Übergewicht: Operation?

Wenn keine Diät mehr hilft: Von Fett­absaugung bis hin zur „Adipositas-Chirurgie“.

Haben Sie jede Menge Diäten hinter sich und schon einmal überlegt, dieses Problem radikal, nämlich chirurgisch, anzugehen? Fettabsaugungen, Magen-Banding oder Magenverkleinerung werden ebenso angeboten wie Magen-Bypass-Operationen (Foto: Staras – GettyImages.com)

Haben Sie zehn oder 15 Kilogramm mehr, als Ihnen Ihr Arzt empfiehlt? Oder fallen Sie eher in den Bereich der echt schweren Mitmenschen. 34 Prozent der Österreicher teilen dieses Problem. Einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30 haben zwölf Prozent der Österreicher. Tendenz steigend. Laut WHO hat sich der Anteil der Übergewichtigen seit 1975 verdreifacht.
Der BMI errechnet sich aus Körpergewicht dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat und gilt als Maß für Übergewicht:

>> Berechnung des BMI

Die gefährliche Kombination

Die Adipositas-Chirurgie gilt heute international als wesentliche Therapieoption krankhaften Übergewichtes – bei konsequenter Begleitung der Patienten – mit einem BMI über 40, wenn Begleiterkrankungen vorliegen, bereits ab einem BMI von 35. Warum? Übergewicht bedingt das Metabolische Syndrom – eine Kombination von Übergewicht, krankhaften Blutfetten, Bluthochdruck und Insulinresistenz. Da häufig Depressionen und soziale Stigmatisierung das Metabolische Syndrom begleiten, spricht man auch vom PSALMS – dem Psychosozialen Metabolischen Syndrom.
Im Prinzip geht es bei der Adipositas-Chirurgie immer um eine mechanische Hemmung der Resorption von einem Übermaß an Nährstoffen. Das „Magen-Banding“ erzielt dies durch eine Verengung der Magenpassage, wodurch nur kleinere Nahrungsmengen aufgenommen werden können. „Magen-Bypass“-Operationen schalten im Wesentlichen den Magen als „Speicherort“ aus. Die Nahrung gelangt, einfach ausgedrückt, rascher in einen verkürzten Dünndarm, wodurch die Resorptionsmöglichkeiten im Darm begrenzt werden. Durch die Ausschaltung des wichtigen oberen Dünndarmanteils, in dem sich die für die Nahrungsaufspaltung wichtigen Verdauungssäfte mit dem Speisebrei vermengen, kommt es zu einer schlechteren Nährstoffaufnahme (Malabsorption). Daher müssen nach Bypass-Operationen lebenslang bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine, Spurenelemente und Eiweißpräparate eingenommen werden. Eisen wird aus der Nahrung im Zwölffingerdarm (Duodenum) aufgenommen. Dessen Resorption ist daher nachfolgend ebenso beeinträchtigt wie jene von Vitamin B12, welches im letzten Abschnitt des Dünndarms aufgenommen wird. Dafür ist außerdem ein Hilfsstoff („intrinsischer Faktor“) erforderlich, der zwar vom Magen gebildet wird, bei einem Magen-Bypass aber nur in zu geringer Menge. Vitamin B12 muss daher regelmäßig zugeführt werden. Es kommt auch zu einem Vitamin-D-Mangel. Warum, ist wissenschaftlich noch nicht nachvollziehbar.
Verdauungsstörungen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl können Patienten nach einer solchen Operation lange begleiten.
Die Adipositas-Chirurgie stellt einen großen bauchchirurgischen Eingriff dar. Komplikationen sind bei einem Risiko von 1,5 Prozent daher nie ganz auszuschließen. Daher ist es wichtig, die Patienten vor und nach einem solchen Eingriff ärztlich, diätetisch und psychologisch zumindest während des ersten Jahres intensiv zu begleiten. Wenn es darum geht, bloß einmal ein paar Kilo für das Aussehen zu verlieren, ist sie definitiv die falsche Methode.

Das Risiko bei Fettabsaugung

Eine andere beliebte Methode, das Aussehen zu verbessern, sind Fettabsaugungen. Sie gehören nicht zur klassischen Adipositas-Chirurgie. Fanden sie früher vorwiegend im Bereich der Oberschenkel und Hüften statt, um den „Birnentyp“ der Fetteinlagerung optisch zu verändern, werden heute auch Absaugungen an Bauch und Taille vorgenommen. Man nimmt an, dass durch die nachfolgenden Vernarbungen im Fettgewebe eine vergleichsweise dauerhafte Fettreduktion erzielt werden kann.
Neuere Untersuchungen legen jedoch nahe, dass bei Fortführung einer übermäßigen Kalorienzufuhr das Fett besonders in der Bauchhöhle eingelagert wird. Dies begünstigt den „Apfeltyp“ der Fettspeicherung (im Bauchbereich). Das Fettgewebe im Bauchbereich setzt Stoffe frei, die Entzündungen initiieren bzw. begünstigen. Es wird angenommen, dass diese eine zentrale Rolle für die systemischen Effekte des Übergewichts, insbesondere die Insulinresis­tenz und somit Diabetes, als auch die Förderung der Arteriosklerose spielen.

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