Smart und gesichert

Warum die Digitalisierung Einbrechern das Leben schwer macht und wie Sie Ihr Haus oder Ihren Betrieb vor ungewolltem Zutritt schützen. GEWINN mit einem Streifzug durch Alarmanlagen und Sicherheitsdienste.

Alarmanlagen kommen nicht mehr als Insellösungen daher, sondern sind in Smart-Home-Systeme integriert (Foto: Siblik)

Laut einer Bitcom-Studie will sich jeder Dritte in den nächs­ten zwölf Monaten eine smarte Anwendung für zu Hause anschaffen. Das Thema Sicherheit steht dabei sowohl bei Frauen als auch bei Männern an erster Stelle.
Smart ist das neue sicher. Warum das so ist, weiß Norbert Ahammer, Geschäftsführer des Smart-Home-Spezialisten Siblik: „Der große Vorteil liegt in der Verknüpfung aller Gewerke. So kann die Alarmanlage im Alarmfall die Jalousien oder Rollläden nach oben fahren und die gesamte Beleuchtung aktivieren – damit der Eindringling sich nicht mehr unbeobachtet fühlt, sondern im Gegenteil in der Auslage steht.“ Und das gilt für private Haushalte ebenso wie für Betriebe.

KNX als „Festnetz“-Standard

Aber was tun? Bei einem Neubau empfiehlt der Geschäftsführer von Österreichs größten Handelsunternehmen für Elektro- und Haustechnik „KNX“ als Sys­tem, um Alarmanlage und Melder miteinander zu verbinden. Ahammer: „Durch den verwendeten Standard KNX haben wir den großen Vorteil, dass wir selbst
KNX Installationen aus den 1990er-Jahren problemlos nachrüsten können.“

Einziger Haken: Für KNX braucht man eine Verrohrung und Kabel, weshalb KNX vor allem die Lösung für einen Neubau ist. Denn dann sind auch die Mehrkos­ten mit zirka 3.000 Euro für die Basisinstallation für ein Haus „vernachlässigbar“.

Funken statt Stemmen

Wenn das Haus oder die Wohnung aber schon da sind, wird es nicht nur teurer, man möchte sich auch gerne das Stemmen ersparen. Auch das geht: mit einer Sicherheitslösung auf Funkbasis. Sib­lik beispielsweise hat mit Diagral aus Frankreich – nach eigenen Angaben Erfinder des drahtlosen Alarmsystems – ein Funk-Alarmanlagepaket entwickelt. Es kann ohne Hilfe eines Profis installiert und in Betrieb genommen werden, die Steuerung erfolgt via App. Alle Komponenten sind per Funk vernetzt und werden über Akkus mit Energie versorgt. Durch die patentierte TwinBand-Technologie ist das Alarmsystem vor Manipulation und Funkstörung geschützt. Wird ein Frequenzband gestört, weicht es automatisch auf das andere aus.

Außerdem kann das Sib­lik-Smart-Home-Funk-Alarmsystem um weitere Komponenten erweitert werden, die Smart-Connect Box kann jederzeit die Steuerung von Beleuchtung, Beschattung, Heizung, Wasser- und Rauchmelder übernehmen. Ahammer: „Damit können auch ,Szenen‘ eingestellt werden. Etwa dass beim Verlassen des Hauses alle Lichter ausgehen und die Rollläden zu sind.“

Erhältlich ist das Funk-Alarmanlagenpaket von ­Siblik ab ca. 1.100 Euro (für Alarmanlage mit Sprachausgabe, Smart Box, Innensirene, Codetastatur zur Vor-Ort-Bedienung, zwei Fen­s­ter- oder Türkontakte sowie Bewegungsmelder).

Wien Energie setzt auf Hybrid

Smart und Funk – das passt auch gut zu Strom und Handy. Entsprechend sind die großen Player im Geschäft mit der Sicherheit auf dem Markt heute auch die Anbieter von Energie und Mobilfunk. Oder wie es Boris Kaspar, Unternehmenssprecher von Wien Energie, formuliert: „Sicherheit ist ein Kernziel von uns als Energieanbieter. Das hört bei der verlässlichen Energieversorgung von mehr als zwei Millionen Menschen nicht auf.“ Neben einer Gegensprechanlage mit Videoübertragung – damit man weiß, wer wirklich vor der Tür steht – hat Wien Energie auch eine verkabelte Alarmanlage und eine Funklösung im Angebot.

