Wenn das Fenster von allein geöffnet wird

Innovative Luftgütesen­soren warnen im Smart Home und Office vor schlechter Luft oder zu viel Luftfeuchtigkeit und können sogar Fenster öffnen oder die Belüftung aktivieren.

Velux Dachflächenfenster neuester Generation „Active“ lassen sich mit Homekit öffnen, schließen, mit einem Rollo verdunkeln etc. (Foto: Velux)

Schlechte Luft ist ein Produktivitätskiller, kann krank machen und das geruchlose Kohlenmonoxid ist für ­Menschen tödlich. Schlecht gelüftete (Büro-)Räume, vor allem mit alten Laserdruckern bestückt, die Ozon und Feinstaub ausstoßen, haben oftmals eine schlechtere Luftqualität als Bewohner an einer viel befahrenen Straße. Zu hohe Luftfeuchtigkeit in Räumen wiederum verursacht Schimmel und gefährdet die Bausubstanz. Das richtige Lüftverhalten ist ja bekanntlich bei Schimmelbefall Streitpunkt Nummer eins zwischen Vermietern und Mietern. Da können intelligente Sensoren helfen. GEWINN stellt einige vor.

Raumluftschnüffler

Der um rund 299 US-Dollar erhältliche, neue, achtfache Luftgütesensor uHoo-Air misst neben Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck, Kohlenmonoxid und Dioxid sowie Ozon auch den Feinstaub (PM2.5, fine particulate matter). Das sind kleinste Partikel in der Größe von 2,5 µm, die auch lungengängig sind, das heißt aus der Lunge in den Körper diffundieren und krank machen. Mit dem Sensor Nummer acht (VOC Sensor; Volatile Organic Compounds) wird die Belastung der Luft mit Lösungsmitteln und anderen flüchtigen chemisch-organischen Substanzen gemessen. Das sind alles Reiz- und Geruchsstoffe, die aus neuen lackierten Möbeln oder aus der Wandfärbelung in die Raumluft abgegeben wird (z. B. Formaldehyd, Butylacetat, Styrol, Hexanal, Substanz 3-Caren etc.). In Echtzeit werden die Daten auf die dazugehörige App übertragen, bei der Überschreitung von eingestellten Schwellenwerten wird automatisch Alarm ausgelöst. Über universelle Schnittstellen wie z. B. IFTTT (if this then that), die von Laien „programmiert“ werden können, wird dann im smarten Home z. B. ein Fenster geöffnet.

Der neue Foobot wiederum signalisiert die aktuelle Luftqualität auch mit einer farbigen LED am Gehäuse. Er kann mit seinem Sensor für flüchtige organische Verbindungen auch Allergene aufspüren und die Besitzer rechtzeitig warnen oder eine Lüftung in Betrieb setzen. Der z. B. auf Amazon bestellbare Foobot kostet 199 Euro, eine erste Tranche ist allerdings bereits ausverkauft.

In der App bekommt der Nutzer nicht nur den aktuellen Status der Raumluft angezeigt, sondern kann sich auch die Historie anzeigen lassen und sich Tipps holen, wie die Luftqualität zu Hause dauerhaft auf einem guten Niveau gehalten werden kann. Die Vernetzungsmöglichkeit per IFTTT erlaubt die Integration in Smart-Home-/Smart-Office-Installationen, so kann etwa die Raumbeleuchtung aufblinken, wenn das Fenster mal wieder geöffnet werden sollte.

Smart Home Integration

Deutlich preisgünstiger, aber auch mit weniger Sensoren ausgestattet ist der Apple Homekit-kompatible Netatmo Healthy Home Coach. Um 99 Euro im Webshop von Netatmo erhältlich ist der smarte Sensor auch Siri-sprachgesteuert, das läuft dann so: „Hey Siri, wie ist die Luftqualität im Schlafzimmer?“ Antwort: „Die Luftqualität ist gut.“

Automatisierungen auf Basis der gemeldeten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte sind ab iOS 11 integriert. Velux Dachflächenfenster neuester (Steuerungs-)Generation „Active“ z. B. lassen sich mit Homekit öffnen, schließen oder mit einem Rollo verdunkeln. In Kombination mit Licht- und Regensensoren lassen sich dann bequeme Szenarien programmieren, die ein gutes Raumklima mit automatischer Beschattung schaffen. Wenn es regnet wird nicht belüftet, im Winter wird das Fenster nur bei schlechter Luft geöffnet, bis sich die Raumtemperatur auf 18 Grad reduziert hat. Im Sommer kann das Fenster in der Nacht geöffnet bleiben und ab einer einstellbaren Lux-Sonneneinstrahlung wird die Markise geschlossen etc.

Der 149,95 Euro teure Homematic Funk-Luftgüte-/CO2-Sensor von E3Q aus Deutschland kann direkt den Fens­terantrieb Winmatic des gleichnamigen Herstellers ansteuern. Der kann, statt eines Fensterriegels montiert, (kippbare) Fenster automatisch kippen und wieder (ver-)schließen. Dabei ist die Steuerung so gestaltet, dass sie einem Einbruchsversuch widersteht oder sich z. B. bei einem Einbruchsalarm verschließt. Verschlechtert sich die Luftqualität, gemessen an einem zu hohen CO2-Anteil, wird das Fenster gekippt, solange der Besitzer dies wünscht (= programmiert) oder bis sich die Luftqualität wieder auf einen bestimmten Wert verbessert hat.

