Kommando­zentrale Hormone

Informationen werden nicht nur von Nerven übertragen. Hormone, unsere zentrale ­Steuereinheit, leiten sie quer durch den Körper und stimmen ­­Prozesse an den Organen ab.

Wesentliche Stoffwechselhormone sind Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Die Schilddrüsenhormone (Foto: Untersuchung) regulieren die Stoffwechselgeschwindigkeit, ­steuern Herz, Kreislauf, Verdauung, Körpertemperatur und Gehirntätigkeit (Foto: Andrey Popov – GettyImages.com)

Sie sind chemische Botenstoffe, die in Drüsen erzeugt und ins Blut oder in die Umgebung der Drüse abgegeben werden. Etwa 100 sind bekannt, wahrscheinlich ist die Zahl der unentdeckten Hormone vielfach größer. Bildungsorte sind neben Eierstöcken und Hoden (Progesteron, Östrogen, ­Androgene) Schild- (T3, T4), Bauch­speicheldrüse (Somatostatin, Insulin, Glucagon), Hypo- (TSH, STH, Oxytocin, Lipotropin, FSH, ACTH, ADH), Epiphyse (Melatonin) und Nebenniere (Noradrenalin, Kortisol, Androgene, Aldosteron, Adrenalin).
Sie haben viele Aufgaben:

  • Stoffwechsel (Blutzuckerregulation, Nierenfunktion, Fettstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel)
  • Regulation aller Flucht- und Regenerations­mechanismen
  • Gefäßspannung und Blutdruck
  • Herzarbeit
  • Stress
  • Steuerung der Hormonproduktion
  • Tag-/Nachtrhythmus
  • Wachstum & Hirnreifung
  • Sexualfunktion (Entwicklung der Geschlechtsmerkmale, Reifung von Eizellen und Spermien)

Auch wenn Hormone im Blut frei zirkulieren, ist über das Schlüssel-Schloss-Prinzip sichergestellt, dass sie immer an den richtigen Zielzellen aktiv werden. Diese haben spezifische Rezeptoren (Schloss), die nur durch die entsprechenden Hormone (Schlüssel) aktiviert werden können. Dockt ein Hormon an den passenden Rezeptor seiner Zielzelle an, löst es darin entsprechende Stoffwechselvorgänge aus. Dabei kann eine Zelle auch Träger verschiedener Rezeptoren für diverse Hormone sein und somit verschiedene Stoffwechselvorgänge umsetzen. Ebenso kann ein Hormon unter Umständen auch auf verschiedenen Gewebszellen – wenn diese den spezifischen Rezeptor haben – andocken. Je nach Gewebszelle werden dann unterschiedliche Stoffwechselprozesse ausgelöst.
Adrenalin, ein Stresshormon, kann etwa die Durchblutung im Verdauungstrakt vermindern und gleichzeitig die Durchblutung der Skelettmuskeln anregen. Manche Hormone, wie Melatonin, werden von der Hormondrüse direkt in das umgebende Gewebe abgegeben. Melatonin wird in der Zirbeldrüse, einem winzigen Teil des Zwischenhirns, produziert und reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers. Ein Mangel an Insulin widerum führt zu Diabetes. Ursache ist eine Minderproduktion in den Langerhansschen Zellen oder eine Erschöpfung derselben durch ständige ernährungsbedingte Überforderung. Die Veränderung des Blutzuckerspiegels ist dabei nur ein Zeichen der gestörten hormonellen Funktion.
Kommt es beim Erwachsenen zum Wachstum der Körperspitzen (Akren), vor allem im Gesicht, an den Händen und Füßen, so spricht man von Akromegalie. Diese wird meist durch einen gutartigen Tumor an der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die zu viel Wachstumshormone produziert, verursacht. Die gleiche Störung führt bei Kindern zum Riesenwuchs. Dieser hat auch eine Vergrößerung der Organe mit einer Verringerung der Lebenserwartung zur Folge und muss daher unbedingt behandelt werden.

Wie wissen wir, ob unser Hormon­haushalt funktioniert?

Da Hormone im Blut zirkulieren, lässt sich durch eine Blutabnahme deren Spiegel im Blut bestimmen. Leider gibt ein solcher Hormonwert alleine selten eine endgültige Aussage über eine Krankheit bzw. ein Ungleichgewicht der Hormone. Der Hormonspiegel im Blut unterliegt vielen Einflussfaktoren (Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Sexualität, Stress etc.). Eine prophylaktische Bestimmung aller bestimmbaren Hormonwerte macht keinen Sinn. Ohne das Wissen eines Spezialisten ist die Erhebung daher nicht zielführend. Im Allgemeinen sind diese Endokrinologen, hinsichtlich der Sexualfunktionen üblicherweise Gynäkologen und Urologen.
So lange es keine Auffälligkeiten der Gesundheit gibt, ist es nicht notwendig, regelmäßige Kontrollen der verschiedensten Hormonspiegel zu machen. Im Zweifelsfall besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

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