Die verkabelte „Ksenia“ ist eine Hybridanlage aus Draht- und Funkalarm und kann daher auch nachträglich erweitert werden. So etwa auch um Melder, die Alarm geben bei Rauch, Hitze oder sobald ein kritischer Grenzwert bei CO2, Methan-, Propan- oder Butangas überschritten wird. Auch eine Erweiterung um einen Erschütterungs- oder Wasserbruchmelder ist möglich. Natürlich kann die smarte Ksenia nicht nur von unterwegs gesteuert werden, Kamerabewegungsmelder erlauben auch eine Bildübertragung auf das Handy oder ein Web-Interface. Dasselbe kann auch „Diamond Plus“, wie die Funklösung von Wien Energie heißt.

Eine Funk-Alarmanlage für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Eingangstür und sieben Fenstern kostet etwa 1.800 Euro. Und für ein Einfamilienhaus mit 150 Quad­ratmeter Wohnfläche, einer Eingangstüre, sechs Fenstern und einer Terrassentüre im Erdgeschoß sowie acht Fens­tern im Obergeschoß empfiehlt Wien Energie eine Lösung, die 3.100 Euro kostet (inklusive Steuern, Wegzeit und Montagekosten). Gleiche Kosten gelten entsprechend für ein Büro bzw. ein kleines freistehendes Betriebsobjekt.

Magenta hat die „Alarmanlage 2.0“

„Die Alarmanlage hat sich mit Smart Home zur ,Alarmanlage 2.0‘ weiterentwi­ckelt“, zeigt man sich auch bei Magenta Telekom überzeugt: „Der Hauptvorteil ist die Einbindung in eine leicht zugängliche und nutzerfreundliche App, die eben nicht nur die Alarmanlage steuert, sondern viele Geräte und Funktionen für ein sichereres Zuhause in Einklang bringt“, heißt es dort auf die Frage, ob die traditionelle Alarmanlage (als Insellösung) ausgedient hat und smart das neue sicher ist. Für Magenta ist der Mobilfunkanbieter daher auch der ideale Partner für eine State-of-the-Art- Sicherheitslösung, „denn Smart Home funktioniert über Konnektivität der Geräte untereinander, mit dem Internet und dem Smartphone“, so die Argumentation.
Wie Smart Home in der Praxis geht, darüber konnten sich  Interessierte einen Monat lang in einem Pop-up-Store auf der Wiener Mariahilfer Straße informieren. Bis Mitte September waren dort auf 100 Quadratmetern Smart-Home-Anwendungen ausgestellt – von der smarten Kaffeezubereitung über die smarte Heizung bis eben zu smarten Licht- und Sicherheitslösungen und sogar bis zur smarten Pflanzenbewässerung.

Sicherheit online und offline

So weit, so gut, was aber ist, wenn das Internet ausfällt? Auch dafür hat Magenta eine Antwort. „Bei der angebotenen Lösung wäre ein Zugriff von außen oder Push-Meldungen auf die App dann zwar nicht möglich, die Einstellungen und Situationen sind jedoch lokal gespeichert, sodass die Automatisierung weiter funktioniert“, heißt es dazu.

Für den Einstieg in die Smart-Home-Welt von Magenta stehen mehrere Starterpakete zur Auswahl, die vielfältig erweiterbar sind. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Kosten, die in der Regel einen Startpreis und eine geringe monatliche Pauschale für die Nutzung vorsehen.

Bleibt nur noch die Frage, wer die Einbrecher wieder verjagt, die sich weder von einem Alarm noch von eingespeicherten „Szenen“ haben abhalten lassen.

Sicherheitsdienst oder Polizei

Verjagen oder gar schnappen passiert selten. Denn („professionelle“) Einbrüche dauern meist nur wenige Minuten und bis jemand Alarmierter zur Stelle ist, sind die Täter wieder weg. Eintreffende Streifen kommen meist zu spät, regeln aber die Situation vor Ort.

Ob die Alarmanlage zur Polizei oder zum Sicherheitsdienst „aufgeschaltet“ ist, bleibt eine Frage des Geschmacks. Die Verbindung zur Exekutive ist kostenlos, Fehlalarme werden aber mit rund 130 Euro  in Rechnung gestellt. Wann ein Streifenwagen eintrifft, hängt mit der Auslastung der Beamten zusammen.
Private Anbieter verweisen gerne darauf, dass die Polizei keine neuen Aufträge wegen Personalmangels entgegennimmt. Die Landespolizeidirektionen Wien und Niederösterreich dementierte dies aber auf GEWINN-Anfrage. Neue „Kunden“ seien willkommen.

