Digitales Preisetikett

Digitale Preisschilder helfen Kosten sparen, sagen die Handelsunternehmen. Preisänderungen auf Knopfdruck befürchten Konsumentenschützer – jetzt wird auch der österreichische Markt getestet.

SPAR hat seine Filiale am Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität mit neuen, digitalen Preisschildern ausgestattet. Der Preis auf den Schildern kommt zentral vom Server (Foto: Spar)

SPAR hat seine Filiale am neuen Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität mit digitalen Preisschildern ausgestattet, dort hat das alte Papier­etikett bereits ausgedient. Neben Merkurs Minimarkt am Wiener Westbahnhof werden demnächst ein BILLA- und ein Merkur-Markt in Wien mit digitalen Preisschildern ausgestattet. Electronic Shelf Labels (ESL) oder zu deutsch digitale Preisschilder funktionieren ähnlich einem e-Book Reader: das Display schaut aus wie „Papier“, benötigt im Ruhezustand keinen Strom und keine extra Beleuchtung, wie z. B. ein Computerdisplay. Bei einem oberflächlichen Hingucken fallen die digitalen Preisschilder im Vergleich zu den Papiereti­ketten deshalb kaum auf, die neuen ESL sind nämlich auch schon farbig. 

Preiswertere Ausführungen der ESL besitzen „nur“ ein LCD-Display, auf dem der Preis angezeigt wird. Beim E-Paper können neben dem Logo und weiteren Produktinformationen auch z. B. Barcodes angezeigt werden, damit der Kunde via Smartphone weitere Informationen abrufen kann.

Gut so, denn noch ist nicht klar, wie österreichische Konsumenten auf die neue Preisauszeichnung reagieren werden. Nach deutschem Vorbild werden in Österreich vorerst keine schnellen Flatterpreise in den Handel einziehen.

Funk oder Infrarot

Angesteuert werden die elektronischen Preisetiketten über Funk oder Infrarot. Funk erreicht eine deutlich größere Reichweite als eine optische Anbindung etwa über Infrarot, das andererseits weniger Störungsanfälligkeit gegenüber dem Funksalat bietet, wenn Hunderte Kunden mit dem Smartphone im Geschäft sind. Stromsparmechanismen sorgen dafür, dass die ESL bis zu fünf Jahren ohne Batteriewechsel aushalten. Nur zum Zeitpunkt der Umprogrammierung, also wenn ein neuer Preis angezeigt werden soll, wird Strom vom e-Paper benötigt. Das ermöglicht einfache Nachrüstung auch dort, wo aktuell keine Stromversorgung im Regal verfügbar ist. Und bei neuen integ­rierten Systemen wird ein ganzes Regal mit vielen Preisschildern via Akku versorgt oder bei beleuchteten Regalen steht dann sowieso Stromanbindung zur Verfügung.

Die Vorteile für den Handel 

Aber wozu das Ganze eigentlich? 15.000 bis 50.000 Preisschilder gibt es in einem durchschnittlichen Supermarkt, ein riesiger Aufwand für die Mitarbeiter, wenn hier Preise für Aktionen geändert werden sollen. Die Etiketten müssen zuerst gedruckt und dann händisch gegen die alten ausgetauscht werden, Fehlerquote inklusive. Der Preis auf den digitalen Preisschildern kommt vom Server auf Knopfdruck, vor Ort oder auch aus der Hunderte Kilometer entfernten Unternehmenszentrale. Offene Schnittstellen sorgen für die reibungslose Anbindung an das jeweilige Warenwirtschaftssys­tem. Und jedes Preisschild meldet sich zurück, ob es den neuen Preis empfangen hat und die Stromversorgung okay ist. Somit sind Preisänderungen theoretisch im Stundentakt möglich, was vor allem Konsumentenschützer beunruhigt, die auch im Handel dunkle Wolken wie bei den Spritpreisen an der Tanke aufsteigen sehen. In Deutschland, wo bereits deutlich mehr Märkte im Lebensmittel- und Elektronikhandel ausgerüstet sind, gibt es allerdings derzeit ein Stillhalteabkommen, bei dem die Preise maximal einmal täglich und nur außerhalb der Geschäftszeiten geändert werden dürfen.

GEWINN-Jungunternehmer mischt kräftig mit

Die Sieger des GEWINN-Jungunternehmerwettbewerbs 2013, die Imagotag aus Graz, ist groß ins Business mit den ESL eingestiegen und liefert mittlerweile weltweit Tausende der ESL aus. Seit Jänner in strategischer Partnerschaft mit Store Electronic Systems, vermarktet unter der Marke SES-imagotag, konnte erst kürzlich der dänische Einrichtungsfachhändler JYSK Nordic als Kunde gewonnen werden. Dort werden die e-Paper-Preisschilder inklusive einem NFC-Chip zum Einsatz kommen, damit Kunden den Link zu zusätzlichen Infos zu Couch oder Wohnwand per Kurzstreckenfunk abholen können. Addiert man die kommunizierten Stückzahlen der Topanbieter, wurden 2015 bereits mehr als 150 Millionen Preisschilder auf ESL umgestellt. 

Welcher Preis auf den alten papierenen bzw. den neuen elektronischen Schildern auftaucht, ist weiterhin nur ein informativer. Erst an der Kasse wird aus dem Angebotspreis der richtige Kaufpreis. Dank IT-Unterstützung sollten damit Auszeichnungsfehler und Betrugsversuche durch geänderte Preispickerl der Vergangenheit angehören.

Apropos Preis: Der Einsatz von digitalen Preisschildern lohnt sich dort, wo IT-gestützte Warenwirtschaftssysteme zum Einsatz kommen oder der Weg zum einzelnen Preisschild, etwa auf einem Gebrauchtwagenplatz, sehr weit ist. Einfache LCD-Preisschilder gibt es ab einem Euro, Projektpreise bei fünf bis sieben Zoll großen farbigen E-Paper- Preisschildern liegen inklusive Software und Ansteuerung bei bis zu 20 Euro pro Schild.

Fazit

Der digitale Umbruch im Handel gewinnt mit den ESL deutlich an Fahrt. Ein Preis über alle Kanäle, dem preissensitiven Online-Geschäft folgt nun auch der stationäre Handel. Damit hat zukünftig das Angebot der Woche, die Monatsaktion oder der dauerhaft gesenkte Preis ein Ablaufdatum. Und den analogen Papierprospekt wird die nächs­te Generation bald nur noch aus dem Museum kennen. 

Schon folgen die nächsten Ideen bei der Handelsdigitalisierung, wie das Einspielen von Zusatzinformationen auf einem Display, wenn man die Ware aus dem Regal nimmt, oder der intelligente Einkaufswagen, der zu den hineingelegten Nudeln die Pasta empfiehlt.

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