Reif für die Insel

Privatinseln in der Südsee oder Karibik sind ein beliebtes Hobby von Milliardären. Kleine Inselchen in Skandinavien oder Kanada sind sogar für Normalverdiener erschwinglich und kosten teilweise unter 100.000 Euro.

Die Fidschi-Insel Laucala gehört seit 2003 Dietrich Mateschitz. Das Luxusresort steht betuchten Touristen offen und spielt alle Stücke (Foto: Martin/Le Figaro Magazine/laif)

Für den Wochenend-Trip eignet sich eine Südseeinsel nicht. Rund 35 Flugstunden entfernt liegt die Fidschi-Insel Laucala. 2003 erwarb Dietrich Mateschitz das zwölf Quadratkilometer große Eiland von den Erben des US-Verlegers Malcom Forbes und errichtete darauf eines der nobelsten Resorts der Südsee. Mit weißen Sandstränden, türkisblauem Wasser und tropischer Vegetation steht die Insel dem Paradies wohl um nichts nach. Luxus ist dort allgegenwärtig. Eigener Flugplatz für die inseleigene Airline, Golfplatz und Lagunenpool mit Sandboden gehören etwa zu den Annehmlichkeiten. Sogar ein U-Boot zählt zum Inselinventar. Die Deep Flight Super Falcon lädt zum Erkunden der Unterwasserwelt ein. Serviert wird das auf der Insel angebaute Obst und Gemüse. Um in den Genuss der Amusements zu kommen, verschönern 25 exklusiv ausgestatte Villen die malerische Landschaft. Ab 4.800 US-Dollar pro Nacht (zuzüglich Steuern) wird man dort zum Insulaner.

In der Vermögensklasse von Mateschitz sind private Inseln nichts ungewöhnliches. Zahlreiche Milliardäre besitzen ein eigenes Eiland, oft in Verbindung mit einem Luxusresort, das auch für externe Gäste zugänglich ist. Zum Vermögen von Louis-Vuitton-Eigentümer Bernard Arnault – reichster Europäer und viertreichster Mensch der Welt – zählt Indigo auf den Bahamas. Oracle-Gründer Larry Ellison (siebtreichster Mensch der Welt) hat sich eine Hawaii-Insel gesichert. Richard Branson (Virgin) nennt gleich zwei Inseln sein Eigen, die auch an Touristen vermietet werden: Makepeace Island an der australischen Sunshine Coast und Necker Island in der Karibik. Die Nachbarinsel heißt Eustatia. Sie soll hartnäckigen Gerüchten zufolge Google-Gründer Larry Page gehören.

Checkliste fürs Insel-Shopping

Wer gerade keine Milliarde auf dem Konto liegen hat, kann sich als Gast auf den Milliardärsinseln zumindest kurzfristig so fühlen. „Die meisten Gäs­te bleiben zwei Wochen, sehen sich anschließend noch im Land um, dann geht es wieder zurück“, weiß Inselmakler Farhad Vladi von Vladi Private Islands in Hamburg. Ursprünglich wollte er eine Insel nur für sich privat kaufen, so kam ihm die Geschäftsidee. Heute ist er der bekannteste Inselmakler im deutschsprachigen Raum. „Ich hatte gehört, dass man für 5.000 Deutsche Mark eine Insel erstehen kann. Also machte ich mich auf die Suche“, erinnert sich Vladi. Zurück kam er mit einem Angebot für Cousin Island auf den Seychellen, freilich in einer ganz anderen Preisklasse. „Anstatt aufzugeben, habe ich Bilder von Cousin Island samt Landkarte genommen und an wohlhabende Leute verschickt. Tatsächlich hat sich ein Käufer zurückgemeldet“, erzählt Vladi, wie er 1971 seine erste Insel an den Mann brachte. Cousin Island kann für Ferienzwecke gebucht werden, so wie viele weitere Inseln in seinem Portfolio. Überhaupt rät der Makler zu „erst mieten, dann kaufen“, damit die Umgebung der Insel in spe ausreichend erkundet werden kann. Darüber hinaus sollte die Checkliste für Inselkäufer die medizinische Versorgung beinhalten. Sie sollte binnen 90 Minuten erreichbar sein. Wichtig ist auch, jederzeit Zugang zur Insel zu haben und diese bei Bedarf sofort verlassen zu können. Ganz abgesehen von der Infrastruktur, die das Inselleben lebenswert macht. Das betrifft Wasserversorgung, Abwasser, Elektrizität, Telefon und Internet. Vorab Flora, Fauna und Klima zu studieren beugt unliebsamen Überraschungen vor. Ob Baugenehmigungen erhältlich sind, gilt es zu prüfen, genauso wie die Akzeptanz von ausländischen Investitionen im Gastland. Auf den Titel „Freehold“ (freier Markt) gilt es daher zu achten. Damit das Insel-Feeling perfekt ist – „man will sich nicht fühlen, als würde man auf einem Felsen sitzen“ –, empfiehlt Vladi eine Mindestgröße von 10.000 Quadratmetern. Zu groß sollte das private Paradies aber auch nicht sein, maximal zweihundert Hektar.

So viel kostet das Paradies

Die Größe der Insel sagt aber noch lange nichts über deren Preis aus. Die Lage schon viel mehr. „Eine Insel vor der Côte d’Azur in Frankreich kostet Sie 100-mal so viel wie eine in Tonga im Pazifischen Ozean“, weiß Vladi. Kleine Inseln gibt es bereits zum Preis eines Mittelklassewagens, zum Beispiel in Kanada oder Schweden. In Finnland hat Vladi aktuell eine 3.000 Quadratmeter große Insel für 96.000 Euro im Angebot. Hingegen kann eine hübsche „Qualitätsinsel“ in der Karibik schon auf zwei Millionen Dollar kommen. Verallgemeinern lässt sich das jedoch nicht. Der Wert der Insel hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Lage spielen auch Erscheinungsbild, Nutzungspotenzial und emotionale Werte eine Rolle. „Ein Gemälde wird auch nicht nach der Größe oder der Menge an Farbe, die ein Maler verwendet hat, bewertet“, vergleicht Vladi. Im Schnitt werden von seinen Käufern zwei bis drei Inseln besichtigt.

