Streaming-Vergleich: Disney+ gegen Netflix & Co.

Streaming boomt, die Zahl der Anbieter steigt, seit Ende März fordert etwa Disney+ mit seinem bekannten Filmangebot sowie Eigenproduktionen wie „Star Wars: The Mandalorian“ (Foto) Netflix, Amazon & Co. heraus. GEWINN vergleicht die Angebote.

Video-Streaming hat unbestritten seine Vorteile: Das Angebot ist vielfältig, man muss sich nicht von Werbung unterbrechen lassen und ich, der Kunde, bin Programmchef. Dafür werden monatliche Zusatzgebühren fällig, Gratis-Angebote sind eingeschränkt, meist nur in alter SD-Auflösung verfügbar (was nur bei einem Mini-Bild auf dem Handy kaum auffällt). Aber statt monatlicher Flatrate gibt’s auch wahlweise eine Leihgebühr für 48 Stunden wiederholtes Anschauen oder der Film kann auch gekauft werden, wobei das Anschauen nur auf der Plattform möglich ist.

Seit Ende März neu: Disney+


Disney+ positioniert sich mit 6,99 Euro monatlich an der unteren Preisschranke vergleichbarer Angebote von Netflix (in HD) oder Dazn mit je 11,99 Euro im Monat (siehe Tabelle). Neben der Vielfalt des Angebots ist die Einfachheit des Zugangs ein gewichtiges Argument, da scheint Disney vieles richtig zu machen. Ein Preis statt drei bei Netflix, von Vornherein die Möglichkeit, dass vier User gleichzeitig unterschiedliche Filme schauen (was die Bandbreite hergeben muss – siehe Kasten), das allerdings unter dem Vorbehalt des „Fair Use“. Wenn sich also zu viele preisoptimierende Gruppen ein Viererabo teilen und auf Teufel komm raus Videos saugen, wird schnell Schluss mit lustig und das Angebot enger gefasst. Bis zu sieben Profile können eingerichtet werden, Kinderprofile mit Jugendschutzbeschränkung. Anders als bei Netflix müssen die Personen auch nicht im selben Haushalt wohnen, der Student im Studentenheim oder die Oma im Nachbarort können Teil des Abos sein.
Disney konzentriert sein gesamtes Angebot exklusiv im eigenen Streaming-Dienst. Damit steht zum Start ein umfangreiches Repertoire zur Verfügung. Das ist anders als bei AppleTV+, das zwar nur 4,99 Euro pro Monat nimmt, dafür aber auch nur ein überschaubares Angebot bietet. Bei Disney gibt’s alles aus den Archiven bis in die Anfangszeiten zurück, von Eiskönigin bis Donald Duck, auch Marvel und Pixar sind dabei. 30 Staffeln von The Simpsons sind ebenso verfügbar wie die ersten Eigenproduktionen „Stargirl“ oder „Star Wars: The Mandalo­rian“.
Tipp: Da die Übersetzungen auf Deutsch noch nicht überall erfolgt sind, sollte man bei der Suche etwa in Untertitel auf Englisch ausweichen. Per VPN lies sich nämlich das amerikanische Disney+ bereits ausprobieren.
Bei den angesprochenen drei Kategorien bei Netflix richtet sich das Einsteigerangebot aufs Streamen am Smartphone in geringer (SD-)Auflösung. Wer die Downloadfunktion für das Offline-Sehen eines Videos nutzt, spart der Netzinfrastruktur Bandbreite, muss aber mit bis zu fünf Gigabyte Daten bei einem Blockbuster in hoher Auflösung rechnen. Für Tablet oder Handy reicht HD-Auflösung, UHD oder 4K ist hier „overdressed“. Netflix hat zudem (auf EU-Kommission-Nachfrage) angekündigt, ihren Datenverkehr in Europa für 30 Tage um 25 Prozent zu drosseln, aber dennoch eine „gute Qualität“ zu senden. YouTube und Amazon wollen hier mitmachen.

Binge Watching (BW)

