Große Hoffnung, kleine Wirkung

Helfen Nahrungsergänzungsmittel beim Abnehmen? Weil ich das so oft gefragt werde, ­habe ich eine ­Übersicht über die wichtigsten Produkt­gruppen für Sie zusammengestellt!

(Foto: mauritius images/Alamy/victor cea)

Nach der Zeit der Fülle ist in der Fastenzeit die optimale Zeit des Entgiftens. Geht das besser mit Nahrungsergänzungs-mitteln, wie uns so viele Produzenten oft suggerieren?
Nahrungsergänzungsmittel können Vitamine, Mineralien, Kräuter oder Pflanzenextrakte, Aminosäuren, Enzyme, Gewebe aus Organen oder Drüsen oder deren Extrakte, Algen, Pilzen oder eine Kombination daraus enthalten. Verkauft werden sie als Tee, Extrakte, in Form von Tabletten und Kapseln. Doch bei all dieser Vielfalt: Die Zahl der wissenschaftlichen Beweise, die es zu Nahrungsergänzungsmitteln gibt, ist sehr unterschiedlich.  

Nahrungsergänzungs­mittel zur Erhöhung des Energieverbrauchs  

Wäre es nicht spannend, wenn man nach einem üppigen Mahl einfach ein paar Tabletten schluckt, statt sich eine Stunde auf das Rad zu setzen, um die überschüssige Energie abzuarbeiten? Mit diesem Hintergedanken werden beispielsweise Tabletten aus Herba Ephed­ra (chinesisch: Ma huang), einem in China und der Mongolei heimischen Strauch, angeboten. Er enthält Alkaloide, die unseren Stressnerv (den Sympathikus) imitieren. Daher wird angenommen, dass die Tab­letten den Stoffwechsel und damit den Grundumsatz anregen. Dies soll eine raschere Gewichtsreduktion begünstigen.
Bitterorange und Eibisch enthalten verwandte Chemikalien. Ephedra-Alkaloide werden üblicherweise mit Koffein oder pflanzlichen Koffeinquellen (z. B. Guarana, Yerba maté) zur Gewichtsreduktion kombiniert. Langzeituntersuchungen zur Gewichtsreduktion liegen nicht vor. Unter dem Einfluss von Ephedra besteht jedoch auch das Risiko psychiatrischer, kardiovaskulärer oder gastrointestinaler Nebenwirkungen. Episodisch werden auch Bluthochdruck, Arrhythmien, Myokardinfarkt, Schlaganfall und Krampfanfälle in der Literatur berichtet.

Ergänzungsmittel zur Beeinflussung des Kohlenhydratstoffwechsels

Insulin und Blutzuckerspiegel sind wesentlich für den Energieverbrauch in unserem Körper. Chrom beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel sowie die Blutfette. Es wird vermutet, dass Chrom dadurch eine Gewichtsreduktion begüns­tigt. Die Studienlage lässt jedoch keine eindeutigen Schlüsse zu. Auch Ginseng soll den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Eine durch Ginseng verbesserte Gewichtsabnahme konnte jedoch bis dato nicht nachgewiesen werden.

Ergänzungsmittel zur Förderung der Sättigung

Zahlreiche Gewichtsverlustprodukte enthalten lösliche Ballaststoffe, die Wasser im Darm binden sollen, wodurch es zu einer rascheren Sättigung kommen soll. Wenn deswegen das Essen früher beendet wird, wird die Kalorienzufuhr eingeschränkt und eine Gewichtsabnahme begünstigt. Flohsamenschalen (Psyllium) werden unter diesem Aspekt empfohlen. Eine Gewichtsreduktion konnte jedoch bis jetzt nicht nachgewiesen werden.

Fettoxidation anregend oder die Fettsynthese hemmend

Ein anderer Ansatz ist, den Fettstoffwechsel direkt zu beeinflussen. Hierfür wird Hyd­roxycitric Acid (HCA) von der indischen Tamarindentropenfrucht empfohlen. Es wurde festgestellt, dass HCA die mitochondriale Cit­rat-Lyase hemmt, was zu einer verminderten Acetylcoenzym-A-Produktion und einer verminderten Fettsäuresynthese führt. Obwohl HCA gut verträglich zu sein scheint, sind die Belege für die Wirksamkeit derzeit widersprüchlich.
Grüner Tee erhöht ebenfalls die Fettoxidation und Thermogenese. Auch Lakritze soll die Körperfettmasse ohne Veränderung des BMI reduzieren. Berichte weisen jedoch auch darauf hin, dass Lakritze Pseudoaldosteronismus, Bluthochdruck und Hypokaliämie verursachen kann.

Hemmung der Fettaufnahme

Eine Hemmung der Fettaufnahme im Darm würde ebenfalls zu einer Gewichtsreduktion beitragen. Hierfür wird Chitosan aus dem Chitin der Krustentierschalen gewonnen. Es soll als positiv geladenes Polymer die Fettabsorption durch die Bindung negativ geladener Fettmoleküle im Darmlumen verhindern können. Die Studienlage ist jedoch widersprüchlich.
Alle Studien betrachtend scheint Chitosan in Kurzzeitstudien sicher zu sein. Eine Wirksamkeit hinsichtlich eines Gewichtsverlustes scheint jedoch nicht gegeben zu sein.

Erhöhung der Wasserausscheidung

Durch Verlust des Körperwassers kann kurzfristig Gewicht verloren werden. Früher ging man dafür in die Sauna. Heute wird Tee mit Löwenzahn (Taraxacum officinale), welcher eine harntreibende Wirkung zu haben scheint, angeboten. Cascara (Rhamnus purshiana) bindet das Wasser im Darm und wirkt als Abführmittel. Keines dieser Kräuter wurde jedoch je speziell für die Gewichtsabnahme beim Menschen untersucht. Die langfristige Anwendung dieser Kräuter kann theoretisch ähnlich nachteilige Wirkungen wie konventionelle Entwässerungs- und Abführmittel verursachen.

Fazit

Nahrungsergänzungsmittel können mit Medikamenten interagieren oder medizinische Risken bergen. Sie sollten daher immer beim Arzt Ihres Vertrauens angegeben werden!
Die Vorschriften für die Herstellung und den Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln sind weniger streng als die für verschreibungspflichtige oder rezeptfreie Medikamente. Einige Produkte, die im Internet zur Gewichtsabnahme angeboten werden, können Verunreinigungen mit anderen Substanzen oder verschreibungspflichtigen Medikamente enthalten. Nahrungsergänzungsmittel, die Sie in Geschäften oder online kaufen, können sich in wichtigen Punkten von den in Studien getesteten Produkten unterscheiden.
Da es für keines der genannten Mittel einen wirklichen Nachweis der gefahrlosen Effektivität gibt, empfehle ich meinen Patienten statt solcher Präparate lieber eine mehrmalige Ernährungsberatung sowie viel Bewegung in und nach den Wochen der Gewichtsreduktion bzw. des Fastens einzuplanen.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.