Ähnlich sieht das Chris Krolow, CEO von Private Islands Inc. in Toronto. „Die meisten Inselkäufer kommen mit sehr genauen Vorstellungen und haben sich bereits auf der Website schlau gemacht“, weiß er. Der typische Inselkäufer ist Unternehmer oder hat eine hohe Position in einer Firma, auch Anwälte zählen zum Kreis der Käuferschaft. Für manch einen Besitzer stellt die Insel ein zweites Zuhause dar, während andere nur zwei Wochen pro Jahr auf ihrer Drei-Millionen-Dollar-Insel verbringen. Betrachten diese Kunden ihre Insel eher als Anlageobjekt denn Freizeitparadies? „Ich glaube, eine Insel ist ein Investment für Herz und Seele, nicht für das Bankkonto“, sagt Krolow.

Die nackte Insel erworben, geht es ums Bewohnbar machen. Damit das Wohl auf der Insel gesichert ist, empfiehlt Krolow, Kosten in der Höhe von mindestens einer Million Dollar einzurechnen. Betragen doch Bau-, Arbeits- und Transportkosten 30 bis 50 Prozent mehr als bei einem vergleichbares Projekt auf dem Festland. Darüber hinaus braucht es ein Boot oder gar eine Landebahn. „In den USA kos­tet ein kleines Boot vielleicht 100.000 Dollar, mit dem Import nach Belize in Mittelamerika schon 200.000 Dollar. Dazu kommen noch massive Treibstoffkosten“, sagt Krolow, selbst Besitzer einer Insel vor Belize. Gladden heißt das exklusive Eiland, das Platz für ein Pärchen bietet. Privatsphäre ist garantiert; das Personal befindet sich abrufbereit auf der Nachbarinsel. Ein „Privacy Meter“ zeigt an, sobald sich Belegschaft auf der Insel befindet – man genießt einen Fünf-Sterne-Service. „Die Insel liegt an einem Riff. Vom Strand aus kann man schnorcheln gehen und die tollsten Fische beobachten“, schwärmt Krolow von seinem Eiland, das er für rund 3.700 Dollar pro Nacht an Pärchen vermietet.

Yacht als Inselrefugium

Man kann die Kosten für die Infrastruktur auf seiner Insel freilich auch niedrig halten. So wie Johnny Depp. Little Hall’s Pond Cay heißt der paradiesische Rückzugsort auf den Bahamas. Der Schauspieler zahlte kolportierte 3,6 Millionen Dollar für sein privates Eiland. Die Vegetation ist üppig, die Sandstrände schneeweiß und die Lagune von Palmen umgeben. „Vor vielen Jahren habe ich Johnny Depp diese Insel verkauft. Mit seiner Schwester führte ich Gespräche wegen eines Hausbaus“, erinnert sich Inselmakler Vladi. „Doch daraus wurde nichts, sie wollten die Insel naturbelassen, das fand ich sehr schön. Nur einen Bootsanleger hat er gebaut“ Eine Yacht dient nicht nur der Erreichbarkeit, sondern fungiert auch gleich als Inselrefugium. Zum Schlafen und Essen kommt Depp an Bord, die übrige Zeit genießt der „Fluch der Karibik“-Star die Insel. „Er braucht weder Verwalter, noch Haus, noch Energieversorgung. Bei ihm konnte ich diesen Trend als Erstes erkennen“, so Vladi.

Ein Stückchen John Wayne

Doch wie oft nutzt man eigentlich eine Insel, Tausende Kilometer von zu Hause entfernt? Nicht sehr oft, wenn es nach der Erfahrung von Walter Stummer geht. Der niederösterreichische Unternehmer hat sich den Traum von einem Stückchen eigener Insel bereits 1998 verwirklicht. Damals kaufte er ein 2.000 Quadratmeter großes Grundstück auf der kleinen Privatinsel Taborcillo in Panama. Das Fleckchen Paradies im Pazifik war einst in Besitz von Hollywood-Star John Wayne. 150.000 Schilling bezahlte Stummer für die Inselparzelle.

„Man braucht dort nicht viel. Fisch gibt es frisch aus dem Meer, es ist sehr idyllisch“, beschreibt Stummer das bescheidene Inselleben. Geplant war, dort dem heimischen Winter zu entfliehen. Doch: ein paar Monate nach dem Kauf, erhielt der Unternehmer einen Anruf. Das Grundstück stehe fünf Zentimeter unter Wasser. „Daraufhin haben wir nachgeforscht. Zweimal im Jahr ist die Flut so hoch, daher der Wasserstand“, schildert Stummer, der daraufhin einen anderer Teil der Insel aussuchte und das Grundstück umschreiben ließ. Schließlich plante man eine kleine, 40 Quadratmeter große Unterkunft. „Wir hatten mit dem Bau noch nicht begonnen, da haben wir erfahren, dass wir Großeltern werden. Wir wollten die Enkeln aufwachsen sehen, daher stoppten wir den Auftrag“, erzählt Stummer. Auf Taborcillo war er seit dem Kauf nicht mehr. Das Grundstück will er jetzt an seine Kinder weitergegeben oder verkaufen.

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