenschaft nie angesehen, ist bei Schneefall regelmäßig nicht aufgetaucht, war als Ein-Mann-Betrieb mit einer großen Wohnhausanlage überfordert etc. Hier kann der Kunde nicht wegschauen und sich darauf berufen, dass er die Haftung abgegeben hat. Ihm kann dann ein Auswahl- und Überwachungsverschulden vorgeworfen werden“, warnt Anwalt Belihart.

 

 

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