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Vorbild Gigabit-City Frankfurt

Frankfurt am Main ist vor allem als wichtiger Finanzplatz und Verkehrsknotenpunkt bekannt. Doch auch als ­Internet-Knoten gilt die deutsche Stadt als Vorbild. GEWINN war mit der Energie AG Oberösterreich vor Ort, die in Riedersbach einen „Rechenzentrums-Hub“ plant.

Thomas King (DE-CIX), Werner Steinecker (Generaldirektor Energie AG) und Markus Achleitner (Wirtschaftslandesrat OÖ) beim Lokalaugenschein in einem Frankfurter Rechenzentrum (v. l. n. r.) (Foto: Energie AG OÖ)

Wenn man an Frankfurt denkt, denkt man meist zuerst an Banken (Stichwort „Mainhattan“), den Flughafen und Wolkenkratzer. Daneben ist die Stadt am Main aber auch Vorreiter in Sachen Digitalisierung und Vernetzung. Der Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) ist der führende Internet-Knoten der Welt. DE-CIX baut digitale Ökosysteme, hilft also seinen Kunden beim Datenaustausch. Die Dachorganisation von DE-CIX ist der „Eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.“.

Um die Dimension des Unternehmens zu verstehen, hilft folgendes Beispiel: Beim letzten Peak verarbeitete man alleine in Frankfurt 7,8 Terabytes Daten pro Sekunde. „Das entspricht etwa 1,2 Millionen Full-HD-Streams – zeitgleich“, erklärt Thomas King, Chief Technology Officer von DE-CIX. Anders ausgedrückt wären diese Datenmengen eine Strecke von 164 Kilometer voller bedruckter A4-Seiten. Weltweit lag der Peak von DE-CIX, das global 18 Internet-Austauschknotenpunkte betreibt, bei 13 Terabytes pro Sekunde.

Rechenzentren in Oberösterreich

Um diese gigantischen Datenmengen verarbeiten zu können, betreibt DE-CIX selbst keine Rechenzentren, sondern ist alleine in Frankfurt in 32 solcher eingemietet. Eines davon ist Interxion, das 14 Rechenzentren auf einem Campus am Main betreibt. Den Inhalt dieser Zentren kann man sich wie Serverfarmen vorstellen: Tausende gelbe Glasfaserkabel, blinkende Lichter und sogar ein Roboter, der Anschlüsse umsteckt. Jeder Anschluss verarbeitet durchschnittlich 100 Giga­byte pro Sekunde, die maximale Kapazität ist das Vierfache davon. Ein „Rack“, so werden die Serverschränke genannt, kostet eine halbe Million Euro. Eine Riesensumme, wenn man bedenkt, dass die Technik schon nach wenigen Jahren nicht mehr „State of the Art“ ist. Das Betreiben und Kühlen der Serverinf­rastruktur frisst extrem viel Strom, der Campus von Interxion verbraucht mittlerweile sogar mehr als der Frankfurter Flughafen.

Diese Rechenzentren gelten auch als Vorbild für die Energie AG. Erst kürzlich errichtete die deutsche Schwarz-Gruppe (Lidl) ihr Rechenzentrum in Riedersbach im Innviertel auf dem ehemaligen Standort eines Kohlekraftwerks der Energie AG. Dabei setzte sich der Standort gegenüber Südschweden und Tschechien durch. „Das ist uns vor allem wegen der geografischen Lage, der perfekten Stromversorgung und der ganzjährigen Flusswasserkühlung durch die Salzach gelungen“, zeigt sich der Generaldirektor der Energie AG, Werner Steinecker, erfreut.  Bis zu 36 weitere Rechenzentren hätten in Riedersbach Platz, also forciert die Energie AG deren Ansiedelung, plant gar einen „Rechenzentrums-Hub“. „Wir sprechen hier einerseits die Industrie mit Bedarf nach einem sicheren Betrieb ihrer Rechenzentren und andererseits die globalen großen Internet-Player an“, so Steinecker. In der Schublade liege außerdem ein fertiger und genehmigter Plan für ein Gaskraftwerk auf dem Standort.

Oberösterreich investiert in Breitband

Auch beim Thema Breitbandausbau gibt Oberösterreich Gas. Markus Achleitner, Wirtschaftslandesrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Energie AG, zeigt sich entschlossen: „Es gibt in Österreich kein anderes Bundesland, das für den Breitbandausbau nur annähernd so viel ausgibt wie wir.“ So hat sich das Bundesland bereits 204 Millionen der 600 Millionen Euro gesichert, die im Zuge der Breitbandmilliarde an die Länder verteilt werden. Das entspricht 180 Prozent der eigentlich für Oberösterreich vorgesehenen Mittel. „Wir müssen schließlich zukunftsfit bleiben“, so Achleitner.

Insgesamt investiert das Land bis 2021 sogar mehr als eine halbe Milliarde Euro in Glasfaserinfrastruktur. Dass Oberösterreich im Bereich Digitalisierung besonders gro­-ßes Engagement an den Tag legt, zeigt auch ein Blick auf den „Digital-Economy-and-Soci­ety-Index“ (DESI), mit dem die EU-Kommission die digitale Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit vergleicht. Hier rangiert Oberösterreich auf Rang sieben, während Österreich vier Plätze dahinter liegt.

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