Wo man ein Lokal nicht vermuten würde

Wien, Schmerlingplatz 10. Es ist die Adresse des ehrwürdigen Justizpalastes, Arbeitsplatz von über 500 Menschen. Neben dem Obersten Gerichtshof sind hier das Oberlandesgericht Wien und das Landesgericht für Zivilrechtssachen sowie die Generalprokuratur und die Oberstaatsanwaltschaft Wien untergebracht. Architektonisches Highlight: die prunkvolle Aula im Stil der Neorenaissance erbaut. So weit, so gut, man kennt das alles.

Weniger bekannt ist hingegen die Tatsache, dass man auf dem Dach des Hauses ein Lokal vorfindet, das weit mehr ist als eine Kantine für die Bediensteten. Im Justizcafé, so die offizielle Bezeichnung, trifft man nicht nur Richter und Staatsanwälte, es ist ein öffentlich zugängiges Lokal. Wer hinauf will, muss allerdings im Foyer (derzeit mit Maske) durch eine Sicherheitskontrolle – wie auf dem Flughafen. Das ist zwar für einen Lokalbesuch etwas ungewöhnlich, doch es lohnt sich. Denn das Justizcafé ist eigentlich ein Mittagsrestaurant mit einer hervorragenden Küche und einer spektakulären Sicht über Wien. Ein Ausblick, wie man ihn in der Stadt nur höchst selten findet.
Geführt wird das ungewöhnliche Lokal von Ivo Brnjic, einem der erfahrens­ten Szenegastronomen Wiens. Der gebürtige Kroate war unter anderem lange Zeit Betreiber des früheren Theatercafé am Wiener ­Naschmarkt – in einer Zeit, als das Theatercafé noch zu einem der erfolgreichsten Szenetreffs gehörte.
Mit dieser Erfahrung im Gepäck sorgt Ivo heute für eine hervorragende Küche samt guter Weinauswahl, wie im früheren Theatercafé betreut der Vollblutwirt seine Gäste höchstpersönlich, wer ihn kennt, und das sind nicht wenige, der schätzt den umtriebigen Lokalmatador.
Noch bekannter ist Andi Wojta, er war jahrelang einer der beiden Protagonisten der ORF-Koch-Sendung „Frisch gekocht mit Andi und Alex“. Dass der populäre TV-Koch seit über 20 Jahren in der Kantine des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung am Minoritenplatz kocht, ist mitunter weniger bekannt. Insider aber wissen: Hier kocht einer, der bei Größen wie Reinhard Gerer und ­Eckart Witzigmann gelernt hat. Von Montag bis Freitag von 11.30 bis 13.30 Uhr bekocht Wojta nicht nur Minis­teriumsbedienstete, sondern auch Gäste, die wegen seiner hervorragenden Wiener Küche vorbeischauen. Mehr als ein Dutzend verschiedener Gerichte hat er im Programm, alles von ausgesuchter Qualität. Auch wenn es ein wenig versteckt wirkt, ist das Lokal leicht zu erreichen. Beim Haupttor hinein und dann rechts ein paar Stufen hinunter. Reservieren kann man nicht und man muss sich die Gerichte auch selbst zum Tisch bringen.
Etwas schwieriger zu erreichen ist die Kantine des Ronacher, ebenfalls ein Restaurant, das man hier im Theater nicht vermuten würde und das auch einer Laufkundschaft zur Verfügung steht. Hinauf in den 6. Stock kommt man über den Seiteneingang (Schellinggasse, Ecke Himmelpfortgasse) und einem Lastenaufzug, zuvor muss man sich beim Portier anmelden. Oben erwartet einen ein Lokal mit schöner Aussicht und einer für eine Kantine unüblich guten Küche. Sensationell günstig sind auch die Preise. Die Menüs kosten von 5,80 bis 6,20 Euro. Inklusive des besonderen Ortes ist das mehr oder weniger konkurrenzlos.

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