Die „virtuelle“ Koloskopie

In den Vorsorgeuntersuchungen hat die konventionelle Koloskopie einen fixen Platz. Jetzt gibt es aber mit der „Virtuellen Koloskopie“ eine noch modernere Methode.

„Virtuelle“ Koloskopie als Alternative der klassischen Darmspiegelung? Jein (Foto: mauritius images / BSIP / B. BOISSONNET)

Die konventionelle Koloskopie (oder Kolonographie) oder „Darmspiegelung“ gilt als „Goldstandard“ der Vorsorgeuntersuchung des Dickdarms zur Entdeckung von Polypen und Karzinomen. Viele Menschen suchen aber eine Alternative zu dieser Darmspiegelung.
Die erstmals 1996 beschriebene virtuelle Koloskopie mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) wird zunehmend als sanfte Alternative angeboten. Doch können diese Verfahren eine Dickdarmspiegelung wirklich ersetzen? Die Antwort ist einfach: Jein.
Der Vorteil der virtuellen Verfahren: die Kurven und Windungen des Darms stellen kein Hindernis dar, er kann immer komplett dargestellt werden. Polypen können ab etwa sieben bis acht Millimeter mit Sicherheit erfasst werden. Kleinere Veränderungen werden eher schlecht dargestellt. Im Regelfall haben Läsionen dieser Größe aber selten eine klinische Relevanz. Gegenüber der CT-Koloskopie hat die MRT-Untersuchung den großen Vorteil, dass sie ohne radioaktive Strahlung auskommt, durch ein Kontrastmittel können auch Informationen über die Durchblutung der Darmwand erhalten werden. Dies hilft, Krebsvorstufen, die eine andere Durchblutung haben, frühzeitig zu erfassen.
Als „First Line“-Screening-Methode bei asymptomatischen Personen werden die virtuellen im Regelfall derzeit nicht empfohlen, obwohl sie seit Neuestem von den Krankenkassen übernommen wird (ansonsten kostet sie 660 Euro). Empfohlen wird die CT-Koloskopie, wenn eine Darmspiegelung wegen Verwachsungen und Engstellen nicht komplett durchgeführt werden kann. Bis dato wurde nachfolgend eine Irrigoskopie (Form des Darmröntgens) durchgeführt. Bei diesen Patienten bietet sich heute eine virtuelle Koloskopie ebenso an wie bei jenen, bei denen eine Anästhesiebereitschaft erforderlich ist. Als Erstuntersuchung sollte sie bei Patienten, die bei früheren konventionellen Koloskopien nicht oder schwierig zu untersuchen waren, in Erwägung gezogen werden. Der dänische HTA-Report schätzt, dass zumindest 100 CT-Kolonographien pro Jahr an einer radiologischen Abteilung durchgeführt werden müssen, um ausreichend Expertise zu besitzen.
Wenn in einer virtuellen Koloskopie Polypen oder tumorartige Veränderungen gefunden werden, so muss nachfolgend eine Dickdarmspiegelung zur Befundbestätigung und/oder Polypenentfernung, gemacht werden. Bei der endoskopischen Darmspiegelung könnten derartige kleine Krebsvorstufen gleich abgetragen werden.
Wo liegt der Zusatznutzen?
Der medizinische Zusatznutzen der virtuellen Koloskopie besteht darin, dass auch andere Organe als der Dickdarm beurteilt werden können. Außerdem tolerieren ältere oder gebrechliche Patienten die virtuelle Koloskopie besser als die Irrigoskopie.

Tipps für die gute Vorbereitung

Auch wenn die Untersuchung für gewöhnlich von den Patienten sehr gut vertragen wird und eine Verabreichung von Beruhigungsmitteln oder eine Narkose nicht notwendig ist, bedarf es einer guten Vorbereitung der Patienten:
1.    Laborwerte zur Kontrolle der Nieren- und Schilddrüsenfunktion müssen für die Untersuchung vorliegen.
2.    Diät und vollständige Darmreinigung durch Abführmittel.
3.    Füllung des Dickdarms mit Luft (CT) oder Wasser (MRT; zwei bis drei Liter Gadolinium-Wasser) über ein kurzes und dünnes Darmrohr (wird zwei bis drei Zentimeter in den Enddarm eingeführt).
Nach der Untersuchung kann sofort wieder normal gegessen werden.
Ein sehr seltenes Risiko der Untersuchung ist die Verletzung eines vorgeschädigten bzw. akut entzündeten Darms durch die Luftfüllung. Nebenwirkungen (z. B. Durchfall) können durch das Abführmittel entstehen. Bei Jodallergie darf kein Kontrastmittel getrunken werden.
Es stellt sich somit die Frage, ob sich die MR-Koloskopie in Zukunft durchsetzen wird. Da die Kosten einer MRT- im Vergleich zur etablierten Untersuchung mehr als doppelt so hoch sind, ist davon eher nicht auszugehen. Zu bedenken ist auch, dass die endoskopische Variante keine Möglichkeit bietet, Auffälligkeiten direkt abzutragen.
Im Screening-Bereich ist eine Gleichwertigkeit zur klassischen Darmspiegelung noch nicht gegeben. Dennoch ist eine Vorsorge mit gewissen Einschränkungen besser, als keine Vorsorgeuntersuchung zu absolvieren.

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