Sport trotz Herzschwäche

Da haben sich die Empfehlungen der Mediziner geändert: Sportliches Training wird auch bei Herzschwäche nach ärztlicher Abklärung durchaus empfohlen.

(Foto: meteo021 – GettyImages.com)

Regelmäßiges Training als therapeutische Maßnahme wurde in den letzten Jahren in die Leitlinie der Primär- und Sekundärprävention kardialer Erkrankungen aufgenommen. Gesunde Menschen sollten grundsätzlich pro Woche 150 Minuten mit moderater oder 75 Minuten mit hoher Intensität Bewegung machen. Moderat bedeutet, dass man bei der Bewegung leicht außer Atem kommen, jedoch noch immer sprechen kann. Wer dieses Training neu aufnehmen will, auch wenn er bis dahin nichts gemacht hat, und ohne körperliche Beschwerden ist, kann es ohne Probleme beginnen. Bei langsamer Steigerung auf 300 Minuten mit moderater oder 150 mit hoher Intensität, kann mit einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit gerechnet werden. Geeignete Sportarten: Wandern, Walken, Radfahren oder langsames Laufen. Natürlich können die Sportarten gewechselt werden. Je besser der Trainingszustand, umso mehr können auch Fun-Sportarten integriert werden.

Bewegung für „Herzkranke“

Für Menschen mit Herzerkrankungen oder verstärkten kardialen Belastungen (z. B. durch Übergewicht oder Diabetes) erfolgte ein genereller Wandel der Empfehlungen. Generell gilt entsprechend der kardiologischen Leitlinien, dass außer für jene, die aufgrund einer Herzmuskelschwäche bereits bettlägrig sind, Bewegung im richtigen Ausmaß das bes­te Medikament ist. Daher werden selbst Patienten nach einem Herzinfarkt während einer kardiologischen Rehabilitation langsam an ein für sie passendes Trainingsprogramm herangeführt.
Patienten mit chronischer, stabiler KHK (koronare Herzkrankheit) sollten vor Beginn eines Trainings eine kardiologische Abklärung durchführen lassen. Neben einem EKG und Herzultraschall sollte eine Ergometrie zumindest mit Bestimmung der submaximalen Belastungsgrenze durchgeführt werden. Langfristige Follow-ups sind im Sinne einer Verlaufskontrolle und Begleitung der Patienten sinnvoll.

Ergometer oder Walking

Auch Patienten mit einer stabilen Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) dürfen nach sorgfältiger Abklärung mit einem individualisierten Trainingsplan zu trainieren beginnen. Mittelfristig, nach drei bis sechs Monaten, dürfen sie mit deutlicher Verbesserung ihrer Belastbarkeit, ihres Wohlbefindens und ihrer Lebensqualität rechnen. Bei jeglicher Planung einer Intensitätssteigerung des Trainings sollte immer eine zumindest klinische Reevaluation erfolgen.
Für derart kardial belastete Patienten eignen sich vorwiegend Ergometertraining auf dem Zimmerfahrrad oder Walking. Beim Training im Freien kann eine Pulsuhr und pulsgesteuertes Training gerade in den Anfangsphasen Sicherheit vor Überlastungen bieten. Sport außerhalb kontrollierter pulsgesteuerter Trainingsprogramme sollten nur stabile und optimal behandelte Patienten mit niedrigem Risiko (Herzinsuffizienz NYHA Klasse I) durchführen. Ausdauersport mit hoher Intensität sollte bei Herzmuskelschwäche vermieden werden. Bei Patienten mit hohem oder sehr hohem Risiko ihrer Herzerkrankung sollte vor Beginn eines intensiven Trainings die maximale Belastbarkeit sowie ein kardiales Imaging oder ein Carotis-Ultraschall erhoben werden.
Bei niedrigem kardialen Risiko und besagter Untersuchung kann auch Wettkampfsport/-training ausgeübt werden. Patienten mit Symptomen oder hohem Risiko sollten beim Freizeitsport mit mittlerer Intensität bleiben.
Häufig ist eine Herzerkrankung bei adipösen (übergewichtigen) Personen und Patienten mit Diabetes mellitus nicht offensichtlich. Im Zweifelsfall sollte daher bei diesen vor Aufnahme intensiver sportlicher Aktivitäten ebenfalls eine kardiologische Abklärung erfolgen. Generell ist ergänzend zu einem regelmäßigen Ausdauertraining moderates Krafttraining empfehlenswert. Das Gleiche gilt für Patienten mit Bluthochdruck. Körperliche Aktivität moderater Intensität ist für ältere Menschen auch jenseits der 75 zu empfehlen. Um das Sturzrisiko zu minimieren, sollte spätestens nun zweimal pro Woche ein Koordinationstraining integriert werden.

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