Smarte Laut­sprecher

2017 stieg Amazon dank Alexa und Echo zum größten Lautsprecherhersteller auf. Der Marktführer bei vernetzten Lautsprechern, Sonos, setzt jetzt ebenfalls auf Sprachsteuerung. Sind die neuen smarten Laut­sprecher auch soundtechnisch auf der Überholspur?

Foto: Apple

Dolby 2.1, dann 5.1 und für Spezialisten die Aufrüstung bis Dolby 7.2 – wer etwas auf sich hielt, rüstete das Wohnzimmer mit bis zu neun Lautsprechern auf. Mit staubfangenden Centerboxen, Subwoofern, Satelliten usw. für den perfekten Raumklang. Und jetzt sollen kleine 360-Grad-Rundumboxen diesen Soundeindruck ermöglichen?

Ja und nein, denn für die Masse der klassischen Lautsprecherhersteller ist Digital gleichbedeutend mit Teufelszeug, dem man sich ungern annähert. Stöbert man in den diversen Foren und Kaufberichten, ist die digitale Anbindung (wohl auch den unterschiedlichen Standards geschuldet) oftmals tricky und nicht befriedigend. Unterschiedliche Laufzeiten der digitalen Signale führen zu minimalen, aber hörbaren Zeitverzögerungen zwischen linkem und rechtem Kanal, die Synchronisierung zwischen Bild (auf dem Fernseher) und Ton ist herausfordernd, oftmals hinkt der Ton dem Bild nach. Häufig ist das WLan Schuld an Ausfällen, wenn nach Wochen des Betriebs ohne Störung plötzlich nichts mehr geht. Zumindest Basiskenntnisse von Funktechnologien und Konfigurationsmenüs sollten daher im Haushalt vorhanden sein, wenn die heimische Stereoanlage smart und digital werden soll.

Smart muss sich dabei übrigens nicht nur auf die Software-Steuerung beziehen: Der neue Medion Life kann wahlweise zusammengesteckt als Sound­bar unter einem Fernseher montiert werden oder getrennt klassisch als zwei Stereolautsprecher fungieren. Damit man sich den Kabelsalat zum Subwoofer erspart, wird dieser via Bluetooth angebunden (was allerdings das Kabel zur Stromversorgung nicht ersetzt).

Digitalsound und Streaming

Binnen Jahresfrist hat Amazon seine Alexa-Lautsprecher Echo mit einer Version 2 verbessert und dann gleich nochmal ein Update nachgeschoben, das die Klangqualität verbessern sollte. Was in analogen Zeiten unmöglich war, wird in Digital zum Standard. Irgendwer in einer fernen Konzernzentrale bestimmt, dass Ihr gekaufter Lautsprecher nun anders klingen soll. Nicht alle beurteilen nämlich das Sound-Update als Verbesserung, manche auch als Verschlimmbesserung. Eine der meistgenutzten Funktionen von Echo ist der sprachgesteuerte Abruf von Musik, die bei den großen Boxen Echo2 und 2 plus über die eingebauten Lautsprecher kommen sollen, während die kleine Echo zwar über einen passabel klingenden Lautsprecher verfügt, hier aber der Anschluss via Klinke von externen Lautsprechern genutzt werden sollte.

Definitiv steht bei Echo und Apples Homepod der Funfaktor der Sprachsteuerung im Vordergrund. Eine Einmessfunktion soll Homepod auf individuelle Raumsituationen optimieren (Raumgröße, -dämmung durch Tapeten, Vorhänge oder Möbel), was so lange gut geht, bis der Homepod verstellt wird. Gut gelernt, wird Apple mit E2E(End-to-End)-Verschlüsselung des Datenverkehrs zwischen Homepod und Server die Privacy der Käufer und Nutzer deutlich besser als bisher unterstützen.

Bose spendiert seinem Soundlink Revolve einen internen Akku, damit  auch die Gartenparty digital mit Musik versorgt werden kann. Und weil es dann schon mal feuchter zugehen kann, ist der Revolve auch spritzwassergeschützt. Wobei sich das neue Tonnen- oder Kegeldesign mit aufgesetztem LED-Kranz offenbar als Designikone bei den neuen Geräten durchsetzt. Ähnlich wie bei den windkanaloptimierten Pkw, deren Fronten sich sehr ähnlich sehen, ist es der Rundumsound, der die Verlegung der Bedienknöpfe nach oben erforderlich macht. Meist ist es der nach oben abstrahlende Tieftöner, der für das runde Design sorgt, unter dem dann einer oder mehrere Hochtöner für einen fast perfekten Rundumklang sorgen.
Das ist Lautsprecherdesign für moderne E-Musik, bei einem klassischen Streichkonzert oder Heavy-Metal-Sound geraten die smarten Rundumlautsprecher schnell an die Grenzen, die auch für normale Ohren merkbar sind. Der baugleiche, aber preiswertere Soundlink Mini 2 ist daher für den stationären Einsatz die bessere Wahl.

