„Zwei Milliarden für neue Wohnungen“

Bundesimmobilien-Chef Hans-Peter Weiss managt das größte Immo­bilien­vermögen Österreichs, will in den nächsten Jahren bis zu 10.000 Wohnungen bauen und muss sich auf dem freien Markt behaupten.

Foto: BIG, Petra Spiola

TOP-GEWINN: Wirtschaftsminister Mitterlehner hat eine Offensive für leistbaren Wohnraum angekündigt. Einen wichtigen Beitrag soll die ARE, eine Tochter der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), leisten und in den kommenden sechs Jahren bis zu 10.000 Wohnungen bauen. Wird die Republik nach dem Verkauf der Bundeswohnungen vor einigen Jahren wieder zum großen Wohnbauträger?

Weiss: Die ARE wird sicher zu einem großen Wohnbauträger. Man muss das aber in Relation zum Gesamtmarkt sehen. Dann sind wir nicht ganz so groß. Und unsere jetzige Entwicklung ist etwas ganz anderes als die früheren Aktivitäten der BIG im Wohnbaubereich. Das waren im Wesentlichen Dienstwohnungen für Beamte. Jetzt produzieren wir ganz bewusst für den Markt, schaffen Wohnraum in den Ballungszentren und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Konjunkturbelebung. 

TOP-GEWINN: Das geplante Investiti­ons­­volumen soll bis zu zwei Milliarden Euro umfassen. Ist die Zahl realistisch? 

Weiss: Die zwei Milliarden für neue Wohnungen sind auf jeden Fall realistisch. Grob teilt sich das in eine Milliarde für Eigentumswohnungen und eine Milliarde für Mietwohnungen auf. In der Entwicklung von Eigentumswohnungen sind wir bereits tätig. In diesem Bereich bedienen wir unterschiedliche Segmente und haben schon jetzt Projekte mit rund 600 Millionen Euro in der Pipeline. Neu hinein gehen wir in den Mietwohnungsbau, wo wir langfristig einen entsprechenden Bestand aufbauen möchten. Dort ist die Pipeline derzeit 300 bis 400 Millionen Euro stark. Wir entwickeln zum Beispiel mit einem Partner das ehemalige Postbusgelände in Wien-Erdberg, wo bis zu 1.000 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen sollen. Auch in Linz und Graz bereiten wir große Projekte vor. 

TOP-GEWINN: Es soll leistbarer Wohnraum geschaffen werden. Das ist ein dehnbarer Begriff. Wie definieren Sie ihn?

Weiss: Wir sind über ganz Österreich tätig. Leistbar ist in Innsbruck etwas anderes als in Eisenstadt. Ein Richtwert ist für uns: Wenn vom Haushaltseinkommen ein Drittel für das Thema Wohnen und Miete aufgewendet wird, ist das noch leistbar. Wir werden auch die Nebenkos­ten, die am Beginn einer Wohnungsmiete anfallen, ein Stück weit günstiger halten als die Konkurrenz. Zum Beispiel wollen wir die Kaution mit einer Kautionsversicherung abdecken und mit den Maklern aufgrund der großen Mengen attraktive Konditionen vereinbaren.

TOP-GEWINN: Kolportiert wurden Durchschnittsmieten von zehn Euro pro Quadratmeter. Das wäre nicht billig. 

Weiss: Wir haben die zehn Euro so nie genannt, sondern immer als Obergrenze angegeben. Zehn Euro werden in Eisenstadt oder in Graz zu hoch sein, in Wien und Innsbruck in manchen Lagen hingegen gut passen. Wir haben derzeit auch ein Projekt in Wien, wo wir zwischen sieben und 7,50 Euro liegen. 

TOP-GEWINN: Mit der ARE müssen Sie sich auf dem freien Markt behaupten. Private Bauträger kritisieren, dass der Staat ihnen Konkurrenz macht. So haben Sie den Vorteil der günstigen Finanzierung dank der Bonität der Republik. Bald wird man Ihnen Zinsen zahlen, wenn Sie Kredite aufnehmen.

