Wie locker sind Ihre Faszien?

Wer mit dem Bewegungsapparat Probleme hat, bei dem wird heute schnell ein „Faszienproblem“ diagnos­tiziert. Was steckt dahinter?

Halten Sie Ihre Faszien fit! Das Dehnen der Muskulatur ist dabei ebenso bewährt wie das Faszienrollen (Foto: tommasolizzul – Thinkstock.com)

Das Fasziennetz zieht sich wie ein dreidimensionales Spinnennetzwerk über und durch den ganzen Körper. Ursprünglich lernten wir in der Medizin von bindegewebigen Strukturen, deren Bedeutung im Aufbau von Gerüsten (Organen) oder der Verbesserung der Gleitfähigkeit zwischen verschiedenen Gewebsschichten gesehen wurde. Heute wissen wir, dass Faszien, die nicht nur unsere Muskulatur umhüllen oder Organe formen, reich an den verschiedens­ten Nervenrezeptoren sind. Dies macht sie zum größten Sinnesorgan.
30 Prozent der von Muskulatur entwickelten Kraft gehen auf umliegende Faszien über. Sie besitzen auch kontraktile Elemente. Es zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen der mechanischen Belastung des Bindegewebes (Druck und Zug) und den biochemischen Regulationsvorgängen innerhalb der Bindegewebszellen. Moderne Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass jeder Druck, jeder Zug über die Faszien in tiefere Gewebsschichten des Fasziennetzwerks weitergeleitet werden.

Massage – aber bitte richtig!

Die Techniken zur Faszientherapie sind vorwiegend tiefgehende Grifftechniken, die sehr oft ein schneidendes Gefühl verursachen. Sie können mit den Fingern, Schröpfköpfen, Stäbchen oder Hornkämmen ausgeübt werden. Güns­tig ist es dabei, die Hauptverlaufsrichtung der Fasern zu berücksichtigen. Viele dieser Techniken sind etwa in den bewährten Therapiemethoden der Massage (Friktionen, Kammgriff), der Bindegewebsmassage, der Tuina oder der Physiotherapie (Deep frictions – Querfriktionen, wie sie bei Cyriax beschrieben werden) als eine therapeutische Option integriert. Da sie meist sehr schmerzhaft sind, werden sie jedoch von den zu behandelnden Personen nicht immer sehr geschätzt. Blutergüsse können bei solchen Grifftechniken der Faszientherapie oder auch beim Schröpfen ohne Weiteres immer wieder auftreten. Menschen, die blutgerinungshemmende Medikamente einnehmen, sollten ihren Therapeuten immer darauf hinweisen!
Neueste Untersuchungen zeigen für diese Grifftechniken eine Modulation der Synthese von Matrixkomponenten, einen Einfluss auf die Ausrichtung neuer Kollagenfasern sowie eine Stimulation der Fibroblastenproliferation und -aktivierung, die von der Druckstärke der Querfriktion abhängig ist. Die Welt der Faszien wird oft als das Missing Link zwischen den unterschiedlichsten manuellen Therapieformen bezeichnet.

Elastisch durch Dehnen oder Rollen


Unsere Faszien können wir auch selbst fit halten. Das Dehnen der Muskulatur ist dabei ebenso bewährt wie das Faszienrollen. Jede Seite des Beines (vorne, seitlich außen und innen sowie hinten) lässt sich relativ leicht am Boden liegend berollen. Wichtig ist dabei, dass das körpereigene Gewicht gegen die Rolle drückt. Erst durch einen gewissen Druck werden die Faszien zueinander bewegt. Außerdem ermöglicht dieser Druck, dass mehr Gewebeflüssigkeit in das Bindegewebe aufgenommen wird. Diese „Durchsaftung“ bedingt eine Verbesserung der Elastizität des Gewebes. Gleiches kann man an den Armen machen oder entlang des Rückens.
Für die Berollung der Wirbelsäulenmuskulatur können Sie auch zwei Tennisbälle in einen Socken knüpfen und darauf auf dem Rücken liegend hinauf- und hinunterrollen. Für die Härte der Rolle gilt: je härter, umso besser. Dennoch ist das Rollen mit weicheren Rollen nicht völlig nutzlos. Man kann ja nach einiger Zeit auf härtere wechseln. Die Größe der Rollen sollte an die zu berollende Fläche angepasst sein, Beine und Rücken können mit der großen Rolle gut behandelt, für Arme und Hände kann jedoch eine kleinere verwendet werden.
Eine andere sehr einfache Möglichkeit, die Faszien geschmeidig zu halten, ist es, einfach emotional in die Kindheit zurückzukehren. Hüpfen Sie, schlenkern Sie mit den Armen locker um sich oder nützen Sie die Seile eines Kinderspielplatzes, um Ihren Körper nach allen Regeln der Kunst so richtig durchzudehnen. Natürlich können Sie auch die klassischen Dehnungsübungen machen. Je mehr Dynamik in Ihre Bewegungen kommt, um so elastischer bleiben Ihre Faszien und Ihr ganzer Körper.

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