Wie Pillen zur Gefahr werden

Werden mehrere Medikamente eingenommen, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen!

(Foto: dolgachov – GettyImages.com)

Der eine Arzt verschreibt Blutdruckmittel, ein anderer etwas für die Schilddrüse und weil der Rücken quält, wird in Eigeninitiative ein Schmerzmittel genommen. Als Ärzte lernen wir zwar, dass mehr als drei Medikamente im Zusammenspiel eigentlich nicht mehr vernünftig abgeschätzt werden können, dennoch müssen wir oft mehrere verordnen. So lange sich der Arzt dessen bewusst ist, kann man solche Situationen auch handeln. Öfter als man glaubt, werden aber Medikamente ohne Kenntnis der anderen Arzneien verordnet. Häufig brauche auch ich in meiner Ordination drei Nachfragen, bis ich mir sicher bin, alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel des Patienten zu kennen.

Das Risiko der Wechselwirkung

Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto größer ist das Risiko von Wechselwirkungen. Daher ist es besonders wichtig, dass Patienten alle Medikamente nennen können und den Arzt sogar auf bestimmte Medikamente hinweisen.
Besonders wichtig ist es, den Arzt über Antihypertensiva (Blutdruckmittel), nicht steroidale Antirheumatika (NSAID/NSAR – Schmerzmittel wie Naproxen, Diclofenac etc.), Statine (Cholesterinsenker), Serotoninwiederaufnahmehemmer (Stimmungsaufheller – auch Johanniskrautpräparate), Antikoagulantien (blutgerinnungshemmende Medikamente wie ASS = Acetylsalicylsäure), Antibabypille, Protonenpumpenhemmer (Magenschutz), Schilddrüsenhormone oder Phosphodiesterase-(PDE-)-5-Hemmer (z. B. Sildenafil/Viagra) hinzuweisen.

Antihypertensiva und NSAID: Der Blutdruck steigt

Die Kombination von NSAID und Antihypertensiva kann zu einer Blutdruckerhöhung führen. Am stärksten zeigt sich dies bei Präparaten mit Indometacin, Piroxicam und Naproxen. Etwas schwächer ist die Wechselwirkung mit Ibuprofen, Diclofenac, Rofecoxib und Celecoxib. Keine Beeinflussung der Blutdruckerhöhung gibt es unter Acetylsalicylsäure (Aspirin). Ist die gleichzeitige Therapie mit Antihypertensiva und NSAID unverzichtbar, so muss der Blutdruck entsprechend kontrolliert, bei Bedarf die Medikation angepasst werden. Daher sollte bei der Einstellung eines Bluthochdrucks immer nach der Einnahme von NSAID gefragt werden.
Auch NSAR und ASS können sich in ihrer Wirkung beeinflussen, sodass das Risiko für Patienten mit koronarer Herzkrankheit steigt. Eine einmalige Gabe ist nicht relevant. Bei regelmäßiger Einnahme sollten NSAR zumindest acht Stunden getrennt genommen werden. Alternativ kann zur Schmerzbekämpfung Paracetamol verwendet werden.

Protonenpumpenhemmer (PPI)

Spezifische Magenschutzpräparate können durch Hemmung der Magensäurebildung die Resorption diverser Medikamente und Spurenelemente behindern. Die Überwachung der Blutspiegel von Eisen, Kalzium, Magnesium und Vitamin B12 sollte daher bei einer Langzeittherapie erfolgen. Die Resorption von Schilddrüsenhormonen kann auch beeinträchtigt werden und eine Dosiserhöhung notwendig machen. Manchmal reicht es, PPIs statt vor dem Frühstück vor dem Abendessen einzunehmen.
Andere Medikamente können Wirkungen verstärken. Bestimmte Antibiotika, Psychopharmaka etc. bewirken auch eine Veränderung des Herzschlages (QT-Verlängerung), wodurch Herzrhythmusstörungen begünstigt werden.

NO-Donatoren vs. Phosphodies­terasehemmer (z. B. Viagra)

Nicht zu unterschätzen ist die Wechselwirkung von Phosphodiesterase- (PDE-)5-Hemmern (z. B. Sildenafil/ Viagra) und organischen Nitraten sowie Molsidomin (NO-Donatoren). Die gefäßerweiternde Wirkung beider kann potenziert werden, wodurch das Risiko von lebensbedrohlichen Blutdruckabfällen steigt. Andere Medikamente können ebenfalls mit Phosphodiesterasehemmern interagieren. Da diese Medikamentengruppe oft in Eigenverantwortung eingenommen wird und Nebenwirkungen auch bei einer einmaligen Einnahme auftreten können, sollten sich ihre Anwender mit dem Arzt ihres Vertrauens über allfällige Wechselwirkungen mit ihren Medikamenten aufklären lassen.
Auch Statine (Cholesterinsenker), Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI – Psychopharmaka), Antikoagulantien, ACE-Hemmer interagieren vergleichsweise häufig mit anderen Medikamenten.

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