Coach? Therapie?

Überlastung, Stress, Depression: Manager kennen die Symptome. Aber: Wie damit umgehen?

(Foto: KatarzynaBialasiewicz – GettyImages.com)

Herr K., 50, ist Abteilungsleiter eines mittelgroßen Unternehmens. Mehrfach kam er an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit, nahm sich ständig vor, etwas zu ändern, doch stets war bald wieder alles beim Alten. Nun kommt er nach den Sommerferien mit dem Vorsatz, es diesmal besser zu machen und einen Experten seine Tagesplanung überprüfen und gestalten zu lassen. Er möchte eine Empfehlung für einen guten Coach.
Die Tätigkeit des Coachens ist aber kein spezifisches Berufsbild. Je nach Ziel und Aufgabenstellung sind in Österreich unterschiedliche Berufsgruppen auf diesem Gebiet tätig:

  • Themen wie das Management von Veränderungsprozessen und unternehmensbezogenen Krisensituationen werden vorrangig von Wirtschaftsexperten gecoacht. Die klare Definition von Zielen und Nichtzielen ist dabei Voraussetzung für einen effektiven Coaching-Prozess.
  • Lebens- und Sozialberater können Personen oder Institutionen, insbesondere in den Gebieten der Persönlichkeitsentwicklung, der Selbstfindung einzelner Personen, bei der Lösung von Problemen sowie der Verbesserung der Beziehungsfähigkeit, unterstützen.
  • Basierend auf einer akademischen Ausbildung können Psychologen im präventiven und therapeutischen Setting tätig werden. Psychotherapeuten erwerben ihre fachspezifische Ausbildung im Wege des zweiten Bildungsweges berufsbegleitend. Sie alle beschäftigen sich je nach Schwerpunkt mit der Behandlung von psychischen, psychosozialen oder psychosomatisch bedingten Leidenszuständen sowie krankheitswertigen Störungen.


Welches Ziel steht im Fokus?

Diese Frage muss immer zuerst gestellt werden! Geht es um Organisation und Prozessmanagement, ist es die Optimierung kaufmännischer Prozesse? Bestehen Sorgen, Ängste oder Schlafstörungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen? Oder Zwangsgedanken und Süchte? Wie sehr ist die Lebenssituation belastet? Gibt es Lebenskrisen in der Partnerschaft und der Familie?
Teambuilding-Maßnahmen können von einem Wirtschaftscoach, Lebens- und Sozialberater oder einem Psychologen übernommen werden.

Je mehr Sorgen, Ängste, Panik oder Zwangsgedanken den Alltag und die Nacht bestimmen, umso mehr bedarf es begleitend oder alleine einer therapeutischen Unterstützung. Hierfür bieten sich die verschiedenen Methoden der Psychotherapie sowie der medizinischen Psychotherapie an: Methoden mit tiefenpsychologisch-psychodynamischer Orientierung (auch Psychoanalyse nach Freud), mit humanistisch- exis­tenzieller Orientierung (z. B.: Integrative Psychotherapie), mit systemischer Orientierung (z. B.: Systemische Familientherapie) oder die Verhaltenstherapie. Zunehmend erwerben sich Therapeuten im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit die Kompetenz für eine zweite oder dritte Methode, wodurch die Grenzen der Therapieformen immer wieder zu verschwimmen scheinen. Systemische Familien-, integrative oder Verhaltenstherapie sind in Anlehnung an amerikanische Denkweisen eher auf kurzfristigere Lösungen fokussiert, während die Psychoanalyse in ihren Grundgedanken im Allgemeinen von einer längerfristigen therapeutischen Begleitung ausgeht.
Mein Tipp: Egal ob als Coaching oder therapeutischer Prozess ist eine solche Begleitung immer etwas sehr Persönliches. Scheuen Sie sich nicht, nach einem Kennenlerngespräch die Frage nach dem persönlichen Eindruck/Gefühl zu stellen. Wenn Sie nach der fünften Sitzung meinen, dass Ihnen mit dieser Person ein offenes Gespräch sehr schwerfällt, so sprechen Sie dies an. Finden Sie keinen Weg der Änderung, so ist eventuell ein Therapeutenwechsel sinnvoll.
Bedenken Sie, dass jede längerfristige Störung Ihres Schlafes auch Ihre Entscheidungsfreudigkeit und Ihre Wahrnehmung von Dingen beeinflusst. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Manchmal sollten Sie sich nicht scheuen, diesbezüglich einen Facharzt für Psychiatrie zu konsultieren.

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