3D-Fotostudio Dagubert

Das Tiroler Unternehmen 3D Elements will den Online-Modehandel dank dritter Dimension erobern.

3D-Fotodrucke sind für Florian Tursky (li.) von 3D Elements nur das halbe Animo: „Wir wollen mit den 3D-Daten direkt in die Apps von Modehändlern.“ (Foto: Mountainmaster/Mariano D. Tuan)

Haben Sie ein 21 Zentimeter großes Pendant von Ihnen oder Ihren Liebsten vor sich stehen? Aus einem 3D-Fotostudio, gedruckt von einem 3D-Drucker? Unternehmen wie 3D Elements aus Tirol haben spezielle Fotokabinen im Einsatz, in denen Menschen oder Tiere von 80 bis 150 Kameras aus allen Blickwinkeln gleichzeitig fotografiert werden. Aus den daraus gewonnenen Daten entsteht ein virtuelles und schlussendlich in der Grafikabteilung ein kleines 3D-Druckmodell von Ihnen.

3D Elements entstand 2014 aus dem Agenturgeschäft heraus. Geschäftsführer Florian Tursky: „Wir kauften vier Studios, allerdings war das System technisch nicht so ausgereift, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Zudem dauerte die Nachbearbeitung bis zu zwölf Stunden. Tursky: „Das wirkte sich negativ auf die Marge aus.“ Auf dem Markt  sind solche 3D-Fotostudios immer noch im Einsatz, die Kunden berappen ab 100 Euro für die kleinste Druckgröße.

Alte Fotoprobleme ausgemerzt

Tursky holte sich daher mit dem AIT und Physiotherm (Partner bei der indus­t­riellen Fertigung der 3D-Fotokabinen, sind hauptsächlich Hersteller von Inf­rarotkabinen) Forschungspartner, „mit dem Ziel, perfekte 3D-Modelle ohne langwierige Nachbearbeitung zu kreieren“. Die Fotos wandern direkt nach dem Shooting in eine Cloud zur automatisierten Nachbearbeitung, eine halbe Stunde später ist die virtuelle Figur fertig, nach dem Druck bekommt sie der Kunde per Post zugestellt. Auch die berüchtigten Probleme mit reflektierenden Kleidermaterialien, transparenter und schwarzen Stoffen werden durch ein eigens entwickeltes Infrarotfotoverfahren umgangen. Tursky: „Wir legen einen Inf­rarotraster über das Modell, damit bekommen wir auch bei für die Kameras problematischem Schwarz verwertbare Referenzpunkte.“ (In der Fachsprache: Das Motiv „säuft“ im Druck nicht ab, man erkennt alle darin enthaltenen Konturen, nicht bloß eine schwarze Fläche.)

Interessant: Modeindustrie

Doch dieses Geschäft ist für Tursky eigentlich nur die Basis für den laufenden Cashflow. Anders als die Konkurrenz geht es ihm um die Frage, welche 3D-Anwendungen aus den durch die Vermessung des Menschen vorhandenen Daten entstehen können. Tursky: „Uns stehen die Halsweite, die Schulterbreite etc. zur Verfügung. Diese Daten sind für die Kunden und die Modeindustrie gleichermaßen interessant. Diese 3D-Daten könnten direkt in die Apps von Anbietern wie Zalando, Amazon oder andere integriert und mit den Größen etwa von blauen Anzügen oder T-Shirts abgeglichen werden. Der Kunde bekommt die Info, welcher Anzug oder welches Kleid am besten passt, der Händler erspart sich die teuren Retouren, denn bislang ist es üblich, dass Online-Kunden mindestens zwei verschiedene Größen ordern, anprobieren und jene, die nicht passt, auf Kosten der Händler retournieren.“

Tursky denkt aber auch optisch: „Wenn der blaue Anzug im Online- Shop 3D-mäßig fotografiert wurde, kann man die Daten beider Aufnahmen verknüpfen und der Kunde sieht direkt am Screen, wie ihm der Anzug steht.“

Strategischer Partner gesucht

Haupteigentümer (85 Prozent) der acht Mitarbeiter großen 3D Elements GmbH ist die Agentur P8, mit weiters neben Tursky (drei Prozent) noch Chris­toph Swarovski (sieben Prozent) und Oliver Lux (fünf Prozent). Investmentangebote gibt es, allerdings noch nicht von passenden strategischen Investoren. Und nur ein Investor („Der beste strategische Partner wäre mit Sicherheit Amazon“), der Türen in die Textil- oder generell die Online-Industrie öffnet sowie zwei bis drei Millionen Euro einbringt, macht für Tursky Sinn. 3D Elements rollt die Studios unter „Dagubert“ aus bzw. stellt sie anderen Unternehmen unter deren Marke auf Leasing-Basis für Kooperationen, Kundenveranstaltungen etc. zur Verfügung. Bis Ende 2016 wollen die Tiroler 25 Standorte österreichweit im Einsatz haben. Ein 3D-Fotostudio Dagubert kostet derzeit 69.000 Euro. 

Und wenn es mit dem Investor nicht klappt? „Wir sind durchfinanziert. Aber ohne strategischen Investor müssten wir die Zahl von 25 Studios reduzieren und kleiner denken“, so Tursky.

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