Fenster auf – automatisch

Die oberösterreichischen Homematic-Spezialisten von Loxone haben zwei Partner an Bord geholt, damit die Lüftungssteuerung via Fensterlüftung direkt vom Loxone-Miniserver übernommen werden kann. Für die, auch nachträglich zu installierende, dezentrale Wohnraumlüftung des deutschen Herstellers Marley gibt es eine Direktsteuerung. Der Leaf 1/Air um 719 Euro im Webshop (shop.leaf-ventilation.de) kann auch in bestehenden Häusern nachgerüstet werden. Mit bis zu 91 Prozent Wärmerückgewinnung wird Außenluft beim Ansaugen angewärmt, im Minutentakt dreht sich der Prozess um und die warme Innenluft gibt beim Ausblasen die Raumwärme an den Wärmespeicher ab, der beim nächsten Zyklus damit wieder die frische Außenluft anwärmt. Ist eine Person im Raum anwesend, kann der geringe Geräuschpegel durch Drehzahlabsenkung nochmals verringert werden, um einen leichten Schlaf nicht zu stören. Ist die Luftfeuchtigkeit außen zu hoch, wird auf trockenere Außenluft gewartet, aber nur so lange, bis die Qualität der Luft für eine anwesende Person zu schlecht geworden ist – dann gilt wieder Frischluft vor Luftfeuchtigkeit. Mit der Smart-Home-Steuerung lassen sich einerseits vorgefertigte Profile auswählen oder im Expertenmodus individuelle persönliche Vorlieben programmieren.

Der Fensterhersteller Internorm wiederum hat seine Fensterlüftung und Beschattung Loxone-kompatibel gemacht. Die Loxone-(Funk-)Steuerung für Internorms I-tec Lüftung und I-tec Beschattung gibt’s um 307 Euro und kann bis zu 40 I-tec Elemente (= Fenster) ansteuern. Befinden sich z. B. mehrere Personen im Raum, steuert die Loxone auf kürzere Lüftungsintervalle, bei Feuchte oder Hitze draußen bleibt die Lüftung inaktiv. Im Arbeitszimmer wird z. B. dann gelüftet (ohne das Fenster zu öffnen), bevor der CO2-Gehalt in der verbrauchten Raumluft Kopfschmerzen verursachen kann.

Auch der Fensterhersteller Schüco baut Smart-Home-steuerbare Fensterlüftungen ein, die statt der manuellen Fensteröffnung immer, Tag und Nacht, für ein geldbörselschonendes Lüften und minimierten Heizaufwand sorgen.

Für mehr Sicherheit sorgt der Elgato CO-Sensor, den es sowohl für Apples Homekit als auch für den offenen Technikstandard Z-Wave ab rund 90 Euro gibt. In der Nähe der heimischen Gastherme montiert kann er bei zu hohem CO-Gehalt warnen – wahlweise über die Smart-Home-Anbindung oder Stand-Alone mit einem lauten Alarmton.

Der Elgato Eve Room ab rund 70 Euro ist ebenfalls Apple-kompatibel und warnt mit der Messung von CO2, Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch bei zu trockenen Räumen im Winter. Mit einer Schaltsteckdose kann ein Raumbefeuchter angesteuert werden, um einerseits ein angenehmes Klima zu schaffen und andererseits Holzböden oder Holzmöbel vor dem Austrocknen zu schützen. Das funktioniert bequem auch über die Apple Watch oder das iPhone und natürlich über Apple TV als Steuerungszentrale für das smarte Home. End-to-End-Verschlüsselung soll dafür sorgen, dass kein Datenklau oder keine Fernsteuerung durch Hacker erfolgen kann.

Last, but not least der Afriso Smart Home CO2-Sensor F, der, ab rund 204 Euro bei Internet-Händlern erhältlich, das Smarthome Protokoll Enocean unterstützt. Damit springen auch bewährte und bekannte Hersteller von Sicherheitslösungen auf den smarten Home- und Office-Trend auf, indem sie bewährte Technik ins Netz „funken“ lassen.

Fazit

Dem Trend zu gesunder Luft in Büroräumen und zu Hause tragen die Hersteller von Luftgütesensoren Rechnung. Wer zur Miete wohnt, kann sich via App warnen lassen, muss aber das Fenster zum Lüften weiterhin selbst öffnen. Mit einer dezentralen Wohnraumlüftung können feuchte (Keller-)Räume wohntauglich gemacht werden, wer in einem der modernen Dachausbauten wohnt, weiß die Regenautomatik zu schätzen. Mit einer Smart-Home-Steuerung jetzt auch automatisch lüften, wenn es z. B. im Sommer draußen noch kühler oder die Luft stickig ist, ist dann purer Luxus.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.