Cucina Italiana in Wien

Italienische Lokale gibt es in Wien zuhauf, aber wo kann man tatsächlich richtig gut italienisch essen?

Im Agrodolce, einer Mischung aus Delikatessengeschäft, Bar und Lokal, kocht Alessandra Lussu eine der besten Pasta der Stadt (Foto: Agrodolce)

Zum Beispiel in der Kurrentgasse 12 im Ersten Bezirk. An dieser Adresse hat sich schon einmal ein Italiener einen Namen gemacht: Celestino Conte galt in grauer Urzeit als Pionier der italienischen Küche in Wien. Sein Lokal „Da Conte“ wurde zu einer Institution, mit allerdings eher unrühmlichem Ende.
Jetzt, einige Jahrzehnte später, wird in der Kurrentgasse wieder italienisch gekocht. Allerdings wesentlich besser. Küchenstilistisch lässt der neue Inhaber Piero Corapi in seinem Ristorante Mangia & Ridi (Essen und Lachen) eine klassische süditalienische Küche auffahren. Dementsprechend kann man mit einem perfekt marinierten Thunfisch- oder Schwertfisch-Carpaccio als ersten Gang eigentlich nichts falsch machen. Danach Spaghetti Vongole wie aus dem Lehrbuch. Eigentlich ein einfaches Gericht, aber selten so gut wie hier. Und danach ein Wildfang-Branzino in der Salzkruste, der mit viel Grandezza serviert wird. Auch bei diesem Gang überzeugt vor allem die hervorragende Produktqualität.
Seit einigen Wochen hat Corapi einen neuen jungen Koch aus Italien, der mit einigen Eigenkreationen das hohe Niveau noch einmal steigern konnte. Es verwundert daher kaum, dass dieser Innenstadtitaliener derzeit fast täglich zum Bersten voll ist und zu den italienischen Hotspots der Stadt gehört.
Relativ neu ist auch die Trattoria La No, die von der Dorotheergasse in die Annagasse übersiedelt ist, wo früher ein Lokal unter der Bezeichnung Die Biowirtin ansässig war. Der aus der Toskana stammende Mario Lorenzetti hat das Lokal ein wenig umbauen lassen, es ist jetzt wesentlich heller, seine Frau Jitka leitet den Service. Inmitten des Gastraumes: ein kleiner Reifeschrank mit Dry-Aged-Beef.
Unter den Antipasti ragen zwei Gerichte heraus: eine wunderbare Burrata mit Tomatenconfit und eine „Battuta al coltello“, eine Art Tatar, vom toskanischen Rind (Mucco Pisano) mit schwarzen Trüffeln. Ebenfalls sehr gelungen: die „Spaghetti con Vongole e Bottarga di muggine“. Oder „Testaroli di Pontremoli“ (eine Art Pancake aus Pontremoli) mit Salsiccia und Pecorino. Die Bottarga kommt aus Sardinien.
Im Bereich der Secondi spielt Fisch in allen erdenklichen Varianten eine große Rolle, was bei einem Italiener nicht sonderlich überrascht. Die „Bis­tecca alla Fiorentina“ aus dem Reifekühlschrank ist da schon wesentlich unüblicher, vor allem, da das Fleisch tatsächlich von den herrlichen Rindern aus der Toskana stammt.
Nun aber zu einem italienischen Lokal, das es schon etwas länger gibt, aber lange Zeit nicht sonderlich aufgefallen ist. Und das mag wohl an der unüblichen Adresse liegen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Bar und Delikatessengeschäft im Durchgang am Hohen Markt in der Wiener Innenstadt. Das Agrodolce ist klein, weshalb man es leicht übersehen kann, denn wer diesen Durchgang benutzt, der tut das in der Regel, um schnell zum Hohen Markt zu gelangen. Und genau das ist ein Fehler, denn in diesem charmanten Lokal wird auf einem erstaunlich hohen Niveau italienisch gekocht, wie man das auch in Italien lange suchen muss. Geführt wird das Agrodolce von Rudolf Schlagenhaufen, seine Frau Alessandra Lussu stammt aus Sardinien und steht in der „Küche“ – der Platz, den die sympathische Köchin zur Verfügung hat, ist wahrlich begrenzt.
Dennoch ist ihre Pasta für viele inzwischen eine der besten der Stadt. Egal ob ganz schlicht mit Tomatensauce und Burrata oder mit Parmaschinken und einer cremigen Sauce aus Karfiol und Lauch. Hervorragend zubereitet auch geschälte Tomaten mit Rinderragout gefüllt oder ein Risotto mit Limonen.
Es ist schon erstaunlich, dass in einem Winziglokal in einem schmucklosen Hausdurchgang eine derartige Küche zelebriert wird – eine, die wirklich durch und durch italienisch ist.

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