Die paneuropäische Cloud

Gaia ist die Göttin der Erde, Urmutter aller Götter – und Namens geberin der „Eurocloud“. Mit Gaia-X soll eine sichere europäische Cloud als Alternative zu transatlantischen Anbietern etabliert werden.

(Foto: BMDW/Philipp Hartberger)

Die von Deutschland und Frankreich initiierte Eurocloud, an der mittlerweile über 300 Unternehmen und Organisationen auch in Österreich aktiv mitwirken, hat sich vier Ziele gesetzt: Digitale- und Datensouveränität soll über eine Dateninfrastruktur sichergestellt werden, die dem Eigentümer die Kontrolle über „seine“ Daten zurückgibt. Und die Entscheidung, wer Zugriff auf diese Daten bekommt, soll unabhängig getroffen werden können. Wer sich heute etwa als KMU an einen Cloudanbieter wendet, ist in vielerlei Hinsicht von diesem abhängig. Die Hürden bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter sind enorm. Mit Gaia-X sollen diese Abhängigkeiten fallen und das führt zum dritten Punkt, der Attraktivierung von Cloud-Diens - ten. Durch eine auf Open Source basierende Lösung sollen Daten besser und effizienter genutzt werden können – was zu Punkt vier führt: Transparenz und Offenheit, was zur Förderung von Innovationen führen soll. Das soll durch das digitale Ökosystem von GaiaX erfolgen, das innovative Geschäftsmodelle durch einfache Skalierung unterstützen wird.

„Nicht nur aus Gründen der Datensouveränität – Stichwort US Cloud Act – sind Unternehmen und öffentliche Institutionen gut beraten, auf die OpenStack-Technologie europäischer Cloud-Anbieter zu setzen“, weiß Christian Bacher von Smart Engine.

„Mit Gaia-X ist es einfach und sicher, die riesigen Datenmengen zum Beispiel aus Industrie 4.0 so auszutauschen, dass kein Unbefugter mitlesen kann.“

Österreichs Gaia-Themen

Für den österreichischen Hub, so bezeichnet Gaia-X die Länderorganisationen, ist noch kein Fachthema vergeben. Die 16 Siegerprojekte des deutschen Förderwettbewerbs erhalten rund 122 Millionen Euro für 36 Monate, um Leuchtturmprojekte für den technologischen und ökonomischen Nutzen umzusetzen. Mit Autowerkstatt 4.0 soll z. B. eine einfache und zielgerichtete Fehlersuche in Kraftfahrzeugen umgesetzt werden.

Für Österreich gäbe es noch die Möglichkeit, sich in den Themenfeldern Tourismus oder „Green Deal“ zu engagieren. Sieben Use Cases hat das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort identifiziert und als Gaia-X-fit erkannt. Parallel dazu wird die Initiative der Ö-Cloud auf Kompatibilität zu Gaia-X getrimmt. 26 Unternehmen wollen dazu ihre Cloud-Services Ö-Cloud-zertifizieren lassen, nach der Phase der Self Assessments wird es dann auch eine Einschau durch Sachverständige geben. Unter den Ersten sind etwa Fabasoft, die IT-Services der Sozialversicherung, Nextlayer, Atos und T-Systems.

„Gaia-X lässt unseren Kunden die Wahl, welche Cloud sie nutzen wollen. Gaia-X bietet auch mittelständischen Unternehmen einen besseren Zugang zu Cloud-Lösungen, weil die Infrastruktur ihnen mehr Datensouveränität und Datenschutz und damit mehr Schutz ihres geistigen Eigentums ermöglicht“, freut sich etwa Ursula Litschka, T-Systems Austria & Switzerland, über das Ö-Cloud-Gütesiegel aus der Hand von BM Margarete Schramböck.

Wenn also in Ihrem Unternehmen die Entscheidung für Cloud Services ansteht, sollte die Entscheidung auch unter dem Aspekt Gaia-X eines Ö-Cloud-Partners fallen. Aber noch muss Gaia-X einige Hürden in der Praxis schaffen. Etwa die Umsetzung der Federation Services, quasi die Software von Gaia-X, in den Open-Source-Quellcodes bis Ende dieses Jahres. Auch die Partner, die die Vertrauenswürdigkeit der Gaia-X-Dienste sicherstellen sollen, müssen erst ausgewählt werden, in Deutschland könnte das z. B. der TÜV sein. Der automobile Datenraum Catena-X ist für „verpartnerte“ Unternehmen ein erster Erfolg, um große Datenmengen etwa aus dem autonomen Fahren anonymisiert zur Verfügung stellen zu können.

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