Kratzfrei gegen die Sonne

Ein Tiroler Unternehmen hat den Durchblick und lässt Seilbahn- und Helikopterscheiben kratzfrei gegen die Sonne fahren und fliegen.

Hat den Durchblick, wie man zerkratzte Kunststoffscheiben wieder klar macht – Rudolf Koffou, Gründer von Durch-Blick aus Kufstein (Foto: Durch-Blick)

Das Austauschen zerkratzter Scheiben bei einem EC 135, dem gängigsten Hubschraubermodell, kostet zwischen 30.000 und 35.000 Euro und kann mit Lieferzeit und Einbau schon einige Tage Stehzeit verursachen, das Abschleifen und Polieren dagegen 2.500 und 3.000 Euro und ist in einem Tag erledigt. Zumindest wenn es die Firma Durch-Blick aus Kufstein in Tirol macht. Den Vorsprung vor Mitbewerbern, die es gibt, hält man durch viel Erfahrung und eigene Entwicklungen. Bei der Gründung des Unternehmens 2005 waren es zuerst Flexibilität und dann Mut, die zum Erfolg führten.

Gute Idee, schwerer Start

Das Problem ist evident: Scheiben aus Kunststoff können zerkratzt werden. Wenn man Kratzer wegschleift, hat man eine trübe Scheibe und diese trübe Scheibe muss aufpoliert werden. Beim Polieren entsteht Reibung. Bei Reibung entsteht Wärme und wenn auf Kunststoffoberflächen Wärme entsteht, dann verformt sich die Scheibe. Es entstehen Sprünge, Vergilbungen, Auskolkungen von Weichmachern. 

„Wir haben eine Politur entwickelt, die beim Polieren nicht warm wird und eine unheimliche Brillanz entwickelt. Wenn wir Scheiben bearbeiten, sehen sie danach aus wie neu. Man kann nicht erkennen, dass diese Scheiben bearbeitet wurden“, erklärt Rudolf Koffou, Geschäftsführer und Gründer von Durch-Blick und davor selbst in der Luftfahrtbranche tätig. 

Trotzdem begegnete man ihm zuerst mit Skepsis. „Uns glaubte niemand. Es gab keine Erfahrungswerte, keine Zertifikate, keine Referenzen“, beschreibt Koffou die damalige, nicht einfache Gründerphase. Das Tiroler Unternehmen nahm daher statt der Flug- zuerst die Seilbahnbranche ins Visier. 

Die Seilbahnwirtschaft hatte in den 1990er-Jahren begonnen, massiv aufzurüsten. „Als die Kabinen zehn, 15 Jahre alt waren, sind wir genau mit unserem System auf den Markt gekommen.“ Mit offenen Armen wurde Durch-Blick aber auch bei den Liftbetreibern nicht aufgenommen. Das Angebot Koffous: „Wir können euch die Kratzer aus euren Scheiben herauspolieren“ quittierten die Seilbahner mit: „Das kennen wir schon. Das funktioniert nicht.“ Das ließ sich Koffou nicht zweimal sagen. Kurzerhand wurde das Wiederaufbereitungssystem an die Anforderungen der Seilbahnwirtschaft angepasst. „Wir haben gesehen, dass die Scheiben bei den Seilbahnen dicker sind als Helikopterscheiben, und haben dann das System für die Seilbahnen perfektioniert.“ Das erste halbe Jahr sei man zwar fast verhungert, aber der erste Großauftrag von den St. Johanner Bergbahnen – Geschäftsführer Ingo Karl war zur damaligen Zeit Vorstand im österreichischen Seilbahnverband – brachte die Sache im November 2005 schließlich en gros ins Rollen.

Das Who’s who als Kunden

Im Jahr 2016 liest sich die Kundenreferenzliste wie das Who’s who der internationalen Seilbahnwirtschaft. Sämtliche namhaften Skigebiete zählen ebenso zur Kundschaft von Durch-Blick wie die Seilbahnhersteller Doppelmayr und Leitner sowie deutsche, Schweizer und italienische Seilbahnen. Koffou: „Unser größter Kunde sind die Zermatter Bergbahnen. Für die Schweizer arbeiten wir jedes Jahr und sind im Juni etwa drei bis vier Wochen vor Ort.“

Bei den Seilbahnen reinigt Durch-Blick längst nicht nur die Kunststoff- bzw. Plexiglasscheiben der Kabinen, sondern auch die Hauben bei den Sesselliften. Diese bestehen aus Polykarbonat und sind im Unterschied zu Plexiglas nicht UV-beständig. Auch dafür hat Durch-Blick ein eigenes System entwickelt. Heute sei man nicht bloß „Scheibenputzer und Kratzerentferner“ für Kabinenscheiben und Sesselhauben, sondern Problemlöser für die Seilbahnwirtschaft. „Wir sind inzwischen auch Partner von Doppelmayr und behandeln alle Dachscheiben der Doppelmayr-Seilbahnen, schneiden z. B. alte Scheiben heraus, setzen neue ein und versiegeln sie oder polieren die Polykarbonatscheiben auf und folieren sie neu.“

Aber nicht nur Seilbahnen stehen auf der Kundenliste, heute „behandelt“ Durch-Blick etwa auch alle 55 in ganz Deutschland stationierten Hubschrauber des ADAC und zählt auch den ÖAMTC, Heli Air Austria und die Air Zermatt zu seinen Kunden.

Red Bull verleiht tatsächlich Flügel

Trotz der anfänglichen Skepsis hat es also dann auch mit der Luftfahrtbranche geklappt. Und tatsächlich hat dabei ein bekannter Energy-Drink „die Flügel verliehen“. Denn irgendwann 2007 meldeten sich The Flying Bulls bei Durch-Blick. Die Scheiben eines Cobra Kampfhubschraubers waren bei einem Transport beschädigt und zerkratzt worden. Koffou und sein Team lehnten den Auftrag erst einmal ab und rieten zum Austausch der Scheibe. „Uns war das Risiko, die Scheiben noch mehr zu beschädigen, einfach zu groß. Was so eine Hubschreiberscheibe kostet, da wäre unser Unternehmen pleite gegangen.“ Weil es aber für ein Modell wie den Cobra gar nicht so einfach ist, eine neue Scheibe zu bekommen, einigte man sich, dass The Flying Bulls das Risiko übernehmen. „Ich habe begonnen, die erste Scheibe zu polieren, bis sie ganz trüb wurde. Die besten Flugzeugmechaniker der Welt schauten mir dabei über die Schulter. Der Zweifel stand allen ins Gesicht geschrieben“, erinnert sich Koffou an diesen ersten schweißtreibenden Auftrag, den er höchstpersönlich ausgeführt hat. Sieben Stunden brauchte er dafür. Am Ende des Tages gab es Schulterklopfen von der Red- Bull-Crew und die Auszeichnung: „Du bist der wildeste Hund, den wir je gesehen haben.“

Seit diesem ersten Auftrag ist Durch-Blick bei The Flying Bulls Prob­lemlöser für alles. Auf Vordermann gebracht werden seither nicht nur die Plexiglasscheiben der Hubschrauberflotte, sondern auch die kompletten Aluminiumgehäuse der B25 und B38 aus der Kunstflugstaffel werden von Durch-Blick alle zwei Jahre poliert. Selbst die Falcon-Maschine von Red-Bull-Eigentümer Didi Mateschitz habe man schon lackversiegelt und poliert. „Wir sind die Einzigen, die das Know-how haben, in einem Flugbetrieb arbeiten zu können. Es herrschen ganz eigene Gesetze. Wir beherrschen diese.“

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