Vorfreude auf gigantische Weinkeller

Gastronomie während einer Pandemie. In Zeiten wie diesen muss man sich schon mit einer Extraportion an Optimismus über die bereits seit Monaten anhaltende Durststrecke retten. Wie wird es sein, wenn alles wieder halbwegs „normal“ ist? Auf welche Res­taurants und Lokale freuen wir uns besonders, in Erinnerung an bessere Zeiten?

Wir legen den Fokus diesmal auf einen Teilaspekt des gastronomischen Gesamtpakets: den Weinkeller. Welche Restaurants und Gasthäuser bieten eine überdurchschnittliche Weinauswahl, wo findet man die besten und reichhaltigsten Weinkeller des Landes?
Zwei Betriebe ragen in dieser Hinsicht schon seit langer Zeit heraus: das Palais Coburg mit dem Restaurant „Silvio Nickol“ in Wien und die „Hospiz Alm“ in Sankt Christoph am Arlberg.
Der Weinkeller im Palais Coburg ist nicht nur der größte des Landes, er wurde 2014 vom renommierten Fachmagazin „The World of Fine Wine“ sogar zum „besten Weinkeller der Welt“ gekürt – mit immerhin sagenhaften 5.500 Positionen. Dem Vernehmen nach befindet sich im Coburg-Keller auch der wahrscheinlich älteste noch trinkbare Wein der Welt: ein Rüdesheimer Apostelwein aus 1727. In den Raritätenkammern ruht überdies eine sagenhafte Kollektion von rund 100 Jahrgängen Chateau Yquem – lückenlos von 1893 bis 2001 – sowie eine umfangreiche Sammlung Mouton Rothschild, darunter der „Jahrhundertjahrgang“ 1945, einer der teuersten Weine der Welt.
Nicht viel weniger spektakulär ist der Weinkeller in der „Hospiz Alm“ in Sankt Christoph am Arlberg. Gründer und Inhaber Adi Werner ist wohl der bekannteste Pionier der gehobenen Almhüttenkulinarik. Schon vor mehr als 30 Jahren setzte er mit der „Hospiz Alm“, dem edlen Ableger seines „Arlberg Hospiz Hotels“, ganz neue Maßstäbe. Rund 5.000 Großflaschen lagern in seinem Keller, darunter alles, was in Bordeaux Rang und Namen hat. Der Wert dieser Sammlung wird auf einige Millionen Euro geschätzt. Einen vergleichbaren Weinkeller mit derart vielen Magnum- und Doppelmagnumflaschen gibt es auf der ganzen Welt nicht.
Im Osten Österreichs verfügt „Der Floh“ in Langenlebarn über ein konkurrenzloses Angebot. Hausherr und Küchenchef Josef Floh ist schon lange bekannt für seine ungebremste Weinleidenschaft. In seiner aberwitzig di­cken Weinkarte finden sich nicht nur alle bekannten Edelwinzer Österreichs, sondern auch Unmengen an interessanten Neuentdeckungen aus den verschiedensten Regionen, die anderswo zu Unrecht völlig vernachlässigt werden. Die Preise dabei sind moderat.
Im Westen hat sich hingegen der „Kirchenwirt“ in Leogang in der Vor-Corona-Zeit zu einem Geheimtipp für Weinfreunde gemausert. In dem jahrhunderte alten Weinkeller lagern überdurchschnittlich viele Weine aus Italien, Frankreich mit Schwerpunkt Bordeaux, Burgund und Rhonetal sowie Ausgesuchtes aus der Neuen Welt, Südamerika, Australien, Südafrika und Japan sowie den USA. Überraschend dabei: In der überaus reichhaltigen Sammlung finden sich auch jede Menge Weinraritäten aus Ländern, die man erst auf den zweiten Blick mit Wein in Verbindung bringen würde.
In Lech am Arlberg sind es vor allem zwei Betriebe, die mit einer beeindruckenden Weinsammlung aufwarten: das „Fux“ und die „Rote Wand“.
Das „Fux“ in Lech ist ein absoluter Hotspot, mit einer Weinkarte, die im Lauf der Zeit auf rund 5.000 Positionen angewachsen ist. Darunter unglaubliche Jahrgangstiefen und Raritäten bis in die 1920er-Jahre des letzten Jahrhunderts.
Zu verdanken ist das dem Inhaber Peter Strolz, dessen Fanatismus in Sachen Wein kaum einen Vergleich kennt. Nicht zuletzt deshalb betreibt er auch einen eigenen Weinhandel mit Online-Bestellmöglichkeit.
Auch in der „Roten Wand“ von Hausherrn Joschi Walsch, ein Besessener in Sachen Topgastronomie, ist die Weinkarte immerhin 76 Seiten dick. Hier keinen passenden Wein zu der von der Gourmetkritik hoch gelobten Küche zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Noch mehr Weine findet man beim „Döllerer“ in Golling, südlich von Salzburg. Im imposanten Genussimperium der Familie mit einem der besten Restaurants Österreichs, einem Wirtshaus und einem eigenen Weinhandel ist es nicht allzu verwunderlich, wenn auch die Weinauswahl gigantisch ausfällt.
In den Weinkellern lagern rund 5.000 Etiketten von mehr als 230 Produzenten der renommiertesten Weingüter der Welt. Die Weinauswahl bei den Döllerers zählt aber auch zu den innovativsten des Landes, egal ob Natural Wines oder traditionell produzierte Weine. Viele davon kann man in der „Döllerer Enoteca“ verkosten.
Das rechtfertigt schon ein bisschen Vorfreude auf eine Zeit, in der man von allem Unbill befreit, die eine oder andere gute Flasche entkorken lässt.

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