Nur Vergesslichkeit oder schon Demenz?

Wie war der Name? Nicht selten fragen sich Menschen ab 50, 55 Jahren, ob dies erste Zeichen einer Demenz sind.

(Illustration: Kharlamova – GettyImages.com, Bearbeitung: GEWINN)

Hohes Arbeitstempo, Mehrfachbelastungen durch Beruf, Haushalt, zu betreuende Angehörige belasten unser Gedächtnis ebenso wie die Unsicherheit der Covid-Alltagssituation. Gleichzeitig ist eine gewisse Vergesslichkeit in der zweiten Lebenshälfte normal. Der schleichende Beginn der meisten Demenzerkrankungen macht eine frühzeitige Diag­nose schwierig. Dies ist auch deswegen von Bedeutung, da es verschiedene Demenzformen mit unterschiedlichem Behandlungspotenzial gibt. Online-Tests (z. B. www.vfa.de/de/patienten/gesundheits-check/alzheimer-test.html) können aber eine fachärztliche Abklärung nicht ersetzen.

Die wichtigsten Warnsignale

Klassische Warnsignale können auf ­eine Demenz hinweisen: Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse, Schwierigkeiten, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden und gewohnte Tätigkeiten auszuführen, Sprachstörungen, nachlassendes Interesse an Arbeit, Hobbys und Kontakten, fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten, Fehleinschätzung von Gefahren, ungekannte Stimmungsschwankungen, andauernde Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Misstrauen, hartnäckiges Abstreiten von Fehlern und Irrtümern oder Verwechslungen.
Bei Verdacht empfehle ich immer, einen Facharzt für Neurologie beizuziehen. Neben einer eingehenden Untersuchung ist die Erfassung von verschiedenen Laborwerten, zum Ausschluss von Erkrankungen, die das Gehirn beeinträchtigen (Diabetes Mellitus, Schilddrüsenerkrankungen etc.) notwendig. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), schließen allfällige Gehirntumore aus. Inwieweit ein Amyloid-PET-Scan sinnvoll ist, obliegt dem Neurologen.
Die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie der Demenz sind begrenzt. Umso mehr Bedeutung bekommen Faktoren wie ausreichend Schlaf, Bewegung, Ernährung, Konzentration fördernde Spiele und Gehirnjogging.

Schlaf ist entscheidend

Ein gesunder entspannter Schlaf ist laut Forschungserkenntnissen die Basis für den Abbau alter „unnötiger“ Synapsen und damit unserer geistigen Fitness. Synaptische Verbindungen, die die Nervenzellen untereinander verbinden, nutzen u. a. die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin, die wie Boten Informationen von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. Die Bereinigung unnötiger Verbindungen schafft Raum für neue verlässliche Verbindungen. Diese Bereinigung geschieht vorrangig im Schlaf. Schlafen wir nicht ausreichend, wird unser Denken trotz aller Bemühungen immer ineffizienter.

Bewegung als Gesundheitsbasis

Körper und Geist sind keine voneinander unabhängigen Systeme. Wissenschafter vermuten, dass durch Sport die Konzentration von Wachstumsfaktoren im Blut erhöht wird. Durch das Überwinden der Blut-Hirn-Schranke können diese Faktoren die Produktion neuer Nervenzellen fördern. Außerdem ist ein gesun-des Herz-Kreislauf-Sys­tem die Basis für den Erhalt einer ausreichenden Sauerstoffversorgung des Gehirns und die Reduktion des Risikos, einen Schlaganfall zu erleiden. Selbst kleinste, oft nicht bemerkte Schlaganfälle führen zu geis­tigen Einbußen. Regelmäßige Spaziergänge, Ergometertraining oder die tägliche „Fitnessstunde“ sind hierfür eine optimale Voraussetzung.

Tee senkt das Risiko

Ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Fleisch ist genau richtig. Wissenschafter der York Universität zeigten auf, dass vor allem der Obst- und Gemüseverzehr einen großen Einfluss auf unsere kog­nitive Leistungsfähigkeit hat. Bei fünf Portionen pro Tag ist bereits ein positiver Effekt spürbar. Dies machen die in ihnen enthaltenen Nährstoffen wie die Vita­mine C und E sowie die Flavonoide, die die körpereigene Abwehr unterstützen. Natürlich ist ausreichendes Trinken wesentlich. Forscher der National University of Singapore zeigten, dass regelmäßiger Teekonsum besonders positiv ist. In ihrer Probandengruppe konnte das Risiko einer Demenzerkrankung um bis zu 86 Prozent gesenkt werden. Natürliche Antioxidantien könnten dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Machen Sie Gehirnjogging


Gedächtnistraining kann in vielfältiger Form betrieben werden. Memory spielen, das Lesen von Büchern ist dabei ebenso zielführend wie meditieren oder so manches Computerspiel bzw. manche App. Neuronation (sp.neuronation.com/de/) ist eine solche, die von der Freien Universität Berlin sowie der Charité wissenschaftlich begleitet wird. Gleich, wofür Sie sich entscheiden – Regelmäßigkeit ist wichtig.

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