Mit Netflix wurde das Anschauen von allen Folgen einer Serie salonfähig. So dauert es rund sechs Stunden, um alle acht Episoden der polnisch-amerikanischen Serie „The Witcher“ in einem Stück ohne Pause anzuschauen. Spaßig, für den Körper aber oftmals bis tief in die Nacht eine gesundheitliche Belas­tung. Nicht umsonst steht BW auch für „Serienmarathon“ oder „Komaglotzen“.
Disney wird deshalb, anders als Netflix, die Folgen wochenweise staffeln. Amazon Prime macht das bei „StarTrek Picard“, jeden Freitag, ansonsten gibt’s BW. Auch andere Plattformen bieten den Serienmarathon unterschiedlich an.
Einen dritten, anderen Weg geht Apple bei TV+, das seine Eigenproduktionen zuerst ins Kino schickt. Warum dieser für einen Streaming-Anbieter unlogische Schritt (so wurde „The Banker“ mit Samuel L. Jackson via Kinoausstrahlung aus der Taufe gehoben)? Es gibt zusätzliches Geld, zudem kann Apple allfällige Auszeichnungen bei Filmpreisverleihungen besser vermarkten (die prestigeträchtige Teilnahme an den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ist seit 2018 an die Kinopräsenz in Frankreich gebunden).
Mit den Filmbewertungen bei Netflix wird übrigens nicht die Attraktivität des Films für andere User bewertet. Wer etwa „Iron Man 3“ mit einem Daumen hoch bewertet, bekommt sehr wahrscheinlich ein anderes Superhelden-Universum wie „Justice League“ vorgeschlagen. Die absolute Kundenorien­tierung geht aber noch einen Schritt ‘weiter, in „Bandersnatch“ ermöglichte Netflix den Zuschauern, die nächsten Schritte des Protagonisten und somit den Handlungsverlauf zu steuern.

Neue Anbieter und Partner

Angekündigt, aber zu Redaktionsschluss noch nicht umgesetzt, wird das Angebot der Online-Videothek Maxdome zukünftig von Joyn.at abgedeckt. Besonders für preissensitive Kunden waren neben der Flatrate die attraktiven Leih- und Kaufgebühren für die mehr als 50.000 Titel ein Auswahlgrund. Robert de Niros „Joker“ gibt’s aktuell um 5,99 zu leihen, um 14,99 zu kaufen, die Stralsund-Krimis aktuell um 1,99 Euro.
Joyn (ProSiebenSat1-Gruppe) wird bei der Monatsgebühr einen Euro billiger, das Streaming in alter, geringer SD-Auflösung etwa fürs Anschauen auf dem Smartphone ist sogar kostenlos.
Das Streaming-Pendant der RTL-Gruppe heißt TVNow. Einfaches Streaming ist gratis, die Premium-Variante schlägt mit 4,99 Euro pro Monat zubuche. Um die kostenlose Version zu finanzieren, gibt’s Werbeeinblendungen, wer das – bei keinem Anbieter – will, muss die Bezahlversion wählen.
Letzten Herbst hatte Sky die Disney-Sender Cinemagic und Disney XD aus dem Programm geworfen, möglicherweise steht Disney+ vor einem Revival bei Sky Q (siehe Februar-GEWINN). Für Aufsehen sorgte der Deal mit Netflix, dessen Inhalte auf der Sky-Q-Plattform zur Verfügung stehen. Ein etwas teureres Abo für zwei Dienste soll die Kunden auf der eigenen Plattform halten und vermeiden, dass sie mit einem (Zweit-)Abo fremdgehen.
Amazon Prime Video punktet durch die Integration in den um 69 Euro pro Jahr erhältlichen kos­tenlosen Zustellservice und das Angebot von Amazon Musik. Mit der vollen Integration in das Amazon-Universum ist der Zugang niederschwellig und einfach, Leih- und Kaufoptionen runden das Angebot ab. Auch Amazon beginnt damit, seine Kunden durch Eigenproduktionen fesseln und binden zu wollen. Unter „Amazon Originals“ stehen neue Produktionen wie „Royal Corgi – Der Liebling der Queen“ oder „The Hunter“ zum Streaming, auch Binge-Watching bereit. Es ist auch im ganzen EU-Ausland nutzbar, weltweit sonst nur Amazon Originals.
„Zappn.tv“ mit den Angeboten von ORF, ATV und Co. wird bald im Angebot von Joyn aufgehen. Urahn Zattoo ist leider nicht mehr in Österreich verfügbar. Via VPN kann man sich aber als „Bewohner“ eines anderen Landes, der Schweiz, deklarieren und die 200 angebotenen Fernsehsender nutzen.
Bei waipu.tv gibt es 129 Sender, 97 davon in HD um 9,99 Euro, was für Fernsehkonsumenten mit ausländischen Wurzeln eine Alternative zum Satellitenempfang von Fernsehsendern des Geburtslandes sein kann.
Tipp: Fußball-Weltverband Fifa stellt mit „WorldCupAtHome“ seit 21. März über 30 unvergessliche (Männer- und Frauen-)WM-Spiele für ein paar Wochen kostenlos online zur Verfügung. Unter www.fifa.com, oder auf dem Fifa-Channel auf YouTube.

Tipps fürs Streamen

  • Nötiges Tempo HD-Auflösung: 5 bis 6 Mbit/s; UHD = 4K-Auflösung: Amazon 15 Mbit/s, Netflix/Apple: 25 Mbit/s (Netflix, Amazon, YouTube haben angekündigt, die Datenmenge um bis zu 25 Prozent zu reduzieren)

  • Streaming auf alten, nicht smarten TVs dank USB-Stick & Co.: Amazon Fire TV, Google Chromecast oder Nvidia Shield


>> Zum Downlaod: Streaming-Anbieter im Vergleich


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