Mini-Kreuzfahrt

Ein Hausboottrip ist ohne Bootsführerschein möglich, führt zu den schönsten Wasserwegen Europas und garantiert Corona-taugliche Entschleunigung.

Auf dem eigenen Hausboot ist der Urlauber selbst Kapitän, auch ohne Bootspatent. Bis zur Länge von 15 Metern und zwölf Personen an Bord darf jeder über 18 Jahre (Niederlande und Irland ab 21 Jahre) ohne Vorkenntnisse ein Hausboot navigieren. Kurze Einschulung (aktuell teilweise vorab mittels Video) sowie der Besitz eines Pkw-Führerscheins genügen.
Entschleunigung und Genuss in der Natur sind angesagt: Der Hausbootkapitän tuckert in Slow Motion mit sechs bis maximal zwölf Stundenkilometern über die Flüsse, Kanäle und Seen Europas. Da gehen sich pro Tag nicht mehr als 20 bis 50 Kilometer aus. Der Weg ist das Ziel. Die schwimmenden Apartments der neuen Generation sind komfortabel bis luxuriös ausgestattet und großzügig geschnitten. Ein gehobenes Sechs-Personen-Boot (z. B. die Horizon 3 von Le Boat) ist stolze 13,5x4,35 Meter groß; zum Unterdeck kommt oben eine möblierte Sonnenterrasse (inklusive faltbarem Sonnendach) dazu. Die Kabinen haben gute Betten und eigene Sanitärzellen (WC und Dusche).
Es fehlt an nichts. Warm- und Kaltfließwasser, im Idealfall Innen- und ­Außensteuerstand; oft gibt’s auch Klimaanlage, Warmluftheizung, CD/DVD-Player, Fernseher sowie Grill und Mik­rowelle in der Küche. Die Nicols Fly C verwöhnt sogar mit einem Geschirrspüler. Bug- und Heckstrahlruder (starre Welle) vereinfachen das Manövrieren. Lediglich die Elektrizität an Bord gibt sich ein wenig bescheiden und ist meist auf ein Zwölf-Volt-Bordsystem beschränkt (oder auf Landstrom in der Marina angewiesen). Nur die neuesten Topboote verfügen über einen 220-V-Generator. Ein Nachteil für Hünen: Die Stehhöhe unter Deck beträgt nur 1,90 bis 2,05 Meter.

Welches Boot, wohin fahren?

In allen europäischen Fahrgebieten stehen die Boote der vier führenden Veranstalter bzw. Vercharterer zur Ver­fügung – das sind: Le Boat (900 Boote und 35 Basen in acht Ländern Europas, ­www.leboat.at), gefolgt von Nicols (www.hausboot-nicols.de), Locaboat (www.locaboat.com/de) und Les Canalous (www.lescanalous.com/de). In Deutschland mischt Kuhnle-Tours (140 Boote) kräftig mit (www.kuhnle-tours.de) und regional gesellen sich kleine Veranstalter dazu. In Österreich sucht man so ein Angebot vergebens.
Buchen kann der angehende Hausbooturlauber entweder direkt bei den Veranstaltern oder bei Hausbootagenturen. Letztere bieten große Vorteile: Sie haben einen Überblick über den kompletten Markt und beraten Veranstalter-unabhängig. Und zwar zum haargenau gleichen Preis! Viel Know-how hat Terramarin in St. Pölten (www.terramarin.com) und Ruff-Bootsreisen in Deutschland (www.ruff-bootsreisen.de).
Der Urlaub auf dem Wasser ist nicht billig (siehe Tabelle zum Download), in der Hochsaison schnellt der Wochenpreis bis auf 5.000 Euro hinauf; Vollkaskoversicherung inklusive. Die Selbstbehalte von 2.000 bis 3.250 Euro können gegen Aufpreis (120 bis 350 Euro pro Woche) auf 250 bis 750 Euro herabgesetzt werden. Treibstoff (Diesel, Strom) kostet 300 bis 500 Euro pro Woche. Weitere optionale Nebenkosten: Autoparkplatz, Leihfahrräder, Einwegmieten, Pkw-Überstellung sowie natürlich Marinaliegeplätze.
Einen Hausbooturlaub gibt es zu vielen Themen: Natur pur, Baden, Angeln, Golf, Kultur, Wein, Kulinarik usw. – alles ist möglich! Führendes Hausbootrevier ist Frankreich mit einem dichten Netz an Wasserstraßen. Highlight ist der Canal du Midi (Weltkulturerbe), im Hochsommer aber überlaufen. Perfekte Ziele für Badekreuzfahrten sind der Canal du Rhone à Sète in der Camargue parallel zur Mittelmeerküste und die Flüsse Saône, Seille, Lot und Charente. Für Österreicher schnell (und Corona-tauglich) mit dem eigenen Auto erreichbar sind die Wasserstraßen im Elsass (rund 800 Kilometer ab Wien).
Noch näher liegt Oberitalien mit seinen Lagunen, Inselwelten und Wasserwegen (z. B. Brentakanal) rund um Chioggia, Venedig und Grado. Dieses abwechslungsreiche Fahrgebiet ist aber nicht für Hausbootneulinge geeignet! Anfängertauglich – und mit 475 Kilometern Wien am nächsten – ist die neue Bootsdestination im Nordosten Ungarns rund um den Hortobágyi-Nationalpark und die Flüsse Bodrog, Theiß (Tisza) und den Theiß-See. Nicols eröffnete hier 2020 zwei brandneue Basen: in der Weinstadt Tokaj und in Kisköre. Über die beliebten Fahrgebiete in Belgien, Holland, Deutschland sowie Großbritannien und Irland (hier herrscht auf  den Wasserwegen übrigens auch Rechtsverkehr) informieren die Homepages aller Veranstalter ausführlich. „Exotische“ Hausbootreviere sind Portugal (Grand Lago, Fluss Douro), Schweden (Götakanal), Finnland (Saimaa-Seengebiet) sowie Russland (Wolga und Moskauer Kanal, allerdings nur mit Skipper).
Im Elsass gleiten seit drei Jahren die beiden Hausbootmodelle Nicols Sixto Green (Nicols) und La Péniche S (Les Canalous) lautlos mit Elektromotor durch die Landschaft (mit einem Diesel-Notstromaggregat als Back-up). Entlang des Rhein-Marne- und Saarkanal warten etwa alle zehn Kilometer Schnellladestationen: In 1,5 Stunden ist der E-Motor wieder fit für sechs Fahrstunden (alternativ kann man über Nacht an normalen 230-V-Steckdosen laden). Das E-Angebot soll nach und nach erweitert werden.
Locaboat bietet mit der Pénichette Evolution 950E ein umweltfreundliches Hybridmodell: dieses ist mit einem schadstoffarmen Generator ausgestattet, der einen Elektromotor antreibt und für Strom an Bord sorgt (zu mieten in Deutschland, Frankreich und ­Italien).

>> Zum Download: Die schönsten Beispiele für Hausbooturlaube in Europa

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