Woran Österreich forscht

Wer sind unsere größten Erfinder? Und womit beschäftigen sie sich derzeit? Der druckfrische Jahresbericht des Österreichischen Patentamts deckt auf.

Bei AVL List wird die Mobilität der Zukunft entwickelt. Alleine 2019 hat das Unternehmen aus Graz 169 Patente angemeldet (Foto: AVL List)

Für Österreichs Innovationskraft war 2019 ein gutes Jahr, ein sehr gutes sogar. Nach Jahren einer gewissen Flaute zeigt die Zahl der weltweiten Patentanmeldungen von Österreichern wieder stark nach oben. Entsprechend zufrieden resümiert Mariana Karepova, Präsidentin des Österreichischen Patent­amtes, den am selben Tag wie dieses ­GEWINN extra veröffentlichten Bericht über das abgelaufene Erfinderjahr: „Mit 11.731 Patentanmeldungen haben österreichische Erfinder so viel wie noch nie zum Patent angemeldet. Mit dieser Zahl sind wir, relativ zur Bevölkerungsstärke, Nummer elf weltweit und Nummer sechs in der EU.“

Wo Österreich gut ist

Aber was sind das für Innovationen, die hierzulande entwickelt werden? Ein Blick auf die Erfindungen nach Branchen zeigt, dass Österreich vor allem in traditionellen Industriesektoren besonders stark ist: Maschinenbau, Verkehrstechnologien, Elekt­rotechnik, Mess- und Steuertechnik, Chemie. „Das sind klassische Medium- und Low-Tech-Sektoren“, erklärt Karepova: „Das Besondere in Österreich ist aber, dass die österreichischen Unternehmen aus diesen Sektoren, im Vergleich zu ihren Branchenkonkurrenten im Ausland, viel mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Wir können sagen, dass wir zwar mehrheitlich stärker in den mittel- bis niedrigtechnologischen Indust­riefeldern angesiedelt sind als in der Hochtechnologie – aber wir hier weltweit ziemlich unschlagbar sind!“

Die Beispiele dafür reichen vom Tunnelbau über die Stahlerzeugung bis zu den Seilbahnen und der Bahntechnologie. Karepova: „In diesen Bereichen hat unsere Industrie eine lange Geschichte.“
Außerdem sei Österreich gut bei Energie- und Umwelttechnologien, so Karepova weiter: „Da sind wir breit aufgestellt: Die Palette der Patente reicht von der Windkraft zur Stromerzeugung über Batterietechnologien bis hin zu umweltfreundlichen Verpackungen.“

Patentanmeldungen im Bereich Hochtechnologie sind aber im Kommen, allen voran zu den Themen Künstliche Intelligenz (KI) und Autonomes Fahren. Karepova: „Insbesondere bei den Technologien rund ums Autonome Fahren liegt Österreich gut im Rennen. Laut einer Studie des Europäischen Patentamtes liegen wir in Patentzahlen, verglichen mit den anderen EU-Ländern, hier auf Platz sieben.“

Österreichs Toperfinder

Was konkrete Namen betrifft, steht einer seit Jahren an der Spitze heimischer Innovatoren: AVL List. Das Unternehmen mit Sitz in Graz ist weltweit das größte unabhängige Unternehmen für die Entwicklung, Simulation und Erprobung aller Arten von Antriebssystemen für sämtliche Industrien, allen voran die Automobilindustrie.

Alleine beim Österreichischen Patentamt wurden in den letzten Jahren mehr als 700 Patente und Gebrauchsmus­ter angemeldet. 2019 waren es 169, so viele wie von niemandem sonst. Die Themen, denen sich AVL derzeit widmet, sind nachhaltige Elektromobilität sowie Autonomes Fahren. Helmut O. List, CEO und Sohn des Gründers Hans List: „Rund ein Drittel der AVL-Geschäftstätigkeit steht in direktem Zusammenhang mit der Elektrifizierung von Antriebssystemen.“

Ebenfalls eine sichere Bank als Top-erfinder ist Julius Blum aus Vorarlberg. 1952 hatte das Unternehmen mit Hufstollen begonnen. Heute kann keine Küche, die etwas auf sich hält, auf die Klappen-, Scharnier- sowie Auszugsysteme von Blum verzichten. 2019 wurden von Blum 79 neue Patente angemeldet.
Dahinter auf Platz drei mit 37 Patenten landete 2019 ein weiterer Weltmarktführer: Engel aus Schwertberg in Ober­österreich. Das Unternehmen ist führend bei Spritzgieß- und anderen Maschinen, die Hersteller von Kunststoffen benötigen.

Die Top drei in Europa

Etwas anders fiel das Rennen heimischer Unternehmen um die Topplatzierungen beim Europäischen Patentamt aus. Insgesamt wurden dort im letzten Jahr 2.274 Patente von Österreichern angemeldet. Ebenfalls so viele wie noch nie. Karepova: „Das sind 2,6 Prozent mehr als im Jahr davor, darunter viele Öko-Technologien.“
Grundsätzlich besteht kein Unterschied zwischen einer Anmeldung beim Österreichischen oder beim Europäischen Patentamt, erklärt Karepova, aber: „Je anspruchsvoller die Innovation ist, desto mehr Chancen habe ich, sie international zu vermarkten, und desto mehr lohnt es sich, aus einem österreichischen ein internationales Patent zu machen.“

Die meisten davon aus Österreich hat 2019 Borealis mit 179 gemacht, gefolgt von Tridonic mit 77 und ams mit 65. Borealis mit Sitz in Linz ist ein globaler Anbieter von Polyolefinen, Grundchemikalien und Düngemitteln, der vor Kurzem von der OMV übernommen wurde. Tridonic aus Dornbirn in Vorarlberg ist Teil der Zumtobel Group und führend bei intelligenten und effizienten Lichtlösungen. Im Fokus stehen vor allem LED-Systeme und Technologien für das vernetzte Licht. ams aus Premstätten in der Steiermark kennt man spätestens seit den Berichten um die noch immer nicht abgeschlossene Übernahme von Osram. Das Unternehmen ist weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung hochwertiger Sensorlösungen in den Bereichen Optik, Imaging, Umwelt und Audio. Wofür man die braucht? Kein Smartphone kommt ohne sie aus. Etwas mehr als die Hälfte der Kunden von ams stammt daher aus den Bereichen „Consumer & Communications“, der Rest aus „Automotive, Industrie, Medizin“.

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