No vibrations aus dem Ländle

Wenn es um Lösungen geht, Schwingungen, die sich auf die Umgebung übertragen, in den Griff zu bekommen, ist Getzner aus Bürs in Vorarlberg weltweit gefragt.

Mit selbst entwickelten und selbst produzierten Werkstoffen ist Getzner führend bei Schwingungsisolierung. (Foto: Getzner Werkstoffe GmbH)

Ganz klar – es gibt gute Schwingungen und es gibt schlechte Schwingungen. Zu Letzteren zählen Lärm und Vibrationen, die durch Verkehr oder technische Anlagen verursacht werden und die, medizinisch bestätigt, unsere Lebens- und Arbeitsqualität beeinträchtigen. Aber nicht nur das – „bad vibrations“ haben auch negative Auswir- kungen auf Maschinen, Bauten und andere Konstruktionen.

Als selbsternannte „good vibrations company“ hat sich Getzner Werkstoffe aus Bürs in Vorarlberg auf das Thema Schwingungsisolierung spezialisiert und gilt mit seinen laufenden Innovationen in diesem Bereich als weltweit führend.

Purer Kunststoff statt Textil

Grundlage für das besondere Know- how ist zum einen der Kunststoff Polyurethan, zum anderen die Erfahrung Getzners im Umgang mit Textil – das Schwesterunternehmen Getzner Textil zählt zu den wenigen verbliebenen und ebenfalls international erfolgreichen Vorarlberger Textilunternehmen). Polyurethan kann zu einem textilen, elastischen Faserstoff verarbeitet werden. Jürgen Rainalter, Geschäftsführer von Getzner Werkstoffe: „Die Produktionstechnologie ist der Textilveredelung sehr ähnlich. Und aus Gesprächen mit Bahnbetreibern wussten wir, dass es einen Bedarf nach Lösungen zur Schwingungsisolierung und zum Erschütterungsschutz gab. Darin sahen wir eine attraktive Nische.“ Also begann man Anfang der 1970er zu experimentieren. Heraus kamen zwei als Marken registrierte Werkstoffe: Sylomer hat sich seit der Einführung 1977 zu einem der führenden Werkstoffe für Schwingungsisolierung auf dem Markt entwickelt. Sylodyn, „ein geschlossenzelliges Elastomer, das kein Wasser aufnimmt“, so Rainalter, und noch bessere dynamische Eigenschaften bietet.

Beides sind Polyurethan-Kunststoffe (sogenannte PUR-Elastomere), die sich bei Zug- und Druckbelastung verformen, aber immer wieder in ihre ursprüngliche Form zurückfinden. Solche PUR-Werkstoffe bieten zwar auch andere an und mit Gummi oder Kork gibt es zudem noch weitere Konkurrenten, aber, so Rainalter: „Der Hauptunterschied ist, dass unsere PUR-Werkstoffe eine höhere Dichte haben sowie auf höchste Anforderungen und Belastungen ausgelegt sind.“ Und für ganz spezielle Anforderungen lassen sich die Eigenschaften beider Werkstoffe zudem individuell modifizieren.

Getzner besitzt keine Patente, stattdessen vertraut man auf die geheimen Rezepturen, die nur sehr schwer zu kopieren sein sollen. Anwendung finden die beiden Werkstoffe im Nah- und Fernverkehr der Bahn, aber auch zur Isolierung von Trittschall in Fußböden und Treppen sowie zwischen Wänden und Decken oder auch zur Lagerung von Gebäuden und Maschinen.

Mehr als nur „Matte“

Der Hauptsitz von Getzner in Bürs ist daher zugleich Kompetenzzentrum. Derzeit arbeiten 22 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung, für den pro Jahr zirka fünf Prozent des Umsatzes von zuletzt 65,1 Millionen Euro (2013) investiert werden. Rainalter: „70 bis 80 Prozent sind kundengetriebene Forschung, 20 bis 30 Prozent sind Grundlagenforschung.“

In Bürs werden aber auch die Werkstoffe und Lösungen selbst produziert, lediglich die Rohstoffe kommen von externen Lieferanten. Getzner entwickelt und produziert aber nicht nur, sondern bietet seinen Kunden mit eigenen Simulationen, Berechnungsprogrammen, Messtechnik und konstruktivem Produktdesign einen Rundumservice – „von der Entwicklung bis hin zur Einbauüberwachung vor Ort“, so Rainalter: „Wir sehen uns nicht nur als Produzent von Matten, sondern als Lösungsanbieter, das heißt, wir betrachten Projekte ganzheitlich.“

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