Hilfe bei Rückenschmerzen

Jeder fünfte Krankenstand ist auf Wirbelsäulenbeschwerden zurückzuführen. In Österreich macht dies jährlich etwa acht Millionen Krankenstandtage aus.

Im Homeoffice muss oft der Esstisch für eine mehrstündige Computerarbeit ausreichen. Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung ist dabei ein Fremdwort (Foto: AndreyPopov – GettyImages.com)

Neun von zehn Österreichern haben im Laufe ihres Lebens Beschwerden an der Wirbelsäule (50 Prozent Lendenwirbelsäule, 50 Prozent Nacken/Schultergürtel). Zu meist sind die Schmerzen auf Bewegungsmangel und Verkümmerung des Muskelkorsetts (Rücken- und Bauchmuskeln) zurückzuführen. Akute Verletzungen und chronische Überlastungen, Übergewicht sowie chronische psycho­emotionale Belastungen führen zu einem erhöhten „Verschleiß“ der ver­schie­denen Strukturen (Knochen, Gelenke, Bandscheiben, Bänder, Muskulatur) der Wirbelsäule. Bei Gereiztheit, Verstimmung und Depressionen ist die Schmerzwahrnehmung generell verstärkt.

Woher kommen die Schmerzen?

Am häufigsten sind die sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen. Sie zeichnen sich durch einen diffusen Schmerz im Bereich des Nackens oder Rückens (vorwiegend zwischen Rippenbogen und Gesäß) mit oder ohne Ausstrahlung in Arme oder Beine aus. Bei diesen Schmerzen ist trotz genauer klinischer und radiologischer Untersuchung keine spezifische Ursache nachzuweisen. Bei ihnen ist eine Operation – auch wenn degenerative Veränderungen nachweisbar sind – nicht „indiziert“ (empfehlenswert, angebracht). Die Erfahrung zeigt, dass bei diesen Patienten die Erwartungen an die Operation meist nicht erfüllt werden können.
Bei spezifischen Ursachen des Rü­ckenschmerzes, wie Bandscheibenvorfällen mit Beinschmerzen, Spinalkanalstenosen (Wirbelkanaleinengungen) mit Einschränkung der Gehleistung, Infektionen, Frakturen und Tumorerkrankungen, kann bei genauer Abwägung eine Operation notwendig sein.
Bei der Entscheidung: Operation Ja oder Nein, darf die Magnetresonanztomographie (MRT) nie alleine entscheidend sein. Es ist immer zu beurteilen, ob ein pathologischer radiologischer Befund eher ein Zufallsbefund oder ob er für die Beschwerden verantwortlich ist. Die Minderheit der Rückenschmerzen ist auf ein organisches Substrat (Verletzungen, Osteoporose, Entzündungen, Verengung des Wirbelkanals) zurückzuführen.
Der Erfolg einer Operation kann fast nie garantiert werden. Wesentliche Indikationen für eine Operation sind eine sogenannte Kauda-Sympto­matik (Quetschung der Nerven im unteren Bereich des Rückenmarks, der „Cauda Equina“) mit Beeinträchtigung der Blasen- (unwillkürlicher Harnverlust) und Darmfunktion (unwillkürlicher Stuhlabgang), fortschreitende neurologische Defizite mit beginnender Lähmung und Sensibilitätsausfällen sowie über mehrere Wochen nicht beherrschbare Schmerzen trotz medikamentöser und intensiver konservativer Therapie.
Eine genaue Abklärung erfolgt vorrangig durch ein ausführliches ­Anamnesegespräch und eine genaue körperliche Untersuchung. Die radiologische Diagnostik ist im Regelfall erst bei einem längeren Verlauf indiziert.

Nicht gleich operieren!

Vorrangig sollte die Behandlung physikalische Therapie, manuelle Medizin, medikamentöse Therapie, Infiltrationen und vor allem aufklärende Gespräche zur Verbesserung des Verständnisses umfassen. In weiterer Folge bieten sich per Röntgen oder CT gezielte Infiltrationen an. Je nach Indikation zur Operation gibt es neben der klassischen Bandscheinoperation und der Mikrodisektomie (minimalinvasiver chirurgischer Eingriff, Entfernung von Teilen des Vorfalls, um den Druck auf die Nerven zu verringern) unterschiedliche operative Möglichkeiten bis hin zu Versteifung von einzelnen Wirbelsäulenabschnitten.

Muskelaufbau ist ganz wichtig

Allen Operationstechniken gemein ist: Die Operation bringt nur bei korrekter Indikation den gewünschten Erfolg! Die Basis eines langfristigen Erfolges ist immer die Kräftigung der Rumpfmuskulatur. Wesentlich ist für die Prävention bis hin zur Rehabilitation nach Operationen der Aufbau eines kräftigen „Muskelkorsetts“, leichtes Ausdauertraining wie Schwimmen oder Nor­dic Walking und rückengerechtes Verhalten, um die Überlastung von Bandscheiben und Gelenken zu vermeiden.

Achten Sie auf die richtige Ergonomie

Im Büro wird die Arbeitsplatzsituation durch betriebliche Vereinbarungen und Arbeitsmedizin kontrolliert. Zu Hause muss jedoch oft die Couch, der Esstisch für eine mehrstündige Computerarbeit ausreichen. Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung ist zumeist ein Fremdwort.
Dabei ist richtiges Sitzen zur Vermeidung von Rückenproblemen besonders wichtig. Aufrechtes Sitzen mit rechtem Winkel bei Knie und Ellenbogen verhindert Überlastungen der Schultern, des Rückens, der Arme und Beine.

Beachten Sie dabei:

  • Achten Sie auf die richtige Sitz­höhe! Ober- und Unterarme und Ober- und Unterschenkel sollten zumindest einen rechten Winkel bilden. Die Füße sollten vollständig auf dem Boden stehen. Die Arme sollen auf dem Tisch oder der Tastatur locker aufliegen.
  • Nutzen Sie den Sessel in seiner Sitzfläche vollständig aus!
  • Sitzfläche und Rückenlehne des Arbeitsstuhls sollten körpergerecht geformt sein. Die Sitzfläche sollte auch noch zu zwei Drittel die Oberschenkel stützen. Die Rückenlehne sollte den Rücken im unteren und mittleren Bereich abstützen.
  • Sitzen Sie aufrecht und nutzen Sie die Rückenlehne! Ein leicht nach vorne gekipptes Becken führt zum aufrechten Sitzen und vermeidet einen Rundrü­cken.
  • Sitzen Sie dynamisch! Bewegen Sie sich! Sitzen Sie mal vorgeneigt, mal aufrecht und mal zurückgelehnt. Dynamisches Sitzen beugt einseitigen Belastungen der Wirbelsäule vor. Stehen Sie zwischendurch ruhig öfter einmal auf.

Fußstützen können für kleinere Personen den Höhenunterschied zum Fußboden ausgleichen. Ein kleiner Polster kann viel helfen, als Rückenpolster am Bund oder als Keilpolster auf dem Sitz.

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