Weiss: Das ist leider nicht der Fall. Zwei Gegenargumente: Wir achten penibel darauf, dass wir die Bauvorhaben über die Projektgesellschaften zu Marktkonditionen finanzieren. Wir finanzieren uns in diesem Bereich also nicht über Anleihen der BIG. Unsere Finanzierungskosten sind punktuell sogar höher, weil wir übervorsichtig sind. Das sind wir unserem Eigentümer schuld. Die Republik übernimmt für BIG und ARE auch keine Haftung, anders als bei ÖBB und ASFINAG. Zweitens: Wir realisieren einen überwiegenden Teil unserer Projekte gemeinsam mit privaten Entwicklern. Das wollen wir auch weiter forcieren. Um die 10.000 Wohnungen zu bauen, brauchen wir diese Partner jedenfalls. 

TOP-GEWINN: Trotz vieler neuer Projekte für den freien Markt: Die Republik bleibt der wichtigste Mieter der ARE. Wie hoch ist der Anteil derzeit und wie weit soll er sinken?

Weiss: Über 90 Prozent. Die Republik wird definitiv weiterhin der wichtigste Mieter sein. Daneben wollen wir uns aber eine zweite Schiene auf dem Drittmarkt aufbauen, die langfristig rund 25 Prozent ausmachen soll. Das sind einerseits das erwähnte Wohnungsthema, andererseits Büros, die wir an private Unternehmen vermieten. 

TOP-GEWINN: Reicht das, damit die 800 Millionen Euro ARE-Schulden nicht mehr zu den Staatsschulden gerechnet werden und daher keinen Einfluss auf die Maastricht-Kriterien haben? 

Weiss: Es gibt noch keine konkrete Festlegung, welchen Anteil Dritte am Umsatz haben müssen. In Deutschland gibt es dazu aber schon eine relativ klare Aussage: mehr als 20 Prozent. Bei der ARE betragen die Umsätze mit privaten Geschäftspartnern schon fast einViertel des Gesamtumsatzes. Das Thema Staatsschulden ist aber ein Nebenaspekt, der für die Ausgliederung der ARE aus der BIG nicht entscheidend war. 

TOP-GEWINN: Der Auftrag von Minister Mitterlehner bei Gründung der ARE war, das Unternehmen börsenfit zu machen. Ist die ARE schon fit für eine spätere Privatisierung? 

Weiss: Börsenfit stand immer für die Qualitätsstandards eines börsennotierten Unternehmens. Es hat nie den Auftrag gegeben, eine konkrete Privatisierung vorzubereiten. 

TOP-GEWINN: Die ARE hätte mit einem Portfolio von 2,3 Milliarden Euro jedenfalls die Größe für einen Börsengang . . .

Weiss: Die ARE ist eines der größten Immobilienunternehmen in Österreich. 


Bundesimmobilien sind 10,7 Milliarden wert

Die Bundesimmobiliengesellschaft ist Eigentümer des größten Immobilienvermögens der Republik Österreich. Sie verwaltet ein Portfolio mit einem Wert von 10,7 Milliarden Euro und 2.200 Objekten. Dieses reicht von ehemaligen Grenzposten über Gefängnissen bis zu Prachtbauten wie der Universität an der Wiener Ringstraße oder den Justizpalast. Die BIG ist allerdings nicht Eigentümer aller Immobilien des Bundes, z. B. der Kasernen des Bundesheeres. 2012 wurden die Büro- und Wohnimmobilien in die neue Tochter ARE ausgelagert, die auf dem Markt um Mieter abseits der öffentlichen Hand kämpft. Die Sonderimmobilien wie Schulen und Unis verblieben bei der BIG. Vom 10,7-Milliarden-Portfolio der BIG entfallen 2,3 Milliarden Euro auf die ARE. Der gebürtige Burgenländer Hans-Peter Weiss managt mit Wolfgang Gleissner BIG und ARE in Personalunion.

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