Eine Aufschaltung zu einem privaten Anbieter wie ÖWD (Österreichischer Wachdienst), Simacek oder Securitas kostet pro Monat zwischen 15 und 25 Euro. Fehlalarme schlagen sich in der Regel je nach Anfahrtsweg zusätzlich zu Buche. Am Beispiel Wien–Klosterneuburg sind das rund 60 Euro.

Nächtliche Streifen

Einfamilienhäuser, besonders Villen in den Randbezirken und im Speckgürtel, nutzen sogenannte Revierstreifendienste. „Dabei fahren unsere Mitarbeiter das Objekt ein oder mehrmals pro Nacht an und führen Sichtkontrollen durch“, erklärt Helmuth Hochegger, Geschäftsbereichsleitung Sicherheitsdienstleistungen bei Simguard, einer Tochter des Facility-Management-Unternehmens Simacek.

Solche Kontrollen können äußerlich sein, etwa um zu prüfen, ob es Einbruchsspuren gibt, bis hin zur Kontrolle der Heizung und Bewässerungsanlage. „Oft buchen uns Kunden wochenweise, wenn sie auf Urlaub sind. Dann leeren wir auch Postkästen“, so Hochegger weiter.

So ein Revierstreifendienst kostet zwischen 150 und 300 Euro pro Monat, je nach Gebiet und zu über-prüfender Punkte.

Tipp: Schließen sich mehrere Bewohner in einer Straße zusammen, können die Kosten pro Haushalt stark gesenkt werden.

„Wo bestreift wird, nimmt die Schadenshäufigkeit ab. Denn Täter sind meist Risiko-avers“, erklärt Alexander Kiss, Direktor beim ÖWD. Da der Großteil der Einbrüche vorbereitet wird, etwa durch Auskundschaften, schrecken unregelmäßige Streifen Einbrecher ab.

Revierstreifen werden von Gewerbekunden deutlich häufiger nachgefragt als von Privaten. Betriebe nehmen statt Postkastlausleeren Rundgänge um Gebäude und Checks, ob Türen versperrt sind, in Anspruch. Eine 20-minütige Kontrolle pro Nacht kommt auf zirka 400 Euro im Monat.

Werkschutz im Unternehmen

Viel komplexer wird es beim Thema Werkschutz. Das Spektrum reicht vom Portier bis zur Person, die in Produktionshallen für die Einhaltung der Arbeitssicherheit sorgt.

ÖWD-Direktor Kiss gliedert Services für Unternehmen in zwei Bereiche:

  • Physische, technische und personelle Sicherheitsmaßnahmen: Das beinhaltet die Zutritts- und Zufahrtskontrolle aufs Firmengelände sowie Annäherungsschutz (Bewegungsmelder oder Lichtschranken). Sicherheitsservices ­gehen bis hin zur Drohnendetektion und der Live-Traffic-Überwachung von Access-Points. „Wir haben viele Hightech-Hidden-Champions in Österreich. Dort macht es Sinn zu prüfen, ob über das Netzwerk große Datenmengen das Unternehmen verlassen“, sagt Kiss.
  • Prozedurale Sicherheitsmaßnahmen: Mit dem Kunden werden sicherheitsrelevante Abläufe erfasst und protokollierbar gemacht. In der Praxis bedeutet das: Der Zugang zu bestimmten Schränken, die Ausgabe von Schlüsseln oder die Entnahme von Betriebsmitteln wird nach einem bestimmten Schema dokumentiert. So wie etwa in Casinos das Öffnen neuer Spielkartenpäckchen vor laufender Kamera passiert.

 „Ein guter Werkschutz ist ein Mix aus Personal und Technik“, so Kiss. Er versteht einen Sicherheitsdienst vor Ort nicht als „Körper in Uniform“, sondern als mit einem technischen Grundverständnis, Fremdsprachenkenntnis und Brandschutzausbildung ausgestattete Personen. Für solch eine Kraft, die beim Kunden 24 Stunden vor Ort ist, muss man mit zirka 20.000 Euro pro Monat kalkulieren.

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