Mit Musiccast hat sich Yamaha einen eigenen Streaming-Standard geschaffen, der von mehr als 40 Yamaha Endgeräten unterstützt wird. Auch die neuen WX-010, die die Range größenmäßig nach unten abrunden (für den Einsatz am Nachttisch oder in der Küche), können damit Musik vom lokalen PC, von einem NAS (network attached storage), vom Smartphone oder eben von Streaming-Anbietern aus dem Internet abspielen. Wer Stereosound möchte, kann die einzelne Box mit einer zweiten kombinieren und damit Stereoeffekte erzeugen, wahlweise ist damit auch eine Multiroomfunktion möglich.

Steuerung per App

Unvermeidlich sind die zahlreichen Apps, mit denen sich die digitalen Soundboxen steuern lassen. Hier wird der Homo ludens, der spielende Mensch, zufriedengestellt. Ob das im Vergleich zu einer klassischen Fernbedienung aber komfortabler geht, muss bezweifelt werden. Jedenfalls ist es deutlich langsamer, bis das Smartphone entsperrt, die App aufgerufen, das richtige Untermenü ausgewählt und der gewünschte Steuerbefehl abgesetzt sind. Und die von manchen Herstellern angebotene Fernsteuerfunktion erschließt sich mir nicht. Wozu soll ich vom Garten aus die Musikwiedergabe im ersten Stock steuern wollen?
Die Sprachboxen können auch zur Steuerung kompatibler Smart-Home-Systeme genutzt werden. Das lautet dann so: „Computer, spiel Gute-Nacht-Lieder, und Computer, dimme das Licht im Kinderzimmer auf 30 Prozent.“

Die großen Hersteller unterstützen ihre eigenen Konzernprodukte: der Homepod nur Apple Music, der Echo Amazon Music und Spotify plus andere. Fremdhersteller wie Sonos kaufen sich bei Amazon ein, Spotify ist Fixstarter und TuneIn hat auch gute Karten. Yamaha will die Alternativen nicht verprellen und bietet von Spotify über Naps­ter bis Deezer eine breite Unterstützung für Streaming-Dienste an. Wer also mit einem smarten Lautsprecher liebäugelt, sollte prüfen, ob sein Streaming-Dienst unterstützt wird.

Urvater Sonos

Einfach One nennt Sonos seine ebenfalls feuchtigkeitsresistente Amazon Echo Alternative, die allerdings fast dreimal so teuer ist. Der One wird heuer neben Alexa auch Google Assistant unterstützen, damit ist die Hardware nur einmal anzuschaffen, wenn ein anderer Sprachdienst genutzt werden soll. Eine Einmessfunktion nach Trueplay wird hier im Zusammenspiel mit einem iPhone oder iPad angeboten. Knapp eine ­Viertelstunde dauert es, bis durch unterschiedliche Positionierung des Smartphones im Raum und dabei ausgesandten und wieder aufgenommenen Testtönen ein individuelles angepasstes Profil erstellt wird.

Noch heuer wird sie den Apple-Standard Airplay 2 beherrschen, dann gibt es Stereosound mit zwei Ones. Er lässt sich mit weiteren installierten Sonos-Boxen vernetzen und dient dann als Befehlszentrale für die Sprachkommandos des Besitzers, die er erst hört, wenn diese lauter als die üblichen Wörter und Sätze ausgesprochen werden.

Außenseiter Cortana

Mit der Unterstützung von Microsofts Cortana ist der Invoke von Harman Kardon ein Außenseiter mit sehr geringem Verbreitungsgrad, aber immerhin: auch für Cortana gibt es somit ein Angebot. Die Skills für den Invoke sind offengelegt, vielleicht entschließt man sich, auch Alexa oder Siri zu integrieren. Drei Bass- und drei Hochtöner sorgen bei den Kollegen der Fachtests für durchwegs positive Kritiken. Offenbar kann man also besseren Sound mit deutlichen Aufpreisen zu den Einstiegsmodellen der Hersteller erkaufen. Funfaktor: der einfache Steuerungsdienst IFTTT (if this then that) wird vom Invoke unterstützt.

Mit Harman Kardon als Tochter im eigenen Haus plant Samsung, im ers­ten Halbjahr einen eigenen sprachgesteuerten Lautsprecher auf den Markt zu bringen, der Bixby unterstützen soll.

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